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Genossenschaft hilft beim Aufbau eines Bauernhofkindergartens

Kinder mit Schweinen. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Auf einem Bauernhofkindergarten werden die Kinder aktiv in die Abläufe des Betriebs eingebunden. Foto: Biohof Muhs

Ein Bauernhofkindergarten ist aus pädagogischer Sicht ein idealer Ort für Kinder. Hier können sie Tiere und Natur auf spielerische Weise kennenlernen, ein Bewusstsein für die Abläufe in der Natur und den Ursprung Ihrer Lebensmittel entwickeln. Zudem arbeiten sie aktiv mit im Stall und auf dem Feld und entwickeln nachweislich ein stabileres Immunsystem. Denn anders als normale Kindergärten ist ein Bauernhofkindergarten Teil des Hofes, nicht nur eingebunden in das Gelände, sondern auch in die Abläufe auf dem landwirtschaftlichen Betrieb.

Umgekehrt profitieren auch landwirtschaftliche Betriebe von einem pädagogischen Angebot. Sie erhalten zum Beispiel regelmäßige Einnahmen durch die Vermietung eines Gebäudes, in dem die Kinder betreut werden. Hinzu kommt eine Aufwandsentschädigung für die Anleitung und Einbindung der Kinder auf dem Hof, etwa beim Füttern der Tiere oder bei der Ernte. Direktvermarktende Betriebe mit Hofladen profitieren außerdem von der zusätzlichen Aufmerksamkeit durch Eltern und Verwandte der Kinder und bei aktiver Pressearbeit auch durch lokale Medien.

Gemeinnütziger Trägerverein ist Pflicht

Doch selbst wenn die Betriebsleitung großes Interesse an einem pädagogischen Angebot hat und die betrieblichen Voraussetzungen stimmen, ist der Aufbau eines Bauernhofkindergartens zurzeit noch eine große Herausforderung. Denn bevor ein Kindergarten starten kann, müssen viele Auflagen der kommunalen Behörden erfüllt werden. Wichtigste Voraussetzung für die Gründung eines Kindergartens ist ein gemeinnütziger Trägerverein.

Weitere Voraussetzung ist ein Gebäude für die Unterbringung der Kinder, das den Anforderungen des Kindertagesstättengesetzes entspricht. Dazu gehören zum Beispiel Toiletten und Waschbecken in ausreichender Zahl und kindgerechter Höhe und ein ebener Fußboden ohne Schwellen. Vor allem muss das Kindergartengelände durch einen Zaun vom restlichen Hofbereich abgetrennt werden. Das macht den Umbau eines vorgesehenen Altgebäudes oft aufwändig, weshalb in einigen Fällen ein Neubau die bessere Lösung sein kann.

Ist ein Frühstück oder Mittagessen für die Kinder vorgesehen, muss darüber hinaus ein Hygienekonzept nach den strengen HACCP-Vorgaben erarbeitet werden. Die Einhaltung der Bau- und Hygienevorgaben wird von den Behörden vor Ort geprüft und abgenommen.

Bürokratischer Aufwand schreckt viele Betriebe ab

Gebäude des Bauernhofkindergartens. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Eine wichtige Voraussetzung für den Betrieb eines Bauernhofkindergartens ist ein geeignetes Gebäude, das den zahlreichen baulichen Vorgaben entspricht. Foto: Biohof Muhs

Die meisten landwirtschaftlichen Betriebe haben in der Regel kaum Erfahrung in diesem Bereich. Deshalb schreckt der hohe bürokratische Aufwand viele Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter ab und sie verzichten auf die Umsetzung eines Hofkindergartens. Genau das möchte Anne-Marie Muhs verhindern. Sie betreibt mit ihrem Mann in Schleswig-Holstein einen Biobetrieb, zu dem seit dem Jahr 2000 auch ein Bauernhofkindergarten gehört. Da sie um den großen Aufwand bei der Umsetzung eines Kindergartens weiß, hat sie eine Genossenschaft gegründet, die interessierte Betriebe bundesweit intensiv unterstützen möchte.

Die gemeinnützige Genossenschaft Bauernhofpädagogik Kita-Natura eG bietet Betrieben ab 2018 die Möglichkeit, sie bei der Umsetzung eines KiTa-Konzepts zu begleiten und einen Großteil der notwendigen Behördenkontakte zu übernehmen. Die Kita-Natura eG übernimmt dabei die Trägerschaft des Kindergartens und stellt den Antrag für mögliche Zuschüsse für den Bau. Zurzeit übernehmen Kommunen und Länder immerhin bis zu 45 Prozent der Kosten.

Beratung beim Bau der Einrichtung

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Genossenschaft beraten die Betriebe zudem beim Bau oder Umbau der Räumlichkeiten und halten Kontakt zur verantwortlichen Baubehörde. Die gleiche Unterstützung gibt es auch für das erforderliche Hygienekonzept und bei der Suche nach geeigneten Erzieherinnen und Erziehern. Auch beim laufenden Kindergartenbetrieb bringt sich die Kita-Natura eG ein, zum Beispiel durch Mithilfe bei der Verwaltung, Fortbildung oder bei der Öffentlichkeitsarbeit rund um die Einrichtung.

Betriebe können den umfangreichen Service der Genossenschaft unverbindlich in Anspruch nehmen. Die Betriebsleitung kann zudem frei entscheiden, wie weit sie sich in den Kindergarten einbringen möchte. Dennoch sollte natürlich ein Grundinteresse an einem pädagogischen Konzept auf dem Hof vorhanden sein. Wichtig sind vor allem ein gutes Verhältnis und eine enge Kommunikation zwischen Betriebsleitung und den Erzieherinnen und Erziehern, um eine optimale Einbindung der Kinder in die landwirtschaftlichen Abläufe zu gewährleisten.

Eltern erwerben Genossenschaftsanteile

Eltern, die ihre Kinder in einem Bauernhofkindergarten unterbringen möchten, erwerben Genossenschaftsanteile. Beim Austritt des Kindes bekommen sie diese Anteile auf Wunsch zurückerstattet. Der laufende Betrieb des Kindergartens wird je zu einem Drittel von Eltern, Kommune und Land finanziert. Für die eigene Finanzierung strebt die Genossenschaft Partnerschaften mit Stiftungen und anderen Einrichtungen an.

Anfang 2018 startet die Genossenschaft mit einem sechsköpfigen Team. Ziel ist es laut Initiatorin Anne-Marie Muhs, langsam zu wachsen und mit zunehmender Zahl an betreuten Bauernhofkindergärten den Teamumfang anzupassen. Die bisherigen Reaktionen auf die geplante Genossenschaft sind durchweg positiv. Bei derzeit nur knapp 25 bestehenden Bauernhofkindergärten bundesweit hat Anne-Marie Muhs bereits von 22 Höfen bundesweit Anfragen vorliegen. Hinzu kommt laut Muhs, dass die Kommunen inzwischen offener für ungewöhnliche Konzepte geworden sind. Der Bedarf an Betreuungsplätzen für Kinder auch im ländlichen Raum ist deutlich gestiegen.

Kontakt zur Genossenschaft:

Gemeinnützige Genossenschaft
Kita-Natura eG
Anne-Marie Muhs
Im Dorfe 4
24217 Krummbek

Telefon: 04344 / 1278
E-Mail: info@biohof-muhs.de


Letzte Aktualisierung: 17.12.2017