Erzeuger


Zum Profi werden: Fortbildungen zur Bauernhofpädagogik

Kinder bei Kartoffelernte, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
In Fortbildungen wird vermittelt, wie man es Kindern ermöglichen kann, den Hof selbsterkundend zu erleben. Foto: U. Hampl, SÖL

Die Nachfrage nach erlebnispädagogischen Dienstleistungen hat in den vergangenen Jahren in Deutschland stark zugenommen. Besuche auf dem Bauernhof sind bei Kindergärten und Schulklassen beliebt und auch Eltern suchen zunehmend nach solchen Angeboten für ihre Kinder. Sehr gefragt sind Biohöfe. Immer mehr ökologische Betriebe denken daher darüber nach, sich mit pädagogischen Dienstleistungen ein zusätzliches Standbein aufzubauen.

Was Landwirtinnen und Landwirte lernen müssen

Das fachliche Wissen um die Landwirtschaft allein reicht in aller Regel nicht aus, um ein professionelles bauernhofpädagogisches Angebot auf die Beine zu stellen. Wer seinen Bauernhof in einen Lernort verwandeln möchte, mit dem sich Geld verdienen lässt, sollte über Kenntnisse der Bauernhofpädagogik verfügen.

Dr. Ulrich Hampl, Vorstandsmitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft Lernort Bauernhof e. V. (BAGLoB), ist seit vielen Jahren als Ausbilder und Berater in der Bauernhofpädagogik aktiv und weiß, worauf es ankommt: "Landwirtinnen und Landwirte, die in die Bauernhofpädagogik einsteigen möchten, müssen lernen, wie man es Kindern und Jugendlichen ermöglicht, den Hof selbsterkundend zu erleben. Die Besucher sollen durch direkte Einblicke in Betriebsabläufe und aktives Mitarbeiten ein lebendiges Interesse an der Landwirtschaft entwickeln". Um dies zu erlernen, empfiehlt der Agraringenieur und Pädagoge allen interessierten Landwirtinnen und Landwirten, an einer Fortbildung zur Bauernhofpädagogik teilzunehmen.

Was bieten Fortbildungen?

Junge melkt Kuh, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Durch aktives Mitarbeiten entwickeln Kinder und Jugendliche schnell ein lebendiges Interesse an der Landwirtschaft.
Foto: U. Hampl, SÖL

In Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren ein vielseitiges und umfangreiches Weiterbildungsangebot zum Thema Bauernhofpädagogik entwickelt. "Die Teilnehmenden lernen dort, eigene Ideen zu konkretisieren und zu einem passenden Konzept weiter zu entwickeln, das auf die entsprechende Zielgruppe zugeschnitten ist und die eigenen Stärken ausschöpft", so Hampl. "Außerdem wird das notwendige pädagogische Rüstzeug vermittelt: Zum Beispiel, wie man Projekteinheiten methodisch sinnvoll aufbaut oder auf welche Weise man die verschiedenen Zielgruppen am besten anspricht. Auch die Gesprächsführung wird geübt."

Große Unsicherheiten bestehen häufig in organisatorischen oder rechtlichen Angelegenheiten: Welche Versicherungen sind nötig? Müssen zusätzliche Toiletten oder Aufenthaltsräume gebaut werden? Welche Genehmigungen sind einzuholen? Sind Hygienevorschriften zu beachten? Gibt es spezielle Unfallverhütungsmaßnahmen? Und natürlich darf die Wirtschaftlichkeitsberechnung nicht fehlen, denn schließlich gilt es, einen angemessenen Preis für das eigene Angebot auszuloten.

Mehrere Fortbildungsveranstaltungen finden auf landwirtschaftlichen Betrieben statt. "Die Teilnehmenden erhalten damit die Gelegenheit, Lerneinheiten konkret in der Praxis des 'Lernorts Bauernhof' zu erarbeiten und können dabei sowohl die Rolle des Besuchers als auch die des Bauernhofpädagogen einnehmen", erklärt Hampl.

Alles ist möglich: Ob Schnupperkurs oder mehrtägige Fortbildung

Diejenigen, die erst einmal prüfen wollen, ob Bauernhofpädagogik überhaupt etwas für sie ist, können dies in ein- oder zweitägigen Schnupperkursen tun. Für eine umfassende Qualifikation werden mehrtägige Angebote (10 bis 16 Tage) empfohlen, die aus verschiedenen Modulen bestehen. Zu den Ausbildungsinhalten der Fortbildungsmodule gehören Betriebswirtschaft, Persönlichkeitsschulung, Methoden- und Fachkompetenz zur Entwicklung zielgruppenspezifischer Angebote, Pädagogik, Öffentlichkeitsarbeit und Marketing sowie Steuer, Recht und Versicherungen.

