Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau


Züchterbetriebe des Kultursaat e.V., Echzell, im Verbund mit der Bingenheimer Saatgut AG

Die Vermarkter und Züchter Petra Boie, Thomas Heinze, Johanna Fellner, Sebastian Vornhecke und Vera Becher. Klick führ zu Großansicht in neuem Fenster

Laudatio anlässlich der Preisverleihung

Die Preisträger züchten und vermehren auf ihren Betrieben, natürlich auf ökologisch zertifizierten Flächen, samenfeste und damit nachbaufähige Gemüsesorten mit besonderen Qualitätsmerkmalen. Züchtungsziele sind eine hohe Qualität insgesamt, wie Wohlgeschmack, eine hohe Widerstandsfähigkeit der ganzen Pflanze sowie eine gute Lagerfähigkeit. Die Züchtungsmethoden passen zum Ökolandbau. Die Gemüsesorten werden dort gezüchtet, wo sie auch angebaut werden sollen. Umgebung, Standortbedingungen und Klimaverhältnisse sind mit einbezogen.

Thomas Heinze züchtet seit über 25 Jahren Gemüsesorten. Zudem hat er eine nebenberufliche Aus- und Fortbildung in Züchtung von Pflanzen für den biodynamischen Anbau aufgebaut. Er führt seinen Züchtungsbetrieb als eigenständiges Unternehmen in Kooperation und mit Nutzungsvereinbarung für die Flächen des Betriebes der Lebensgemeinschaft Bingenheim. Heinze finanziert seinen Betrieb hauptsächlich über die Projektförderung von Züchtungsaktivitäten unter dem Dach des Vereins Kultursaat und bei der Saatgutvermehrung durch den Verkauf des Saatguts an die Bingenheimer Saatgut AG. Von ihm und der Lebensgemeinschaft Bingenheim sind bereits sechs (Neu-) Züchtungen entwickelt worden. Es handelt sich um die Gemüsearten Buschbohnen, Möhren, Salat und Rote Beete. Die Zulassungen durch das Bundessortenamt hierfür liegen vor. Angemeldet wurden Porree/Lauch und Brokkoli.

Vera Becher ist seit mehr als 10 Jahren im Gemüsesamenbau und der Gemüsezüchtung sowie seit 2007 im Züchtungsbetrieb der Gesellschaft zur Förderung der Jugend in der Landwirtschaft tätig. Dieser kooperiert eng mit der Gärtnerei des Hofguts Rengoldshausen. Vera Becher ist im Auftrag von Kultursaat für die Erhaltungszuchten verantwortlich. Ihre Neuzüchtung, der Bataviasalat Tarengo, wurde mittlerweile vom Bundessortenamt zugelassen.

Sebastian Vornhecke und Johanna Fellner kümmern sich als Nachwuchskräfte um Erhaltungszucht von Rotkohlsorten, die Züchtung von Möhren und Kohlrabi sowie um Saatgutvermehrung.

Verschiedene Maissorten des Kultursaat e. V. als Anschauungsobjekt. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.

Die 2001 gegründete Bingenheimer Saatgut AG handelt ausschließlich mit ökologischem Saatgut. Ihre Aktien sind ausschließlich Namensaktien, auf den Namen der Käufer (Kunden, Saatgutvermehrer, Stiftungen, Vereine und wenige Privatpersonen) ausgestellt und nicht frei verkäuflich. Ihre Veräußerung bedarf vielmehr der Zustimmung der Saatgut AG. Im Vordergrund steht nicht eine möglichst hohe Dividende, sondern die Weiterentwicklung der ökologischen Saatgutarbeit. Zu den Aufgaben der AG gehören die Mitwirkung bei Sortenversuchen, die Vermehrung und Qualitätsuntersuchungen des Saatguts. Die AG versteht sich als Bindeglied zwischen Züchterinnen und Züchtern, Saatgutvermehrerinnen und -vermehrer, Erwerbsgärtnerinnen und -gärtner, Verarbeitungs- und Handelsunternehmen.

Durch die Abgabe der Sortenrechte der nachbaufähigen Sorten an die Allgemeinheit über den gemeinnützigen Verein Kultursaat können die Sorten für den eigenen Gebrauch frei und ohne Abhängigkeiten nachgebaut werden. Ebenso wie die Kultursaat-Züchterinnen und Züchter verzichtet auch die Bingenheimer Saatgut AG auf den Anspruch an Sorten als geistiges Eigentum; es gibt keine Patente oder Exklusivrechte.

Anstelle üblicher Lizenzzahlungen leistet die AG einen freiwilligen Sortenentwicklungsbeitrag
an den Verein Kultursaat und unterstützt die Arbeit der Züchterinnen. Die gemeinsame Sortenvermarktung hat inzwischen in der Biobranche zu Transparenz bei der Sortenfrage/Frage nach geeigneten Sorten geführt und ebenso zur völligen Transparenz über die Herkunft einer Sorte beigetragen.

Letzte Aktualisierung: 22.01.2015