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Biozyklisch-veganer Anbau – eine Option für Ökobetriebe?

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Seit Mai 2017 gibt es das Gütesiegel "Biozyklisch-veganer Anbau". Quelle: BIO.VEG.AN

Vegan ist voll im Trend: Etwa 1,3 Millionen vegan lebende Menschen gibt es derzeit in Deutschland, und die Zahl nimmt seit Jahren stark zu. Viele unter ihnen ernähren sich ökologisch, denn eine vegane Lebensweise bedeutet für viele mehr als nur pflanzliche Ernährung – sie steht auch für einen achtsamen Umgang mit der Natur.

Das Angebot an veganen Produkten hat in den vergangenen Jahren enorm zugenommen. Viele dieser Produkte werden aber eben jenen Menschen nicht gerecht, denen eine biologisch und konsequent vegane Lebensmittelerzeugung wichtig ist. So kontrolliert zum Beispiel das V-Label der European Vegetarian Union, das bekannteste Label für vegane Produkte, die Lebensmittel erst ab der Verarbeitungsstufe. Das heißt, es wird zwar überprüft, ob das Lebensmittel auch tatsächlich keine tierischen Zutaten enthält. Ob die enthaltenen pflanzlichen Bestandteile während des Anbaus aber mit tierischen Düngern gedüngt wurden, ist nicht Teil der Zertifizierung. Ebenfalls nicht ins Gewicht fällt beim V-Label, ob die Lebensmittel unter ökologischen Anbaubedingungen erzeugt wurden.

Sehr viel konsequenter ist da das neue Gütesiegel "biozyklisch-veganer Anbau". Damit dürfen seit 2017 Produkte gekennzeichnet werden, die nach den Richtlinien für den biozyklisch-veganen Anbau erzeugt wurden. Und das bedeutet bio-vegan ab Feld, also garantiert ohne den Einsatz tierischer Betriebsmittel. Die Richtlinien wurden vom 2016 gegründeten Verein Biozyklisch-Veganer Anbau e.V. – kurz BIO.VEG.AN. – erarbeitet, der sich aus dem Biocyclic-Vegan Network, mehreren deutschen Tierschutzorganisationen, Institutionen der veganen Lebensweise, Öko-Lebensmittelvermarktern, engagierten Agrarstudierenden sowie Ökobetrieben aus Rheinland-Pfalz zusammensetzt.

Biozyklisch-veganer Anbau – Was ist das?

In vielen Punkten decken sich die Ideale der biozyklisch-veganen Lebensmittelerzeugung mit denen der biologischen Landbewirtschaftung – insbesondere, was enge Stoffkreisläufe und den Verzicht auf synthetische Düngemittel, Pestizide und Gentechnik angeht. Vegan im Sinne der biozyklisch-veganen Richtlinien sind biologisch erzeugte pflanzliche Lebensmittel jedoch erst dann, wenn auf dem Erzeugerbetrieb keine Tiere zur Erzeugung von Fleisch, Milch, Eiern oder anderen kommerziellen Zwecken gehalten werden. Darüber hinaus dürfen auch die bei dieser Tierhaltung oder -schlachtung anfallenden Nebenprodukte wie Mist, Gülle, Horn-oder Haarmehlpellets nicht als Dünger für den Pflanzenbau verwendet werden. Hier wiedersprechen sich also die Ansätze von biozyklisch-veganer Landwirtschaft und dem heute praktizierten Ökolandbau. Denn in der ökologischen Landwirtschaft ist die Tierhaltung in den meisten Betrieben integraler Bestandteil des betrieblichen Kreislaufs, wenngleich es hier immer mehr Ausnahmen gibt. So arbeitet inzwischen rund ein Viertel aller Biobetriebe viehlos. Der Grund dafür liegt jedoch meist in der höheren Rentabilität dieser Wirtschaftsweise und bedeutet nicht, dass diese Betrieb auf den Einsatz von Mist aus Düngekooperation oder tierische Handelsdünger wie Hornmehl verzichten.