Welche Fortbildungsmöglichkeiten gibt es in Deutschland?

Umfassende Fortbildungsangebote zur Bauernhofpädagogik gibt es zurzeit in den Bundesländern Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern. In den meisten Fällen können daran auch Landwirtinnen und Landwirte teilnehmen, die nicht aus dem jeweiligen Bundesland kommen. Die Teilnehmenden der aufgeführten Qualifizierungsmaßnahmen erhalten nach erfolgreichem Abschluss ein Zertifikat. Einige der genannten Veranstalter bieten auch kürzere Einstiegsveranstaltungen ohne Abschlusszertifikat an.

Baden-Württemberg: Qualifizierung Bauernhofpädagogik

Bayern: Qualifizierung Erlebnisbäuerin und Erlebnisbauer

  • Veranstalter: Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Bayern
  • Veranstaltungsort: Verschiedene Orte in Bayern
  • Dauer: Insgesamt 16 Tage, in mehreren Moduleinheiten
  • Weitere Informationen: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF)
  • Ansprechpartner:
    Südbayern (AELF Miesbach), Gerlinde Simon, E-Mail: gerlinde.simon@aelf-mb.bayern.de
    Nordbayern (AELF Schwandorf), Annemarie Frank, E-Mail: annemarie.frank@aelf-sd.bayern.de

Schleswig-Holstein: Lehrgang Bauernhofpädagogik zwischen den Meeren

  • Veranstalter: Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein
  • Veranstaltungsort: Verschiedene Orte in Schleswig Holstein
  • Dauer: 11 Tage, in mehreren Moduleinheiten
  • Weitere Informationen:
  • Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein
  • Ansprechpartner: Landwirtschaftskammer Schleswig Holstein, Heiderose Schiller, E-Mail: hschiller@lksh.de

Rheinland-Pfalz: Qualifizierung zur Gestaltung von pädagogischen Angeboten auf dem Lernort Bauernhof

  • Veranstalter: Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz
  • Veranstaltungsort: Verschiedene Orte in Rheinland-Pfalz
  • Dauer: 12 Tage, in mehreren Moduleinheiten
  • Sonstiges: Die Fortbildung ist eingebettet in das Modellprojekt "Lernort Bauernhof"
  • Weitere Informationen: www.lernort-bauernhof-rlp.de
  • Ansprechpartner: Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, Maria Caesar, E-Mail: maria.caesar@lwk-rlp.de

Niedersachsen: Lehrgang Bauernhofpädagogik

Nordrhein-Westfalen: Bauernhof-Erlebnispädagogik

  • Veranstalter: Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
  • Veranstaltungsort: Verschiedene Orte in Nordrhein-Westfalen
  • Dauer: 11 Tage, in mehreren Lehrgangsblöcken
  • Weitere Informationen: Landwirtschaftskammer NRW (PDF-Datei)
  • Ansprechpartner: Landwirtschaftskammer NRW, Liselotte Raum, E-Mail: liselotte.raum@lwk.nrw.de

Internationale Ausbildung zum/zur Bauernhofpädagogen/in

  • Veranstalter: Ellernhof-Akademie für Natur und Business
  • Veranstaltungsort: Landhotel Ellernhof in der Lüneburger Heide bei Ellringen sowie diverse Praxisbetriebe
  • Dauer: Zwei Jahre (drei Monate Seminar auf dem Ellernhof, zwölf Monate Praktikum auf sieben verschiedenen landwirtschaftlichen oder gärtnerischen Betrieben, 7,5 Monate Selbststudium, 6 Tage Kleingruppentreffen)
  • Sonstiges: Eine staatliche Anerkennung der Ausbildung steht aktuell noch aus.
  • Weitere Informationen: Ellernhof-Akademie für Natur und Business,
  • Ablauf der Termine zur Bauernhofpädagogik an der Ellernhofakademie
  • Ansprechpartner: Ellernhof Natur und Business Akademie GmbH & Co. KG, E-Mail: mail@ellernhof.de

Letzte Aktualisierung: 22.01.2018