Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau


Dottenfelderhof

Laudatio anlässlich der Preisverleihung

Menschen auf der Bühne. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Foto: BLE, A. Witzel

Laudator: Anton Schreiber
(Es gilt das gesprochene Wort.)

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Preisträgerinnen und Preisträger,

den zweiten, ebenfalls gleichrangigen Bundespreis ökologischer Landbau 2018 erhält die im hessischen Bad Vilbel ansässige Landwirtschaftsgemeinschaft Dottenfelderhof KG. Bereits 1968 schlossen sich mehrere Familien zur Landwirtschaftsgemeinschaft zusammen und begannen auf 150 Hektar biologisch – dynamisch zu wirtschaften. Zehn Jahre später wurde die "Forschung & Züchtung Dottenfelderhof" als Teil der "Landbauschule Dottenfelderhof e.V." gegründet, die eng mit der Landwirtschaftsgemeinschaft zusammenarbeitet. 

Der Forschungsbereich des Dottenfelderhofs entwickelte sich schnell zu einer Instanz bei vielen Fragen zum ökologischen Pflanzenbau. Besonders hervorzuheben ist die "On farm"-Forschung. 

Die gesamte Forschungstätigkeit der "Forschung & Züchtung Dottenfelderhof" mit der Vielzahl an abgeschlossenen und laufenden Projekten ist immer in die Landwirtschaftsgemeinschaft Dottenfelderhof eingebunden, findet auf anderen Praxisbetrieben oder in Kooperation mit Forschungsinstituten und Universitäten statt. Neben den speziell für die biologisch-dynamische Landwirtschaft ausgerichtete Forschung (Forschung über biologisch-dynamische Präparate, Konstellations- und Rhythmusforschung) versucht die "Forschung & Züchtung Dottenfelderhof" Lösungen auf Fragen zu finden, die die gesamte Biolandwirtschaft betreffen. Die Saatgutfrage steht ganz oben in der Rangfolge. Der biologische Landbau braucht eine eigene Pflanzenzüchtung, bei der andere Zuchtziele im Vordergrund stehen: Hohe Pflanzengesundheit, Resistenz gegen Krankheiten (zum Beispiel Brandkrankheiten), starke Unkrautkonkurrenz, hohe mechanische Belastbarkeit, aber auch hohe Ernährungsqualität bei zufriedenstellendem Ertrag. Weiterhin sollen die Sorten samenfest und für die Landwirtinnen und Landwirte nachbaufähig sein. Die "Forschung & Züchtung Dottenfelderhof" hat mittlerweile sechs brandresistente Weizensorten beim Bundessortenamt zur Zulassung gebracht, weitere Sorten Weizen, Gerste und Hafer befinden sich im Prüfungsanbau. Sie ist in der biologischen Saatgutzüchtung führend in der Resistenzzüchtung.

Auch der Klimawandel mit möglichen Witterungsextremen stellt für die "Forschung & Züchtung Dottenfelderhof" eine weitere Herausforderung dar. Ein möglicher Lösungsansatz ist die Züchtung und Entwicklung von Sortenpopulationen, also Vielliniengemische, die durch die Vielfalt an Eigenschaften Vorteile haben könnten.

Diese wenigen Beispiele aus der Vielzahl der Projekte der "Forschung & Züchtung Dottenfelderhof" zeigen, dass sie für den biologischen Landbau und seine Weiterentwicklung von großem Nutzen sind. Damit dieses erarbeitete Wissen und die Ergebnisse ihrer Versuche und Projekte in die landwirtschaftliche Praxis gelangen, betreibt sie eine intensive Öffentlichkeitsarbeit: mit einer bis ins wissenschaftliche Detail gehenden Homepage, umfangreicher Vortragstätigkeit, Teilnahme an Tagungen, Workshops, Mitwirkung an der Ausbildung in den Kursen der Landbauschule, intensiver Austausch mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im Bereich der Agrarforschung und Pflanzenzüchtung und Fachberaterinnen und -beratern der Bio-Verbände.

Die Jury war nicht nur von der umfangreichen Forschungs- und Projektarbeit beeindruckt, sondern auch vom ganzheitlichen Ansatz ihrer Arbeit und der Leidenschaft für eine biologische Landwirtschaft, für die die Herstellung von Nahrungsmitteln höchster Qualität für den Menschen im Mittelpunkt steht. Dafür wird die "Landwirtschaftsgemeinschaft Dottenfelderhof KG" mit dem Bundespreis Ökologischer Landbau 2018 ausgezeichnet.

Herzlichen Glückwunsch!


Letzte Aktualisierung: 25.01.2018