Erzeuger


Organische Handelsdünger

Zwei ausgestreckte Hände voll Ackerbohnenschrot. Klick führt zu Großansicht
Viehlose Marktfruchtbetriebe und Gemüsebaubetriebe sind auf die Zufuhr von externen Nährstoffen mittels organischem Dünger angewiesen. Foto: Thomas Stephan, BLE

Durch die Ausweitung des Marktes für ökologisch erzeugte Produkte nimmt die Spezialisierung landwirtschaftlicher Betriebe zu. Gemüseanbauer und viehlose Marktfruchtbetriebe wirtschaften intensiv und sind daher auf die Zufuhr von externen Nährstoffen angewiesen. Große Nährstoffmengen werden mit dem Verkauf der Ernteprodukte aus dem Betrieb exportiert und Wirtschaftsdünger stehen häufig nicht oder in nicht ausreichender Menge zur Verfügung. Daher spielen neben Wirtschaftsdüngern organische Handelsdüngemittel tierischer und pflanzlicher Herkunft eine wichtige Rolle. Im Anhang I der Durchführungsverordnung (EG) Nr. 889/2008 zur EG-Öko-Verordnung (EG Nr. 834/2007) sind die im ökologischen Landbau zugelassenen Düngemittel sowie Natur- und Hilfsstoffe gelistet.

Das Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) hat eine Liste der derzeit in der landwirtschaftlichen Praxis eingesetzten Düngemittel erstellt. Hierbei werden folgende Gruppen unterschieden:

  • Organische Handelsdüngemittel tierischer Herkunft
    Haarmehlpellets, Hornprodukte, Federnmehl, Fleischknochenmehl
  • Organische Handelsdüngemittel pflanzlicher Herkunft
    Vinasse, Kartoffelfruchtwasser und Konzentrate, Reststoffe der Maisverarbeitung, Schlempen, Malzkeime (Maltaflor)
  • Sonstige organische Düngemittel
    Leguminosendünger, Biosol, Hydrolysate (OPF etc.)

In der nachfolgenden Auflistung sind organische Handelsdünger samt Nährstoffgehalten und Anwendungsempfehlungen für die Praxis aufgeführt.

Horndünger

Herkunft:

Hörner und Hufe von geschlachteten Klauentieren (Weitere Anhaftungen von Fell, Fleisch, Knochen)

Durchschnittliche Nährstoffgehalte in der Trockenmasse (in Prozent):
  • Stickstoff: 13
  • Phosphor: 0,4
  • Kalium: 0,3
Düngemitteltyp:

N (P)-Dünger

Preis pro Kilogramm Stickstoff:

7,10 Euro

Anwendungsempfehlung:
  • Für Kulturen mit hohem Stickstoffbedarf, starke Wirkung im ersten Jahr, geringe Nachwirkung. Gut geeignet für Topfkulturen
  • Gutes Ergänzungsdüngemittel zu Kompost oder Festmist
  • Aufgrund des geringen Kaliumgehalts weniger geeignet für kaliumbedürftige Kulturen im geschützten Anbau
Besonderheiten:

Behandlungspflicht des Ausgangsprodukts nach der EG-Verordnung Nr. 142/2011 zur Hygienisierung (zum Beispiel Röstung, Dämpfung, Behandlung mit Propionsäure)

Haarmehlpellets

Herkunft:

Schweineborsten (Keratin)

Durchschnittliche Nährstoffgehalte in der Trockenmasse (in Prozent):
  • Stickstoff: 7
  • Phosphor: 0,5
  • Kalium: 0,3
Düngemitteltyp:

NP-Dünger

Preis pro Kilogramm Stickstoff:

4,70 Euro

Anwendungsempfehlung:
  • Für Kulturen mit hohem Stickstoffbedarf, starke Wirkung im ersten Jahr, geringe Nachwirkung
  • Schwefelgehalt 0,3 Prozent der Trockenmasse
  • Gutes Ergänzungsdüngemittel zu Kompost oder Festmist
Besonderheiten:

Starke Geruchsbildung nach Ausbringung (im geschützten Anbau zu beachten)

Fleischknochenmehl (einschließlich Knochen und Fleischmehl)

Herkunft:

Schlachtnebenprodukte, gemahlen

Durchschnittliche Nährstoffgehalte in der Trockenmasse (in Prozent):
  • Stickstoff: 3 (Knochenmehl: 2)
  • Phosphor: 3,6 (Knochenmehr: 8,8)
  • Kalium: 0,6 (Knochenmehl: 0,2)
Düngemitteltyp:

NPK-Dünger

Preis pro Kilogramm Stickstoff:

4,40 Euro (Knochenmehl: 8,60 Euro)