Ein Umdenken ist nötig

Mischkultur auf dem Feld. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Im biozyklisch-veganen Anbau wird Mischkultur angestrebt. Quelle: Daniel Hausmann

Die Umstellung auf biozyklisch-veganen Anbau erfordert also auch von Ökobetrieben ein Umdenken. So kommt durch den Verzicht auf jeglichen Dünger tierischer Herkunft der Nährstoffbereitstellung über die Fruchtfolge eine noch größere Bedeutung zu, als dies im Ökolandbau ohnehin schon der Fall ist. Zudem ist der großflächige Einsatz von pflanzlichem Kompost ein wichtiger Baustein in der Nährstoffversorgung der Kulturen. Der Kompost kann vom eigenen Betrieb stammen, zulässig sind aber auch kommunale Grüngutkomposte. Hinzu kommt, dass auch natürliche Mittel zur Schädlingsabwehr, die im Ökolandbau zulässig sind, im biozyklisch-veganen Anbau nicht oder nur sehr restriktiv verwendet werden dürfen. Das heißt, vorbeugende Maßnahmen, wie zum Beispiel die Nützlingsförderung, bekommen deutlich mehr Gewicht. Hierzu wird auf jedem Betrieb der sogenannte biozyklisch-vegane Betriebsindex ermittelt, anhand dessen ökologische Maßnahmen zum Schutz der Artenvielfalt und zur Förderung des natürlichen Gleichgewichtes in einem Ranking beurteilt werden können. Im biozyklisch-veganen Pflanzenbau wird zudem Mischkultur angestrebt, was für viele Biobetriebe eine zusätzliche Herausforderung darstellen dürfte. Im geschützten Anbau ist der Mischkulturanbau sogar Pflicht.

Wie umstellen?

Mischlogo IFOAM Organic und BIO.VEG.AN. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Die biozyklisch-veganen Richtlinien sind Bestandteil der IFOAM Family of Standards. Quelle: BIO.VEG.AN

Die biozyklisch-veganen Richtlinien wurden jüngst in die IFOAM Family of Standards aufgenommen. Damit sind weltweit erstmals vegane Ökoanbaustandards verfügbar. Betriebe, die nach diesen Anbaurichtlinien wirtschaften, können sich kontrollieren und zertifizieren lassen und ihre Erzeugnisse unter dem biozyklisch-veganen Label vermarkten.

Umstellen gemäß der Richtlinien des biozyklisch-veganen Anbaus können grundsätzlich nur Betriebe, die vorher schon biozertifiziert waren – entweder nach EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau, oder nach einem ökologischen Anbauverband. Die Richtlinien sehen eine Umstellungszeit von zwei Jahren für einjährige Kulturen und drei Jahren für Dauerkulturen vor. Verkürzt werden kann diese Zeit, wenn bei Erstkontrolle aus den Betriebsaufzeichnungen eindeutig hervorgeht, dass während der vorangegangenen Vegetationsperiode der zertifizierungsrelevanten Kulturen bereits die biozyklisch-veganen Richtlinien eingehalten wurden.

Am einfachsten ist die Umstellung verständlicherweise für solche Betriebe, die bereits viehlos arbeiten. Tierhaltende Betriebe müssen die Tierhaltung innerhalb einer Frist von zwei Jahren einstellen. Für Betriebe, die dem Anbauverband Demeter angeschlossen sind, wird es schwierig, da Demeter die Anwendung tierischer Präparate in seinen Richtlinien vorschreibt.

Um sich als Betrieb kontrollieren und zertifizieren lassen zu können, ist eine Mitgliedschaft im Verein BIO.VEG.AN. erforderlich. Dieser unterstützt die produzierenden Mitgliedsbetriebe bei der Umstellung und der Vorbereitung auf die Kontrolle durch die Zertifizierungsstelle. Die Kontrolle übernimmt seit Sommer 2017 für den deutschsprachigen Raum die Kontroll- und Zertifizierungsstelle LACON.

Warum umstellen?

Der biozyklisch-vegane Anbau stellt derzeit sicher noch eine Nische dar. Die stetig zunehmende Zahl an Veganern wird aber auch diese Nische wachsen lassen. Nach Angaben von ProVeg (ehemaliger Vegetarierbund Deutschland) hat die Anzahl der vegan lebenden Menschen in Deutschland zwischen 2008 und 2016 von 80.000 auf 1,3 Millionen zugenommen. Und der Trend hält weiter an. Das Meinungsforschungsinstitut TNS hat in einer Untersuchung von 2015 herausgefunden, dass bereits 56 Prozent der Bevölkerung in Deutschland zu den sogenannten Flexitariern gehören und damit bewusst weniger Fleisch essen. Nach Angaben des Marktforschungsinstituts Skopos gibt es ein Potenzial von knapp zehn Millionen Menschen, die zukünftig gerne ganz auf Fleisch, Eier und Milchprodukte verzichten möchten, darunter auch immer mehr überzeugte Biokonsumentinnen und -konsumenten. Insofern kann die Umstellung für einige Betriebe eine lohnende Initiative sein. Wer sich für eine Umstellung interessiert, kann sich beraten lassen. Infos gibt es beim Verein BIO.VEG.AN. oder beim Biologisch-Veganen Netzwerk für Landwirtschaft und Gartenbau.


Letzte Aktualisierung: 12.03.2018