Erzeuger


Australischer Marienkäfer (Cryptolaemus montrouzieri)

Schaderreger: Wollläuse bzw. Schmierläuse

Bedeutung

Der Australische Marienkäfer zählt zu den wichtigsten Schmierlausräubern der Welt und wird in mehreren Ländern jährlich erfolgreich zur biologischen Regulierung von Planococcus citri in Zitrusanlagen eingesetzt.

Doch auch andere Woll- oder Schmierlausarten, die bei uns an Zierpflanzen in geschlossenen Räumen (Gewächshaus, Wintergarten, Blumenfenster etc.) auftreten, können mit diesem Nützling gut bekämpft werden.

Biologie in Kürze

Australischer Marienkäfer, Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster
Cryptolaemus montrouzieri ist ein in Australien beheimateter, etwa 4 mm langer Marienkäfer, Foto: JKI

Der Australische Marienkäfer ähnelt im Aussehen unseren einheimischen Marienkäferarten. Kopf, Brust und Hinterleib sowie Fühler sind orangefarben, die Flügeldecken schwarzbraun. Männchen und Weibchen können anhand der Färbung des ersten Beinpaares unterschieden werden: Bei den Weibchen ist der mittlere Teil dieser Beine dunkelgrau bis schwarz, bei den Männchen gelb.

Sowohl die Käfer als auch deren Larven ernähren sich von allen Arten oberirdischer Woll- oder Schmierläuse und nehmen teilweise auch Blattläuse und Larven anderer Insekten an, wenn Woll- oder Schmierläuse in nur geringer Zahl vorkommen. Die Larven ernähren sich durch Aussaugen von Eiern und jungen Woll- oder Schmierläusen, während die Käfer alle Schädlingsstadien annehmen. Im Verlauf seiner Entwicklung kann ein Australischer Marienkäfer über 300 dieser Schädlinge vertilgen.

Die Entwicklung der Australischen Marienkäfer ist stark temperaturabhängig. Bei 18 Grad dauert der Zyklus etwa 70 Tage, bei 30 Grad dagegen nur 25 Tage. Optimale Bedingungen für die Populationsentwicklung sind Temperaturen zwischen 22 Grad und 25 Grad und eine relative Luftfeuchtigkeit zwischen 70 und 80 Prozent.

Weiterer Einflussfaktor für die Entwicklung ist die Wirtspflanze. Obwohl sich Cryptolaemus montrouzieri auf allen Zierpflanzen entwickelt, bestehen auf verschiedenen Pflanzenarten Unterschiede hinsichtlich der Entwicklungsdauer und der Reproduktionsrate. Die Weibchen kopulieren schon kurz nach dem Schlupf und beginnen etwa fünf Tage später mit der Eiablage. Das Cryptolaemus-Weibchen legt insgesamt bis zu 700 Eier (durchschnittlich 400 Eier) einzeln zwischen die Eigelege der Woll- oder Schmierläuse. Pro Tag werden zwischen sieben und elf Eier abgelegt.

Die Gesamteizahl ist abhängig vom Nahrungsangebot. Die Larven schlüpfen innerhalb von acht bis neun Tagen aus den Eiern und erreichen eine Länge von bis zu 13 mm. Die älteren Larven sind, wie die Woll- oder Schmierläuse, von wachsartigen Ausscheidungen bedeckt und tragen wachsartige Filamente.

Sie sind daher von ihren Beutetieren oft nur schwer zu unterscheiden. Nach dem vierten Larvenstadium erfolgt die Verpuppung an den Blattunterseiten, Stängeln oder anderen geschützten Stellen im Gewächshaus. Die Lebensdauer der Käfer variiert bei 25 Grad zwischen 27 und 70 Tagen (im Durchschnitt ca. 50 Tage). Das Geschlechterverhältnis beträgt in der Regel 1:1.

Anwendungsempfehlung

Australischer Marienkäfer
Der Marienkäfer Cryptolaemus montrouzieri braucht große Wolllauspopulationen, um sich ausreichend ernähren, vermehren und etablieren zu können, Foto: JKI

Aufgrund seiner hohen Temperaturansprüche stellt der Australische Marienkäfer sowohl die Nahrungssuche als auch die Nahrungsaufnahme unter 10 Grad ein; bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt sterben alle Stadien ab. Der Einsatz dieses Nützlings ist daher bei uns auch nur in geschlossenen Räumen (Wintergärten, Innenraumbegrünung, botanische Gärten etc.) das ganze Jahr über möglich. Vor allem in mehrjährigen Kulturen hat sich der Australische Marienkäfer als wirksamer Gegenspieler von Woll- oder Schmierläusen bewährt. Die Marienkäfer sind auch bei einem stärkeren Schädlingsbefall noch wirkungsvoll einzusetzen, da sie einen großen Nahrungsbedarf haben und sich unter günstigen Bedingungen weitervermehren können.

