Erzeuger


Weizensteinbrand, Weizenstinkbrand

Tilletia caries (DC.), synonym Tilletia tritici, Abteilung Ständerpilze
Schadbild des Steinbrand an Weizenähren. Zum Vergrößern Klicken.
Steinbrand-Ähren sind verfärbt mit leicht kugeligen Ährchen (ganz links im Vergleich zur gesunden Ähre, Foto M. Finckh); mitte kranke Ähre aufgeschnitten, rechts Brandbutten (Fotos S. Preißel & S. Kühne, JKI).

Schadbildbeschreibung

Befallene Pflanzen haben zunächst gelbliche Flecken auf den Blättern, ab dem Ährenschieben zeigen sich oft etwas kürzere Halme die länger grün bleiben und nicht blühen. Befallene Ähren sind dunkel- bis graugrün verfärbt. Später spreizen sich bei einigen Sorten die Spelzen, und statt der Körner bilden sich die sogenannten Brandbutten mit anfangs schmierig-braunem, später pulvrig-hartem Inhalt, der nach Fisch riecht. Spelzen und äußere Kornhülle bleiben erhalten.

Bei Verdacht auf Steinbrandbefall oder bei vorangegangenem Befall sollten Getreideproben untersucht werden lassen (siehe Weblink unten).

Ähnliche Erreger

Zwergbrand (Tilletia controversa): befallene Pflanzen sind zur Zeit des Ährenschiebens deutlich kürzer (30-50 % der normalen Pflanzenhöhe), tritt vor allem auf wenn der Boden weniger gefriert (lange Schneedecke oder milder Winter).

Schadwirkung im ökologischen Getreideanbau

Weizenkörner und Brandbutten des Steinbrandes und Zwergsteinbrandes. Zum Vergrößern Klicken.
Steinbrandbutten gefüllt mit Sporen (rechts), im Vergleich zu gesundem Weizen (links) und Zwergsteinbrandbutten (oben). Foto: Preißel & Kühne, JKI.

Weizensteinbrand gehört zu den gefährlichsten Pilzkrankheiten im ökologischen Getreideanbau. Er befällt Weizen, besonders Winterweizen, sowie Dinkel, Hartweizen, Triticale, Emmer und Einkorn. Dinkel weist meist geringeren Befall auf als Weizen. Befallenes Getreide ist ungenießbar, als Futtermittel eingesetzt führt es zu Geschmacks- und Geruchsveränderungen von Milch und Eiern und gesundheitliche Risiken für die Nutztiere.

Steinbrandbefall kann zur Aberkennung von Saatgutbeständen führen, zulässig sind höchstens 5 Ähren mit Weizenflugbrand oder Weizensteinbrand je 150 Quadratmeter Fläche (befallene Ähren nicht vor der Feldbesichtigung entfernen, keine kranken Bestände in 50 Meter Umkreis; Anforderungen der Saatgutanerkennung).

Biologie der Pilzkrankheit

Weizensteinbrand ist eine vorwiegend samenbürtige Krankheit die aber auch von belasteten Böden ausgehen kann. Saatgut mit mehr als 5-10 Steinbrandsporen je Korn oder geringer Triebkraft unter 80% stellt ein Risiko für eine kritische Steinbrandinfektion des Bestandes dar.

In den Brandbutten sind die Sporen des Erregers in trockenem Zustand jahrzehntelang lebensfähig. Beim Dreschen werden die Sporen auf den Boden und anderes Korn verteilt, dort bleiben sie äußerlich am Saatgut haften, insbesondere am Bärtchen. Die Sporen keimen nach der Aussaat gleichzeig mit dem Korn und infizieren Keimlinge bis zu zwei Zentimetern Größe. Daher wird das Getreide besonders unter Bedingungen befallen unter denen die Keimlinge sich langsam entwickeln, bei fünf bis zehn Grad, auf Lehmboden schon bei geringer, Sandboden bei mittlerer und Moorboden bei hoher Feuchtigkeit (20 bis 60 Prozent). Wintergetreide wird daher stärker befallen.

Böden können durch vorangegangenen Befall, aber auch durch Sporenverteilung über Saatgut, Mist oder Wind von nahe gelegenen Feldern mit Sporen belastet werden. Auf dem Boden verteilte Erreger über bis zu sechs Jahre die Infektionsquelle darstellen. Da diese schon frühzeitig keimen können, können in diesem Fall auch schnell entwickelte Getreidekeimlinge infiziert werden.

