Erzeuger


Vorbeugende Maßnahmen

Getreidefeld, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
"Vorbeugen ist besser als heilen" lautet die Devise der ökologischen Unkrautregulierung, Foto: Thomas Stephan, BLE

Auch im Ökolandbau gibt es Unkraut auf den Flächen. Doch sieht man eine Verunkrautung unterhalb der Schadensschwelle in der Regel als normale Begleiterscheinung des Pflanzenbaus an, weshalb oft auch nicht von Unkraut, sondern von Beikraut oder Ackerbegleitflora gesprochen wird. Mehr noch: die zweifellos höhere Dichte und Vielfalt an Wildkräutern auf Ökoflächen hat eine wesentliche Bedeutung für die Stabilität des Agrarökosystems sowie für die Erhaltung der Artenvielfalt und der damit verbundenen Genressourcen. Von den Wildkräutern sind wiederum tausende Tier- und Mikroorganismenarten abhängig, die ebenfalls wichtige Funktionen im Naturhaushalt und im Boden erfüllen. Daneben verringern Unkräuter die Wind- und Wassererosion sowie die Auswaschung von Nährstoffen ins Grundwasser. Zum ökologischen Landbau gehört also die Einbeziehung auch solcher ökologischer Aspekte dazu, und der „saubere Acker“ ist nicht der angestrebte Idealzustand!

Unkrautfreiheit ist auch aus wirtschaftlicher Sicht nicht erforderlich: erst eine stärkere Verunkrautung verursacht durch Standraum-, Licht- und Nährstoffkonkurrenz eine Erlösreduktion, die größer ist als die Kosten der Bekämpfungsmaßnahmen. Die sogenannte wirtschaftliche Schadensschwelle hängt dabei sehr von der Unkrautart und der Kulturart ab, in der sie vorkommt, und kann weniger als eine oder auch mehr als 50 Unkrautpflanzen pro Quadratmeter betragen. Damit es erst gar nicht so weit kommt, setzt man im Ökolandbau auf eine gesunde Mischung an vorbeugenden pflanzenbaulichen Maßnahmen.

Auf die Fruchtfolge kommt es an

Bei den vorbeugenden Maßnahmen hat insbesondere die Fruchtfolge eine sehr zentrale Bedeutung: Die Fruchtfolge im Ökolandbau ist in der Regel fünf- bis achtjährig und enthält einen überjährigen oder zweijährigen Anbau von Futterleguminosen mit Rotklee, Weißklee oder Luzerne – auch im viehlos wirtschaftenden Betrieb. Der mehrjährige Feldfutteranbau dient

  • dem Stickstoffimport
  • gegebenenfalls der Futterversorgung und
  • gleichzeitig der Bekämpfung der meist einjährigen Samenunkräuter sowie der ausdauernden Wurzelunkräuter.

Die aus den vorhandenen Samen auskeimenden Samenunkräuter, zum Beispiel Acker-Hellerkaut, laufen zwar auf, werden aber jeweils vor der Samenbildung mit dem Leguminosenbestand abgemäht. Damit nimmt die Menge ihrer Samen in den obersten Zentimetern der Krume ab.

Bei Wurzelunkräutern werden durch den mehrmaligen Schnitt der Feldfutterbestände die Nährstoffvorräte in den Wurzeln ausgezehrt, weil es durch Licht- und Nahrungskonkurrenz nicht zur Ausbildung von ausreichend neuem Blattwerk kommt. Ihre Entwicklung wird somit gehemmt und ihr Aussamen sowie ein Austreiben im Folgejahr verhindert.

Ebenfalls mit der Fruchtfolge werden ein häufiger Fruchtwechsel und der Wechsel von Sommerungen und Winterungen (z. B. Winterweizen vor Kartoffeln oder Mais) festgelegt. Dadurch kommen nicht in mehreren Jahren hintereinander die gleichen Unkräuter zur Vermehrung, womit sich im Boden kein größeres Samenpotenzial einer Unkrautart ansammeln kann.

