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Brennfleckenkrankheit an Erbse, Ackerbohne und Wicke

Ascochyta fabae Speg. Und Ascochyta pisi Lib. (Nebenfruchtformen, Hauptfruchtform Didymella fabae  Jellis & Punith. und Didymella pisi  Chilvers et al. ), Abteilung Schlauchpilze
Brennflecken an Blatt und Hülsen der Ackerbohne. Klick führt zu Großansicht.
Brennflecken verursachen rundlich braune Flecken mit dunklem Rand an Blättern (links) und Hülsen (rechts) der Ackerbohne sowie an Erbsen und Wicken. Fotos: links: Preißel, JKI; rechts: M. Louadfel, bugwood.org

Beschreibung des Schadbildes an Erbse, Ackerbohne und Wicke

Brennflecken an Erbsenblatt. Klick führt zu Großansicht.
Durch Mischinfektionen haben Brennflecken an Erbsen oft ein untypisches aussehen. Foto: K. Möller, Gießen.

Die Krankheit zeigt sich an rundlichen braunen Blattflecken mit dunklem Rand und hellem Inneren. Sie können bereits vor der Blüte und an allen Pflanzenteilen auftreten. Sie sind meist eingesunken und wachsen von einer Breite von einem auf 5 ‒ 10 Millimeter Durchmesser an. Es können sich schattierte Ringe in ihrem Inneren bilden. Bei zunehmendem Befall vergrößern sich die Flecken, ihre Form wird unregelmäßiger und sie verschmelzen und bedecken größere Blattareale. Auf den befallenen Flächen bilden sich kleine kugelige, braune bis schwarze Sporenbehälter, die unter feuchten Bedingungen gelbliche bis blassrosa Sporen freisetzen.

Befall der Hülsen führt zu ähnlichen Flecken, die die Hülsenwand durchdringen und Fruchtansatz sowie entwickelte Samen beschädigen können. Befallene Erbsensamen zeigen leicht übersehbare gelbliche Flecken, Ackerbohnensamen dagegen deutlichere braun-schwarze Flecken.

Am Stängel treten zunächst kleinere, ovale Flecken auf die sich im Lauf der Infektion den Stängel entlang ausbreiten. Sie sind meist dunkler als die auf den Blättern und deutlich eingesunken. An den eingesunkenen Stellen können die Pflanzen brechen oder mit einer Abknickung weiter wachsen.

An Erbsen treten Brennflecken oft in Mischinfektion als „Ascochyta-Fuß- und Brennfleckenkrankheiten“ auf. Diese Mischinfektion verursacht zusätzlich schwarzbraune Verfärbungen der Wurzeln, Streifenförmige Flecken an Stängeln, rötlich-braune unscharf begrenzte Blattflecken, Eintrocknungen und strichelförmige Flecken an Erbsensamen.

Ähnliche Schaderreger

Brennfleckenkrankheit tritt auch an Linse (Ascochyta lentis) sowie an Kichererbsen (Ascochyta rabiei) mit ähnlichen Symptomen auf. Es handelt sich aber um verschiedene Arten, die auf die jeweiligen Wirtspflanzen spezialisiert sind.

Schokoladenfleckenkrankheit kann an Ackerbohne ebenfalls schattierte Ringe innerhalb der Flecken bilden, außerdem treten Mischinfektionen auf. Wird ein befallenes Blatt zusammen mit feuchtem Zellstoff in einen verschlossenen Behälter gegeben, entstehen über Nacht charakteristische Sporen. Die der Brennfleckenkrankheit sind gelb bis blassrosa, die der Schokoladenflecken grau.

Die Unterscheidung der Pilze in Mischinfektionen mit Mycosphaerella pinodes und Phoma medicaginis var. pinodella an Erbsen ist im Feld schwierig. Die Brennflecken treten häufiger auf und verursachen geringere Schäden als die Mischerreger.

