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Düngung und Nährstoffmanagement im Ökolandbau

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Jede Bearbeitung fördert die Nährstoffumsetzung im Boden. Foto; Thomas Stephan, BLE

Ziel der Bewirtschaftung im ökologischen Landbau ist ein möglichst geschlossener Nährstoffkreislauf innerhalb des Betriebs. Dies ist nur in Grenzen wirklich umsetzbar. In jedem Fall müssen Nährstoffverluste, insbesondere von Stickstoff, vermieden werden. Eine der hauptsächlichen Verlustquellen ist die Auswaschung, die dem ökologischen Landbau früher als vermeintlicher Schwachpunkt ausgelegt wurde.

Inzwischen hat sich aber gezeigt, dass es nur in Ausnahmefällen wirklich zu nennenswerten Verlagerungen beziehungsweise sogar Auswaschungen kommt. Insgesamt bietet der Ökolandbau also gerade für den Grundwasserschutz entscheidende Vorteile. Dennoch ist es für alle Betriebe mit besonders gefährdeten Standorten (zum Beispiel leichte Böden, hohe Niederschläge) wichtigste Aufgabe, den vorhandenen Stickstoff im Kreislauf zu halten. Zusammensetzung, Umbruchzeitpunkt und Intensität des Futterbaus beziehungsweise der Stilllegung sowie gegebenenfalls Stickstoff speichernde Zwischenfrüchte sind hier besonders wichtig.

Stickstoff ist knapper Faktor

Langfristig betrachtet ist der Stickstoff im ökologischen Landbau ein „knapper Faktor“. Es sind daher Überlegungen nötig, wie man Stickstoff möglichst effizient nutzt und Verluste vermeidet. Als natürliche Stickstoffquelle und Netto-Stickstoff-input ist der Leguminosenanbau im Nährstoffkreislauf von entscheidender Bedeutung, weil damit direkt das pflanzliche Wachstum gesteuert wird.

Alle indirekten Einflussfaktoren stehen in engem Zusammenhang mit der Umsetzung von organischer Masse durch das Bodenleben. Struktur, Krümelstabilität, Wasser- und Lufthaushalt, Mineralisierung etc. werden durch das ausreichende Vorhandensein leicht umsetzbarer organischer Substanz und die Umsetzungsaktivität der Mikroorganismen entscheidend verbessert. Neben der direkten Nährstoffwirkung beeinflusst ein „Füttern“ des Bodenlebens (indirekte Wirkung) in Form von organischer Substanz (zum Beispiel über Wirtschaftsdünger und  Zwischenfrüchte) die Wachstumsbedingungen positiv. Jede Bearbeitung, die die Umsetzung fördert, wirkt letztendlich als Düngung. Das Striegeln oder Hacken zur Unkrautregulierung kann also auch einen Stickstoffschub bewirken und im Sinne der Bestandsführung eingesetzt werden.

Wirtschafts- oder Handelsdünger?

Direkte Düngungsmaßnahmen mit Wirtschaftsdüngern oder organischen Handelsdüngern, die nach EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau zulässig sind, werden je nach Kultur sehr unterschiedlich gehandhabt. Während der Einsatz von Handelsdüngern im Anbau von Sonderkulturen weit verbreitet ist, hat er zum Beispiel im Getreidebau mangels Wirtschaftlichkeit eine sehr geringe Bedeutung. Hier kommen, soweit vorhanden, Wirtschaftsdünger zum Einsatz. Neben der direkten ist auch die indirekte Nährstoffwirkung in Form des sogenannten priming-effekts (Anregung der Mikroorganismen und damit Nährstofffreisetzung aus deren Aktivität) nicht zu unterschätzen.

Die Entzüge an den Hauptnährstoffen Phosphor und Kalium halten sich insgesamt in Grenzen. Reine Entzüge in der Größenordnung von etwa 20 bis 35 Kilogramm Phosphat und 20 bis 30 Kilogramm Kali pro Hektar bewegen sich in einer Dimension, welche über die Mobilisierung von Bodenvorräten und über sonstige Einträge zu tendenziell nur leicht negativen Salden führen. Diese müssen mittel- und langfristig mit mineralischen Ergänzungsdüngern, welche laut EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau zugelassen sind, ausgeglichen werden, um die Ertragsfähigkeit der Böden zu erhalten und die Produktqualität zu sichern.