Anwendungsempfehlung:
  • Für Kulturen mit hohem Stickstoffbedarf geeignet. Hohe Stickstoffwirkung im ersten Jahr, wenig Nachwirkung
  • Stickstoff/Phosphor-Verhältnis variiert stark in Abhängigkeit von den Knochenanteilen. Aufgrund des hohen Phosphorgehalts auf intensiv gartenbaulich genutzten Böden weniger geeignet, wenn dort auch phosphorbetonte Grunddüngemittel wie Kompost oder Festmist eingesetzt werden
Besonderheiten:

Muss nach Ausbringung sofort eingearbeitet werden. Einsatz im Grünland oder zur Kopfdüngung im Ackerbau sowie im Gemüseanbau verboten. Nutztiere dürfen weder unmittelbar noch mittelbar mit tierischen Nebenprodukten, verarbeiteten Erzeugnissen und tierische Nebenprodukte enthaltenden Düngemitteln, Bodenhilfsstoffen, Kultursubstraten und Pflanzenhilfsmitteln in Berührung kommen. Sie sind getrennt von Einstreu und Futtermitteln aufzubewahren.

Federmehl (Mischdüngemittel)

Herkunft:

Aus Federn, die beim Schlachten von Geflügel anfallen, zudem Anhaftungen von Haut und Verschmutzungen aus dem Stall

Durchschnittliche Nährstoffgehalte in der Trockenmasse (in Prozent):
  • Stickstoff: 2
  • Phosphor: 0,4
  • Kalium: 1,6
Düngemitteltyp: NP-Dünger
Preis pro Kilogramm Stickstoff:

k.A.

Anwendungsempfehlung:
  • Für Kulturen mit hohem Stickstoffbedarf, starke Wirkung im ersten Jahr, geringe Nachwirkung
  • Einsatz wie bei Horndünger und Haarmehl. Auch für Jungpflanzenanzucht und Topfkräuter geeignet
  • Federn werden häufig mit anderen Komponenten zu Mischdüngern verarbeitet
Besonderheiten:

Federn können nach einer Hydrolyse als Blattdünger oder als Futtermittel eingesetzt werden. Eine Vergärung in Biogasanlagen ist wegen der geringen Abbaubarkeit von Keratinen unter anoxischen Bedingungen schwierig.

Vinasse (Rüben)

Herkunft:

Fermentierte Melasse aus der Zuckerrüben- und Zuckerrohrverarbeitung.

Durchschnittliche Nährstoffgehalte in der Trockenmasse (in Prozent):
  • Stickstoff: 9
  • Phosphor: 0,3
  • Kalium: 7,3
Düngemitteltyp:

N(P)K-Dünger

Preis  pro Kilogramm Stickstoff:

6,90 Euro

Anwendungsempfehlung:
  • Starke Stickstoff-Direktwirkung, aber geringe Nachwirkung
  • Schnell fließende Stickstoffquelle für Sonderkulturen (zum Beispiel Tomaten und Gurken, unter Glas) teilweise auch im Getreideanbau
  • Aufgrund von geringer Stickstoffwirkung und Blattschäden nicht zur Blattdüngung geeignet
  • Für Kulturen mit hohem Stickstoff-, Kalium- und Schwefelbedarf
  • Als Einzeldünger oder Bestandteil von Düngemittelmischungen wie MALTaflor® und Manna Bio NPK
Besonderheiten:

Vinasse ist ein eiweißreiches Futtermittel und kann als Substrat in Biogasanlagen verwendet werden. Vinasse aus Zuckerrüben zeichnet sich durch hohe Natrium- und Chlorkonzentrationen aus, die langfristig zu Versalzung im Unterglasanbau und zu Strukturproblemen des Bodens führen können.

Kartoffelfruchtwasserkonzentrat (ohne Entwässerung oder in eingedickter Form als Kartoffelfruchtwasserkonzentrat)

Herkunft:

Nebenprodukte aus der Kartoffelstärkeherstellung

Durchschnittliche Nährstoffgehalte in der Trockenmasse (in Prozent):
  • Stickstoff: 1 (deutlich höher, wenn es nicht enteiweißt ist)
  • Phosphor: 1,1
  • Kalium: 13
Düngemitteltyp:

NPK-Dünger

Preis pro Kilogramm Stickstoff:

2,00 Euro (als Konzentrat)

Anwendungsempfehlung:
  • Starke Stickstoffdirektwirkung im ersten Jahr, geringe Nachwirkung
  • Für Kulturen mit langer Vegetationsdauer und hohem Stickstoff-, Kalium- und Schwefelbedarf geeignet
  • Schwefel- und Magnesiumgehalt: je 0,3 Prozent der Trockenmasse
  • Auf Grünland beziehungsweise als Kopfdünger ist Kartoffelfruchtwasserkonzentrat wegen möglicher Blattschäden Verbrennungsgefahr entsprechend verdünnt auszubringen.
Besonderheiten:

Kartoffelfruchtwasser kann in Futtermitteln entweder zur Eiweißanreicherung oder als Staubbremse beziehungsweise Bindemittel eingesetzt werden sowie als Substrat für Biogasanlagen. Bei der Ausbringung können Geruchsbelästigungen auftreten.

