Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau


Hof Eselsmühle

Gruppenfoto
Familie Hoffarth bei der Preisverleihung auf der Internationalen Grünen Woche 2019 in Berlin, Copyright: BLE, Foto A. Witzel

Begründung der Jury für die Vergabe des Bundeswettbewerbs Ökologischer Landbau 2019

Der Familienbetrieb Hoffarth zeichnet sich im Bewerbungsbereich "Gesamtbetriebliche Konzeption" durch die folgenden Punkte als besonders preiswürdig aus:

  • Betrieb seit Generationen in Familienbesitz mit gesicherter Hofnachfolge in 2019
  • Seit über 25 Jahren biologisch bewirtschaftet
  • Entwicklung vom kleinen Nebenerwerbsbetrieb auf einem Grünlandstandort in benachteiligter Lage zum wirtschaftlich erfolgreichen und auf Vielfalt ausgerichteten Haupterwerbsbetrieb mit Schwerpunkt Rinder- und Pferdezucht auf hohem Niveau
  • Vorbildliche artgerechte Tierhaltung im gesamten Betrieb
  • Eigene Energieversorgung mit Wasserkraft zur Stromerzeugung, Solarthermie für Warmwasser und Holz zum Heizen aus eigenem Wald
  • Integration vielfältiger Naturschutz- und Vogelschutzmaßnahmen
  • Überragendes gesellschaftliches Engagement sowohl in der Gemeinde, in verschiedenen Züchterverbänden als auch im Naturschutz im Ehrenamt
  • Positive Ausstrahlung und hohe Akzeptanz in der Region
  • Große Offenheit für Erfahrungsaustausch mit Berufskollegen in ganz Deutschland und benachbarten Ländern

Die Entwicklung des Betriebes seit der Betriebsübernahme durch Dieter Hoffarth im Jahr 1978 vom kleinen Gemischtbetrieb mit Schwerpunkt Mühlenproduktion und 11,8 Hektar Flä-che zu einem großen 300 Hektar Bio-Vollerwerbsbetrieb hat Vorbildcharakter und zeugt von viel persönlichem Engagement und Innovationskraft. Die Geburt des ersten Sohnes 1991 war der Impuls zur Umstellung auf Ökologische Landwirtschaft.

Durch die benachteiligte Lage und ungünstige Böden war die Grünlandnutzung schon immer ein wichtiges Standbein. Daraus entwickelte sich eine auf hohem Niveau betriebene Tierzucht von Welsh Ponys, Cobs und Angus Fleischrindern. Der Ackerbau wurde mit einer weiten Fruchtfolge und regelmäßigem Anbau von Zwischenfrüchten an die örtlichen Gegebenheiten sehr gut angepasst. Dabei liegt der Schwerpunkt auf einem nachhaltigen Nährstoffmanage-ment, um die Bodenfruchtbarkeit langfristig zu erhalten.

Mit Renaturierungs- und Ausgleichsflächen sowie der Pflege der Salzböde-Auen durch eine Mischbeweidung mit Pferden und Rindern wird die Landschaft der Region geprägt und ge-schützt. Dafür gibt es in der Gemeinde hohe Akzeptanz und Wertschätzung. In enger Ab-stimmung mit der Naturschutzbehörde werden jährlich zahlreiche Maßnahmen durchgeführt. Dazu gehören zum Beispiel Lerchenfenster auf Ackerflächen, gezielt angelegte Blühflächen für Insekten oder die späte Mahd ausgewählter Wiesen zum Brutschutz.

Der Betrieb hat eine fast autarke Eigenversorgung mit Energie geschaffen, die auf einer Stromversorgung aus Wasserkraft, Solarthermie für Warmwasser und der eigenen Holzwirt-schaft basiert. Zusätzlich werden über die an der Hofstelle installierten Photovoltaikanlagen rein rechnerisch rund 35 Haushalte im Dorf mit regenerativem Strom versorgt.

Das Betriebsleiterehepaar betreibt auf dem Hof mit großer Leidenschaft eine erfolgreiche Welsh Pony- und Angus Rinderzucht. Für sie ist die konsequente Selektion in der Tierzucht mit einer tiergerechten Haltung der beste Weg zum Erfolg. Ihr Motto lautet „Züchten heißt in Generationen zu denken“.

Das Betriebsleiterehepaar arbeitet ehrenamtlich in verschiedenen Vorständen, zum Beispiel beim Pony- und Pferdezuchtverband, bei den Anguszüchtern und in der Interessengemein-schaft Welsh aktiv mit. Durch ihre nationale und internationale Zuchtrichtertätigkeit, sowohl in der Pferde- als auch in der Rinderzucht, sammelt Claudia Hoffarth vielfältige Erfahrungen, die sie offen und intensiv mit Berufskollegen teilt. Zahlreiche Preise für die Tiere vom Hof Eselsmühle in den vergangenen Jahren zeugen von einem hervorragenden Züchterkonzept und der erfolgreichen Umsetzung in die Praxis.

Die Vielfalt des Hofes Eselsmühle mit den verschiedenen Standbeinen bildet ein stabiles Fun-dament für den wirtschaftlichen Erfolg des Betriebes. Jeder Betriebszweig greift in den ande-ren über und zusammen ergibt sich ein großes Ganzes. So wird zum Beispiel der Kuhstall im Sommer für eine extensive Putenmast genutzt. Das Kleegras vom Ackerbau wird auch für die Fütterung der Angusrinder verwertet, die wiederum sowohl in der Direktvermarktung wie auch züchterisch eine große Rolle auf dem Hof spielen. Ein weiteres Standbein ist die Pensi-onspferdezucht, die zum größten Teil aus selbst gezüchteten Pferden besteht, die zusammen mit den Rindern das Grünland pflegen.

Eine vorbildliche artgerechte Aufzucht und Haltung aller Tiere auf dem Hof ist ein wichtiges Anliegen der ganzen Familie Hoffarth. Sie wird konsequent umgesetzt durch eine ganzjährige Weidehaltung der Rinder, einseitig offene Ställe im Winter, Pferdehaltung in Gruppen mit indi-vidueller Fütterung über Transponder, durch den in 2011 gebauten Aktivstall für die Ponys und einer Putenhaltung mit großzügigem Auslauf.

Diese Leistungen honorieren auch die Verbraucher. Mit der Direktvermarktung der Puten und Angusrinder werden angemessene Preise für die hochwertige Fleischqualität erzielt.
Zu den jährlichen Hoffesten kommen jährlich bis zu 6.000 Besucher. Die Hofübergabe an Sohn Felix soll im Jahr 2019 erfolgen. Er fühlt sich wie seine beiden Geschwister sehr eng verbunden mit dem Betrieb und der Betriebsphilosophie. Damit ist auch die Weiterführung des Hofes als ökologisch wirtschaftender Betrieb gesichert.


Letzte Aktualisierung: 24.01.2019