Erzeuger


Bacillus thuringiensis ssp. aizawai und kurstaki

Schaderreger: Schmetterlingsraupen, z.B. Traubenwickler, Schwammspinner, Nonne, Frostspanner, Kohlweißlinge, Kohleule (nur bei aizawai), Maiszünsler und andere

Bedeutung

Bacillus thuringiensis (B.t.) wird seit über 30 Jahren in Deutschland eingesetzt, heute auf über 20.000 Hektar im Jahr, überwiegend im Weinbau, Forst , Obst- und Gemüsebau. (Eine Unterart israelensis wird am Oberrhein auf über 10.000 Hektar pro Jahr gegen Stechmückenlarven ausgebracht.)

Biologie in Kürze

Bacillus thuringiensis, Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster
Durch Bacillus thuringiensis abgetötete Schmetterlingsraupe an Gurke, Foto: ALLB Heilbronn

Bacillus thuringiensis (B.t.) ist ein sporenbildendes, aerobes Bodenbakterium, das 1901 in Japan und 1910 in Deutschland aus Schmetterlingsraupen isoliert wurde. Anfang 1999 waren 67 Subspezies bekannt. Bei der Sporenbildung entstehen zusätzlich Eiweißkristalle.

Die Eiweißkristalle werden im basischen Darmmilieu gelöst und enzymatisch in toxische Untereinheiten gespalten. Diese binden sich an spezielle Rezeptoren im Mitteldarm des Insektes, verursachen eine Porenbildung in der Zellwand der Darmepithelzellen, die zur Darmperforation und schließlich zum Tod der Raupe führt. UV-Strahlen und Niederschläge bedingen eine schnelle Inaktivierung bzw. Abwaschung des Präparates.

Anwendungsempfehlung

Die Präparate können mit den üblichen Pflanzenschutzgeräten ausgebracht werden. Entscheidend ist, dass am Fraßort der Raupen genügend Sporen und Kristalle abgelagert werden. Empfindliche Raupen sterben innerhalb von fünf Tagen bei mittleren Temperaturen, ein Fraßstopp tritt jedoch bereits nach 24 Stunden ein. Aufnahme von nicht tödlichen Dosen führt zu einer verringerten Eiablage und Fruchtbarkeit.

Bacillus thuringiensis ist besonders gegen junge Raupen wirksam, ältere Raupen werden mit zunehmendem Gewicht widerstandsfähiger. Der Bacillus thuringiensis-Belag sollte daher bereits beim Schlüpfen der Raupen auf den Blättern vorhanden sein.

Ein Zusatz von Zucker (1 Prozent) wird im Weinbau teilweise empfohlen. Bei niederen Temperaturen nimmt die Fraßleistung der Raupen stark ab. Für eine Anwendung sollten die Temperaturen für mehrere Tage über 15 Grad liegen (gute Wirkung bei 20 Grad - 25 Grad und optimale Wirkung über 25 Grad).

Mit dem weiteren Wachstum der Pflanzen wird der Bacillus thuringiensis-Belag auf den Blättern verdünnt und damit die Aufnahme einer ausreichenden Dosis unwahrscheinlicher. In der Regel sind die Behandlungen vier bis zehn Tage wirksam.

Broschüre: Bacillus thuringiensis

Grundlagen und Einsatz im biologischen und integrierten Pflanzenschutz

Dr. agr. Renate Kaiser-Alexnat

Im Rahmen ihrer langjährigen Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts für Biologischen Pflanzenschutz des Julius Kühn-Instituts, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen hielt die Autorin anlässlich der gemeinsamen Lehrveranstaltung "Biologischer und Integrierter Pflanzenschutz" mit dem Fachbereich Biologie der Technischen Universität Darmstadt in den Jahren 2008 und 2009 je eine Vorlesung über "Bacillus thuringiensis". Die Inhalte dieser Vorlesungen wurden in Form der 20 seitigen Broschüre aufgearbeitet.

Download der Broschüre

Letzte Aktualisierung: 30.03.2012