Leguminosendünger - Ackerbohnenschrot, Kleegras (cobs), Wickenschrot

Herkunft:

Körner von Ackerbohnen, Erbsen, Wicken, Lupinen, Soja oder Sprossmasse von Klee beziehungsweise Luzerne mit und ohne Gras, geschrotet, siliert, getrocknet oder/und pelliert

Durchschnittliche Nährstoffgehalte in der Trockenmasse (in Prozent):
  • Stickstoff: 2 / 0,7 / 1,4
  • Phosphor: 2 / 0,3 / 2,4
  • Kalium: 1 / 0,5 / 1,0
Düngemitteltyp:

NPK-Dünger

Preis pro Kilogramm Stickstoff:

 k. A.

Anwendungsempfehlung:
  • Vor allem als Stickstoffdünger geeignet. Wenn Sprossmaterial enthalten ist, relativ hohe Kaliumgehalte
  • Auch zur Depotdüngung von Topfsubstraten geeignet
  • Nach Düngung Anbaupause von mindestens 14 Tagen einhalten, da Keimhemmung auftreten kann
Besonderheiten:

Verwendung als Futtermittel oder als Substrat zur Energieerzeugung in Biogasanlagen

MALTaflor®

Herkunft:

Mischung aus Malzkeimen und Vinasse (getrocknet und pelletiert)

Durchschnittliche Nährstoffgehalte in der Trockenmasse (in Prozent):
  • Stickstoff: 7
  • Phosphor: 0,6
  • Kalium: 4,1
Düngemitteltyp:

NPK-Dünger

Preis pro Kilogramm Stickstoff:

12,90 Euro

Anwendungsempfehlung:

Gleichmäßig fließende Nährstoffquelle für Kulturen mit langsamer Wachstumsperiode und hohem Schwefelbedarf, zur Düngung von Topfsubstraten Schwefel und Magnesiumgehalt, je circa 0,3 Prozent der Trockenmasse

Besonderheiten:

Einzelne Bestandteile können als Futtermittel oder als Substrate zur Vergärung in Biogasanlagen verwendet werden.

Maiskleber

Herkunft:

Hauptbestandteil ist Körnermais

Durchschnittliche Nährstoffgehalte in der Trockenmasse (in Prozent):
  • Stickstoff: 4
  • Phosphor: 2,2
  • Kalium: 2,3
Düngemitteltyp:

NPK-Dünger

Preis pro Kilogramm Stickstoff:

2,80 Euro

Anwendungsempfehlung:
  • Langsam fließender Dünger für Kulturen mit langer Wachstumsperiode oder zur Düngung von Topfsubstraten
  • Nährstoffspektrum variiert stark, je nach Zusammensetzung der Reststoffe
  • Zur Vermeidung von Pflanzenschäden sollten Nebenprodukte der Maisverarbeitung bei Anwendung in Erden und Substraten mindestens zwei Wochen vor der Aussaat beigefügt werden.
Besonderheiten:

Häufig Importe aus Asien und Nordamerika. Beimengungen von GVO-Material möglich. Substrat zur Energieerzeugung in Biogasanlagen oder als Substrat für die Herstellung von Antibiotika, Enzymen, Hefen etc.

Biosol® Organic

Herkunft:

Substrat und abgetötete Pilzbiomasse aus der Penicillinherstellung

Durchschnittliche Nährstoffgehalte in der Trockenmasse (in Prozent):
  • Stickstoff: 1
  • Phosphor: 0,6
  • Kalium: 0,5
Düngemitteltyp:

NPK-Dünger

Preis pro Kilogramm Stickstoff:

8,70 Euro

Anwendungsempfehlung:
  • Gleichmäßig fließende Nährstoffquelle für Kulturen mit langer Wachstumsperiode und hohem Schwefelbedarf
  • Zur Düngung von Topfsubstraten. Aufgrund seiner guten hygienischen Eigenschaften auch zur Grunddüngung von Gemüse für den Frischkonsum geeignet.
Besonderheiten:

Gegebenenfalls auch pilzbekämpfende Nebenwirkung (gegen Korkwurzelkrankheit und Kohlhernie)


Letzte Aktualisierung: 15.11.2016