Mit Pflug und Hacke

Pflug auf dem Acker im Einsatz, Bei Klick Bild in Großansicht
Der Pflug ist nach wie vor das wichtigste Gerät zur Bekämpfung hartnäckiger Wurzelunkräuter, Foto: T. Stephan, BLE

Neben der Fruchtfolge spielt die Bodenbearbeitung im Ökolandbau eine wichtige Rolle, um das Unkraut vorbeugend zu regulieren. Das Pflügen ist nach wie vor eine der wichtigsten Möglichkeiten, hartnäckige Unkräuter wie Quecke und Ackerkratzdistel zu bekämpfen und ein unkrautfreies Saatbett zu erhalten. Da nach dem Pflügen sehr schnell die Samenunkräuter auflaufen, werden oft noch sogenannte „Unkrautkuren“ vor der Herbst- oder Frühjahrsaussaat angewendet: Der gepflügte Acker wird flach gegrubbert und damit die Unkrautkeimung gefördert. Ein zweiter Bearbeitungsgang vernichtet die auflaufenden Unkräuter. Dies kann ein- oder mehrmals wiederholt werden, um so die Menge an keimgestimmten Unkrautsamen in den oberen Zentimetern der Krume stark zu reduzieren. Ähnliches passiert nach der Ernte bei einer keimungsfördernden Stoppelbearbeitung, die ebenfalls eine Reduzierung der Unkrautsamen ermöglicht.

Zwischenfrüchte

Sommerzwischenfrüchte, insbesondere schnellwüchsige, entziehen dem aufkeimenden Unkraut das Licht und damit den Lebensraum. Kruziferen wie Senf, Raps oder Ölrettich werden bei guter Nährstoffversorgung als starke Konkurrenten eingestuft und sind auch für die Queckenbekämpfung zu empfehlen. Gramineen schließen dagegen erst spät den Bestand und auch Leguminosen wie Perserklee, Inkarnatklee oder Weiße Lupine zeigen eine unbefriedigende Unkrautunterdrückung aufgrund ihrer zögerlichen Anfangsentwicklung. Daher empfiehlt sich der Anbau von Zwischenfruchtgemengen, um verschiedene Eigenschaften wie Bodendeckung und Stickstofffixierung zu verbinden.

Sortenwahl

Sorten mit einer hohen Beschattungsfähigkeit sind konkurenzkräftiger. Insbesondere bei Getreide bestimmen Wuchshöhe und Blattstellung (planophil, erectophil) die Beschattungsfähigkeit. Je größer die Bodenbeschattung in der Phase der Bestockung bis zum Ähren- bzw. Rispenschieben bei Getreide ist, um so stärker werden die Unkräuter unterdrückt. Konkurrenzkräftige Sorten können das Wachstum von Unkräutern bis zu 50 Prozent vermindern.

Bestandsführung

Die Bestandsdichte der Kulturpflanzen wird vor allem durch die Aussaatmenge gesteuert. Lückenlose, stark beschattende und damit konkurrenzstarke Bestände verringern die notwendige Intensität von direkten Unkrautregulierungsmaßnahmen. Eine Erhöhung der Saatstärke um circa zehn Prozent verbessert die unkrautunterdrückende Wirkung der Bestände infolge geringerer Bestandslücken.

Mit den beschriebenen vorbeugenden Maßnahmen verringern Ökolandwirtinnen und -landwirte den Unkrautdruck bereits erheblich. Ökoflächen reichern in der Regel auch keine Unkrautsamen an. In konkurrenzstarken Kulturen, wie beispielsweise Getreide, sind deshalb meist keine weiteren Bekämpfungsmaßnahmen mehr erforderlich.


verändert nach: B. Jansen und A. Bogdán (EkoConnect e. V.): Landwirtschaftliche Flächen an ökologischen Landbau verpachten - Fragen und Antworten


Fruchtfolgegrundsätze im Ökologischen Landbau (Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie)

Letzte Aktualisierung: 24.11.2016