Es ist nicht notwendig, die Wollläuse vor der Freilassung mit anderen Mitteln zu reduzieren. Spätestens vier Wochen vor der Freilassung sollten keine Pflanzenschutzmittel mehr eingesetzt werden.

Ameisen müssen von den Pflanzen ferngehalten werden. Da sich die Ameisen vom Honigtau der Schädlinge ernähren, schützen sie diese vor ihren Gegenspielern. Sie greifen die Käfer und Larven der Marienkäfer an.

Die Zusendung dieser Nützlinge erfolgt in Form erwachsener Käfer, die sich zwischen Papierwolle befinden. Teilweise ist zusätzlich ein Blattstück mit Wollläusen beigelegt. Die Packung sollte in der Nähe der befallenen Pflanzen und möglichst nicht unmittelbar nach Eintreffen der Sendung geöffnet werden, damit sich die Tiere zunächst vom Transport erholen können. Während der Freilassung, bzw. bis die Käfer die Pflanzen besiedelt haben, sollten Fenster, Lüftungsklappen etc. möglichst verschlossen und die Temperaturen nicht zu hoch sein. Auch direkte Sonneneinstrahlung kann dazu führen, dass sich die Käfer 'verkriechen', bevor sie die Schädlinge gefunden haben. Optimale Freilassungszeitpunkte sind deshalb der frühe Morgen oder der spätere Abend.

Die Ausbringung der Australischen Marienkäfer ist recht einfach. Falls mitgeliefert, entnimmt man zunächst das Blattstück mit den Wollläusen; es sollte auf keinen Fall zu den Pflanzen gelegt werden. Sitzen Käfer auf dem Blattstück, werden diese vorsichtig entfernt. Die Marienkäfer setzt man möglichst dicht bei den Woll- oder Schmierlauskolonien aus. Dazu wird die Papierwolle vorsichtig aus dem Transportbehälter genommen und mit den daran sitzenden Käfern auf die befallenen Pflanzen gelegt. Ebenso ist es auch möglich, den geöffneten Behälter in, auf bzw. an die Pflanzen zu legen. Bewährt hat sich ein vorsichtiges Umstülpen des Behälters.

Die Käfer beginnen meist sofort nach der Freilassung mit ihrer Nahrungssuche. Bei geringerem Befall muss für eine gute Verteilung im Bestand gesorgt werden, da sich die Käfer von allein meist nicht schnell genug ausbreiten. Befallene Pflanzen sollten daher möglichst dicht zusammengerückt werden, damit Käfer und Larven bei der Suche nach Beute überwandern können. Für eine erfolgreiche Regulierung der Wollläuse benötigt man bei Zimmerpflanzen - je nach Größe und Befall - ca. zwei bis fünf Käfer pro Pflanze, im Gewächshaus und Wintergarten zwei bis fünf Käfer pro Quadratmeter. Meist sind zwei Freilassungen pro Jahr nötig. Die besten Freilassungstermine sind Frühling und Herbst.

Die Tagestemperaturen im Pflanzenbestand sollten mindestens 18 Grad betragen, besser jedoch zwischen 22 Grad und 28 Grad liegen. Bei Temperaturen unter 16 Grad sind die Käfer relativ inaktiv, doch auch bei zu hohen Temperaturen (über 33 Grad) stellen sie die Suche nach Beutetieren ein. Sowohl Imagines als auch Larven sind am aktivsten bei Sonneneinstrahlung. Förderlich ist auch eine höhere Luftfeuchtigkeit (mindestens 70 prozent). Cryptolaemus montrouzieri kann auch in der erwerbsmäßigen Zierpflanzenproduktion erfolgreich sein, wenn die Ansprüche des Käfers an Licht, Luftfeuchtigkeit und Temperatur eingehalten werden. Nach Möglichkeit sollte eine Abdeckung der befallenen Pflanzen mit einem Netz oder Vlies erfolgen, um die 'Flucht' des sehr beweglichen Käfers zu verhindern. Auch beim Einsatz in der Innenraumbegrünung ist die mitunter starke Abwanderung ein Problem. Vorteilhafter erscheint daher, über einen etwas längeren Zeitraum regelmäßig kleinere Mengen freizulassen.

Letzte Aktualisierung: 28.12.2010