Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau


Weingut am Stein

Laudatio anlässlich der Preisverleihung

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt verleiht Bundespreis auf der Bühne. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Foto: BLE, A. Witzel

Laudator: Florian  Schöne 
(Es gilt das gesprochene Wort.)

Das Weingut von Ludwig und Sandra Knoll arbeitet als Familienweingut in der fünften Generation auf mittlerweile 39 Hektar in 150 Weinbergsparzellen. Seit 2008 ist der Betrieb biozertifiziert und seit 2013 Mitglied bei Naturland. Die starke Ausrichtung auf eine ständige Qualitätssteigerung im Weinberg und im Keller, die konsequente Orientierung am Prinzip der Nachhaltigkeit im gesamten Betriebsablauf sowie die breite Öffentlichkeitsarbeit durch zahlreiche Großveranstaltungen haben die Jury in besonderem Maße beeindruckt. 

Schon von weitem fällt das Weingut am Stein inmitten der Würzburger Weinberge durch seine moderne und unkonventionelle Architektur auf. Familie Knoll hat aus Muschelkalk-Bruchsteinen, Beton, Holz und Glas ein sehr attraktives Gutsgelände entwickelt, das zugleich höchsten Umweltstandards genügt. Durch die Schaffung eines Steinkellers mit Tonamphoren und Betoneiern wurde die Qualität des Weinausbaus weiter gesteigert. Der Wein reift dadurch besser, weil er jederzeit in Verbindung mit ein wenig Sauerstoff kommt. Die Form der Betoneier erhöht ferner die Fluktuation der Hefe und macht eine Filterung des Weins überflüssig. Das Ergebnis sind hochwertige Weine gemäß der VDP-Lagenklassifikation, die mit dem Stettener Stein als Große-Gewächs-Lage für Riesling und Silvaner eine besondere Auszeichnung erfahren haben. Mit der Initiierung einer Arbeitsgemeinschaft ökologischer Winzerinnen und Winzer innerhalb des Vereins Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) hat Ludwig Knoll auch überregional für eine Stärkung des Öko-Weinbaus bei seinen konventionellen Kolleginnen und Kollegen gesorgt. 

Im Weinberg ist das Weingut am Stein ebenfalls sehr engagiert, um eine nachhaltige Bewirtschaftung von alten Steillagen zu sichern. So werden Weinberge schrittweise restauriert und alte Rebbestände aus gebietstypischen Klonen erhalten. Dies gilt vor allem für den gelben Silvaner, der nur kleine Trauben mit kleinen Beeren liefert. Im Unterstockbereich der Steillagen-Parzellen mit einer Hangneigung von 50 bis 80 Prozent werden Pflanzen wie das Kleine Habichtskraut als Bodendecker eingesetzt. Durch die Nutzung von Komposten und biodynamischen Präparaten werden das Bodenleben und die Widerstandsfähigkeit der Rebe gestärkt. Ergänzend hierzu wurde auch in die Öffentlichkeitsarbeit im Weinberg investiert, zum Beispiel durch die Schaffung eines Wein-Erlebnis-Pfades und eines Weinwanderweges. 

Die Einbindung der Menschen ist im Konzept von Familie Knoll ein zentraler Bestandteil des Arbeitsalltags. Das junge, internationale Team aus bis zu 28 Arbeitskräften wird durch Aktivitäten wie Weiterbildung, Ausflüge oder gemeinsames Mittagessen gefördert. Durch regelmäßige Veranstaltungen, ein Gästehaus, ein gutseigenes Restaurant sowie das überregional bekannte Musikfestival "Wein am Stein" kommen jährlich rund 40.000 Menschen in Kontakt mit dem Weingut und seinen Überzeugungen. Dies erfordert eine hohe Bereitschaft zum Einsatz "rund um die Uhr" mit einem professionellen Auftritt. 

Nach Überzeugung der Jury zeigt das Weingut von Familie Knoll daher besonders deutlich, dass ökologisches Verständnis und Handeln sehr gut mit erfolgreichem Marketing und Genuss auf höchstem Niveau zu verbinden ist. Ein großes Engagement für mehr Nachhaltigkeit, eine starke Innovationskraft sowie eine umfangreiche Einbeziehung der Menschen in das Weingut waren für die Jury die entscheidenden Gründe für eine Nominierung als Preisträger im Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau.


Letzte Aktualisierung: 25.01.2018