Bodenuntersuchungen sind wichtig

Selbst wenn nur wenige, in der Regel schwer lösliche Düngemittel zur Verfügung stehen und ihr Einsatz eher ausnahmsweise erfolgt, sind regelmäßige Bodenuntersuchungen notwendig. Insbesondere zu Beginn der Umstellung ist es wichtig, den „Ausgangspunkt“ festzuhalten, der neben pH-Wert und den Hauptnährstoffen Phosphor und Kalium auch eine Humusuntersuchung umfassen sollte. So kann der eigene Standort hinsichtlich seiner Nährstoffvorräte und seines Puffervermögens wirklich bewertet werden. Ob ein Acker schnell und deutlich reagiert, hängt neben den mit den Erträgen verbundenen Entzügen in erster Linie von den Standorteigenschaften ab. Diese können mit Hilfe der Entwicklung der Nährstoffparameter recht gut beurteilt werden.

Zentral im Wirkungsgefüge: Humus und Kalk

Entscheidende Stellgrößen des ökologischen Ackerbaus sind die Kalk- und Humusversorgung der Böden. Sie sind die wenigen direkt durch Bewirtschaftung beeinflussbaren Standortfaktoren und haben entscheidenden Einfluss auf das Gelingen des Anbaus.

Kalk

Die Kalkung hat einen direkten Einfluss auf den Säuregehalt des Bodens und damit über den pH-Wert auf die Nährstoffverfügbarkeit von beispielsweise Phosphor und Magnesium. Damit ist die Kalkung eine wichtige Stellgröße für die Nährstoffversorgung der Pflanzen.

Kalk wirkt im Boden auf vielerlei Weise positiv. Sowohl die Förderung des Bodenlebens (und damit letztendlich der Nährstoffumsetzung) als auch die Bildung wertvoller Humussubstanzen und die Wirkung auf die Bodenstruktur und -gare spielen gerade für den Ökolandbau eine besondere Rolle. Weil die dem Kalk zugeschriebenen Wirkungen einen relativ hohen Anteil am Wachstum haben und der Ertrag unter ökologischen Bedingungen relativ stark von den Effekten des Kalks abhängt (Struktur, Bodenleben, Nährstofffreisetzung etc.), sollten an eine „optimale“ Kalkversorgung tendenziell etwas höhere Ansprüche gestellt werden.

Am Besten erfolgt die regelmäßige Kalkung zu Leguminosen (außer Lupinen!), weil diese sowohl recht bedürftig sind als auch dankbar reagieren. Gleichzeitig kann je nach den vorherrschenden Bedingungen eine kontinuierliche Versorgung sicher gestellt werden. Neben der Zulässigkeit nach den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau ist bei der Planung einer Kalkungsmaßnahme gegebenenfalls die Feinheit beziehungsweise der Vermahlungsgrad zu berücksichtigen.

Humus

Neben dem Kalk hat der Humus entscheidenden Einfluss auf Wachstum und Ertrag. Sein ausgleichender Effekt wirkt sich auf alle wichtigen Bodeneigenschaften (Bodendichte, Struktur, Porenvolumen, biologische Aktivität, Nährstoffumsetzung und -verfügbarkeit, Nährstoff- und Wasserspeichervermögen etc.) positiv aus. Insbesondere die Probleme der Böden mit relativ einseitiger Korngrößenzusammensetzung (schwere Böden: Aggregatstabilität und Bodenlüftung; schluffige Böden: Erosion; leichte Böden: Wasser- und Nährstoffkapazität) werden mit einer guten Humusversorgung entschärft. Gerade in kritischen Jahren mit Witterungsextremen ist dieser Ausgleich besonders wichtig. Kein landwirtschaftlicher Betrieb kann deshalb zu viel bezüglich der Humusversorgung tun.

Alle Fruchtfolgeanstrengungen mit Humus mehrenden Gliedern (Stilllegung bzw. Futterbau, Zwischenfrüchte, Untersaaten) sollten umfänglich genutzt werden, selbst wenn der Humusgehalt der Böden nur langfristig und nur in engen Grenzen gesteigert werden kann. Darüber hinaus können auch externe Quellen an organischer Substanz in die Bewirtschaftung der Böden einbezogen werden. Hier kommen in erster Linie Stallmist und Grünschnitt-Kompost in Frage.

Bodenstruktur

Als weiterer wichtiger Faktor im Nährstoffgeschehen wirkt die Bodenstruktur und damit letztendlich die Durchwurzelbarkeit. Die Nährstoffaufnahme der Pflanzen steht in direkter Beziehung zu ihrer Wurzeloberfläche. Je mehr Wurzeln die Pflanze entwickeln kann, desto mehr Oberfläche bringt sie in Bodenkontakt und desto mehr Nährstoffe kann sie aus dem Boden lösen und aufnehmen. Kann beispielsweise infolge von Strukturschäden nur ein halb so großes Wurzelsystems ausgebildet werden, müsste die Kaliumkonzentration in der Bodenlösung um den Faktor 100 bis 200 erhöht sein, damit in der gleichen Zeiteinheit die gleiche Nährstoffmenge aufgenommen werden könnte.

Letzte Aktualisierung: 15.11.2016