Schadwirkung im Leguminosenanbau

Die Brennfleckenkrankheit der Ackerbohne (A. fabae) befällt Ackerbohnen und Wicken, einschließlich der als Grünfutter und Zwischenfrüchte angebauten Arten. Die Krankheit hat im Vergleich zur Brennfleckenkrankheit der Erbse (A. pisi) eine geringe wirtschaftliche Bedeutung, sie kommt aber relativ häufig und weltweit vor. Ertragswirkungen hängen von Witterung und Sortenanfälligkeit ab, sie können mehr als ein Drittel betragen. An Erbsen entwickeln sich besonders in regenreichen Sommern Brennflecken, die allein jedoch nur geringe Schäden verursachen. Mischinfektionen mit Fußkrankheiten führen jedoch zu mehr als 50 Prozent Ertragsverlust.

Die größten Schäden entstehen bei Infektion im Keimlingsstadium bei kühler Witterung. Samenbürtige Infektionen im Keimlingsstadium können bei kombinierten Blatt- und Stielsymptomen zum Absterben der Pflanze führen. Infizierte Bohnen sind nicht mehr als Saatgut brauchbar, sie sind aber nicht immer durch sichtbare Brennflecken erkennbar. Bohnen mit Flecken sind für die menschliche Ernährung oder hochwertiges Tierfutter unbrauchbar. Ertragsverluste können zudem durch brechende Stiele und Lagern der Pflanzen entstehen.

Biologie und Entwicklung der Pilze

Die Brennfleckenkrankheit wird hauptsächlich durch Saatgut übertragen. Je nach den klimatischen Bedingungen des Anbaujahres können minimale Mengen bis zu einem Drittel aller Saatgutproben befallen sein. Die Infektionsfähigkeit verringert sich mit Lagerung des Saatguts um die Hälfte in einem Jahr.

Eine weitere Infektionsquelle stellen widerstandsfähige Dauersporen im Boden, befallene Pflanzenrückstände sowie wilde Wicken, Winterzwischenfrüchte, Durchwuchserbsen und Winterackerbohnen dar, und es wird vermutet dass der Pilz auch auf den Rückständen von nicht-Wirtspflanzen zeitweilig überdauern kann. Auf Pflanzenrückständen bleibt der Pilz einige Monate lang lebensfähig. Daher findet selten und räumlich begrenzt eine Übertragung von Pflanzenrückständen statt, indem Sporen mit dem Wind und Regenspritzern verbreitet werden. Zudem kann auf Pflanzenrückständen eine Befruchtung stattfinden und sich die Hauptfruchtform des Pilzes mit einer besonderen Sporenform bilden. Der Pilz kann sich nur um die zehn Meter weit verbreiten, eine im Feld weiter verteilte Infektion weist also auf infiziertes Saatgut hin.

Die Sporen keimen milden Frühjahrstemperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit sowie mindestens vier Stunden Blattfeuchte. Sie entwickeln sich besonders stark auf Winterackerbohnen. Nach dem Auftreten erster Brennflecken werden die darin produzierten Sporen mit Regentropfen weiter in der Pflanze und dem Bestand verbreitet.

Regulierungsstrategien: vorbeugen

Vorbeugende Maßnahmen

  • Gesundes Saatgut verwenden. An Ackerbohnen gilt 1‒3 Prozent Saatgutbefall als tolerierbar in Verbindung mit Saatgutbehandlung. Für Zertifiziertes Saatgut muss der Befall im Vermehrungsfeld unter 30 Pflanzen je 150 Quadratmetern liegen. Erbsensaatgut sollte aus trockenen Anbauregionen bezogen werden.
  • Kein Saatgutnachbau bei Befall
  • Anbau in der Nachbarschaft von Vorjahresbeständen meiden
  • Anbauabstände einhalten. Ackerbohne: mindestens drei Jahre (maximal 25% Ackerbohne in der Fruchtfolge), Erbse: mindestens fünf Jahre (besser mehr)
  • Pflanzenrückstände gründlich einarbeiten und Durchwuchs bekämpfen
  • Bodenverdichtungen vermeiden
  • Breite Standreihen begünstigen eine rasche Abtrocknung
  • Grundsätzlich: Sortenempfehlung beachten. In der Beschreibenden Sortenliste des Bundessortenamtes (2016) sind allerdings keine deutlichen Unterschiede der Anfälligkeit von Ackerbohnensorten für Ascochyta und keine Angaben zu Erbsensorten vermerkt.

Direkte Maßnahmen

  • Der Pilz kann durch Saatgutbeize höchstens reduziert werden.

Letzte Aktualisierung: 26.04.2017