Erzeuger


Bacillus thuringiensis ssp. tenebrionis

Schaderreger: Kartoffelkäferlarven, Larven anderer Chrysomeliden im Forst

Bedeutung

Bacillus thuringiensis tenebrionis (B.t.t.) wird heute weltweit gegen den Kartoffelkäfer eingesetzt, in Deutschland auf ca. 1000 Hektar pro Jahr.

Biologie in Kürze

Bacillus thuringiensis ssp. tenebrionis, Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster
Durch Bacillus thuringiensis tenebrionis getötete Kartoffelkäferlarve (1 Tag nach der Anwendung), Foto: JKI

Bacillus thuringiensis ist ein sporenbildendes, aerobes Bodenbakterium, dass seit über 30 Jahren in Deutschland zur Bekämpfung von Schmetterlingslarven (Unterarten aizawai und kurstaki) und seit etwa 20 Jahren gegen Stechmückenlarven (Unterart israelensis) eingesetzt wird. Ein käferwirksamer Stamm wurde erstmals 1982 im Institut für biologischen Pflanzenschutz der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft in Darmstadt aus einer Mehlkäferpuppe (Tenebrio molitor) isoliert. Dieser Stamm begründete die Unterart tenebrionis. Vor allem Käferlarven aus der Familie der Blattkäfer (Chrysomelidae) sind damit regulierbar, andere Lebewesen werden höchstens marginal beeinflusst.

Die Wirkungsweise des Bacillus thuringiensis tenebrionis entspricht weitgehend der anderen Unterarten, allerdings sind gegen Kartoffelkäferlarven keine lebenden Bakteriensporen erforderlich. Sie sind zwar in den Präparaten enthalten, doch reichen die bei der Sporulation gebildeten Eiweißkristalle zur Regulierung aus.

Deshalb führen auch UV-Strahlen nur verzögert zu einer Inaktivierung des Spritzbelags. Niederschläge bedingen aber eine Abwaschung des Präparates.

Anwendungsempfehlung

In Deutschland ist ein Produkt gegen den Kartoffelkäfer zugelassen.

Es kann mit den üblichen Pflanzenschutzgeräten ausgebracht werden. Entscheidend ist, dass am Fraßort der Käferlarven genügend Kristalle abgelagert werden. Junglarven reagieren bis zu 1000mal empfindlicher als Altlarven, deshalb ist ein frühzeitiger Einsatz der Präparate erstrebenswert. Gegen ältere Larven ist auch mit höheren Dosen nur noch ein Teilerfolg zu erzielen. Nach wenigen Stunden setzt ein Fraßstopp ein und nach einem oder wenigen Tagen sterben die Larven. Kartoffelkäfer stellen nur einige Tage den Fraß und die Eiablage ein, werden aber sonst nicht bleibend geschädigt.

Da die Fraßleistung bei niederen Temperaturen abnimmt, sollten nach der Anwendung wenigstens an einigen Stunden des Tages Temperaturen von über 15 Grad herrschen. Wegen der bald wieder aufgenommenen Eiablage der Käfer und dem weiteren Pflanzenwachstum (ungeschütztes Pflanzenmaterial) sind meist mindestens zwei Spritzungen gegen die erste Kartoffelkäfergeneration erforderlich. Eine Kombination mit Präparaten auf der Basis von Azadirachtin erscheint vorteilhaft.

Über § 6a des Pflanzenschutzgesetzes ist auch ein Einsatz von B.t.t. gegen forstschädliche Chrysomeliden möglich. Eine Verwendung von B.t.t. im Haus- und Kleingarten ist zurzeit nicht vorgesehen.

Broschüre: Bacillus thuringiensis

Grundlagen und Einsatz im biologischen und integrierten Pflanzenschutz

Dr. agr. Renate Kaiser-Alexnat

Im Rahmen ihrer langjährigen Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts für Biologischen Pflanzenschutz des Julius Kühn-Instituts, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen hielt die Autorin anlässlich der gemeinsamen Lehrveranstaltung "Biologischer und Integrierter Pflanzenschutz" mit dem Fachbereich Biologie der Technischen Universität Darmstadt in den Jahren 2008 und 2009 je eine Vorlesung über "Bacillus thuringiensis". Die Inhalte dieser Vorlesungen wurden in Form der 20 seitigen Broschüre aufgearbeitet.

Download der Broschüre

Letzte Aktualisierung: 30.03.2012