Regulierungsstrategien: vorbeugen und Saatgut behandeln

Vorbeugende Maßnahmen

Das Saatgut sollte

  • aus befallsfreien Beständen stammen
  • laut Kaltkeimungstest eine hohe Triebkraft (ab 80%) haben
  • laut Steinbranduntersuchung weniger als 20 Brandsporen je Korn enthalten
  • von den ökologischen Anbauverbänden bezogen werden. Diese bringen Z-Saatgut nur mit den genannten Wetren für Triebkraft und Brandsporenbesatz in Verkehr, gesetzlich sind dagegen keine Triebkrafttests vorgeschrieben und bis zu 100 Steinbrandsporen je Korn erlaubt!
  • zusätzlich kann die Reinigung und Kalibrierung großer Körner das Infektionsrisiko senken
  • Dinkel sollte ungeschält ausgesäht werden

Vorbeugende Sortenwahl

  • Ökologisch gezüchtete Sorten sind weniger anfällig für Steinbrand.
  • Als widerstandsfähige Weizensorten werden empfohlen vom LLH Hessen: z. B. Butaro, Graziaro, Aristaro, Philaro und Trebelir; von der LfL Bayern: Achat, Hellmond, Tamaro, Genius, Pireneo, Graziaro, Butaro, Spontan, FLorian.
  • Widerstandsfähige Weizensorten sind gleichzeitig gegen Zwergsteinbrand widerstandsfähig.
  • Durch die hohe Anpassungsfähigkeit des Pilzes kann sich die Widerstandsfähigkeit der Sorten schnell ändern

Weitere vorbeugende Maßnahmen

  • Aussaat bei optimaler Temperatur und Bodenfeuchte (frühe Winterweizenaussaat, späte Sommerweizenaussaat), feines Saatbett, anwalzen
  • Flache Saatgutablage
  • Fruchtfolge: Anbauabstand zwischen allen Weizenverwandten Getreiden bei vorangegangenem Befall mindestens vier Jahre, Fruchtfolgen mit Kleegras und Körnerleguminosen sowie gut entwickelten und gründlich eingearbeiteten Zwischenfrüchten fördern den Abbau der Brandsporen im Boden
  • Stallmistdüngung kann zwar zunächst Sporen weiter verteilen, fördert aber den Abbau der Brandsporen im Boden innerhalb von drei Jahren
  • Feldraine vor der Blüte mähen, um Übertragung von Wildgräsern zu unterbinden
  • Bei einem Drusch durch Lohnunternehmen darauf achten, dass wenigstens fünf Durchgänge Steinbrandfrei gedroschen werden, bevor das Saatgut gedroschen wird

Maßnahmen bei Steinbrandbefall

  • Während der Blüte auf Steinbrandbefall kontrollieren
  • Befallene Ähren entfernen
  • Stark befallenes Getreide als Ganzpflanzensilage ernten oder gedroschen an Biogasanlagen vermarkten
  • Mäßig befallenes Getreide reinigen, dann ist es eventuell verfütterbar, Dinkel entspelzen
  • Stroh rotten lassen, dann tief einarbeiten
  • vor der Folgekultur tief pflügen

Direkte Bekämpfung am Saatgut mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln

Eine vorbeugende Saatgutbehandlung wird von verschiedenen Experten ab 1 bis 20 Brandsporen je Korn empfohlen, der tolerierbare Granzwert ist abhängig von der Sortenanfälligkeit und dem Verwendungszweck des Getreides. Auch bei Saatgutgewinnung von Flächen mit vorangegengenem Befall wird eine Saatgutbehandlung empfohlen.

  • Bürsten des Saatgutes mittels Saatgutbürstmaschine ist besonders effektiv
  • Heiß- und Warmwasserbeizung
  • Elektronenbehandlung (Zulässigkeit mit Verband/ Kontrollstelle abklären)
  • Pflanzenstärkungsmittel auf Senfmehlbasis oder Verwendung gewöhnlicher gemahlener Senfsaat (Zulassung als Grundstoff)
  • Pflanzenschutzmittel auf Basis von Pseudomonas chlororaphis (Cerall, Cedomon)
  • Mikrobielle Beize (Panoramix)
  • Saatgutbeizung mit Essig (Speiseessig) mit bis zu 10% Essigsäuregehalt (Anwendung als sogenannter Grundstoff)

Beratungsinfos des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen:

Steinbrandbefall im Ökolandbau erkennen und vermeiden

Zum Download: Checkliste Steinbrand und Zwergsteinbrand

Bioland Magazin: Beim Steinbrand zählt die Sorte. Bericht über Sortenversuche der LfL Bayern


Aus der Forschung - für die Praxis

Im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) werden zahlreiche Forschungsprojekte durchgeführt.

Regulierung des Steinbrandes: Resistenzzüchtung und direkte Bekämpfungsmaßnahmen (2004)

Der Steinbrand des Weizens (Tilletia caries) ist eine klassische samenbürtige Getreidekrankheit. Während er im konventionellen Getreideanbau aufgrund der chemischen Beizung des Saatgutes kaum noch eine Rolle spielt, kann er im ökologischen Landbau wirtschaftlich relevante Ausmaße erreichen.

Ein Forschungsvorhaben der ehemaligen Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft setzte sich mit Strategien zur Regulierung des Steinbrandes auseinander: Teilprojekt A (FKZ 02OE085) untersuchte "Strategien zur Regulierung des Steinbrandes (Tilletia caries) und des Zwergsteinbrandes (T. controversa) unter besonderer Berücksichtigung der Resistenz" während sich Teilprojekt B (FKZ 02OE086) "Strategien zur Regulierung von Steinbrand an Weizen (Tilletia caries, Tilletia controversa) unter besonderer Berücksichtigung von Befallstoleranzgrenzen und direkten Bekämpfungsmaßnahmen" widmete.

Saatgutgesundheit im ökologischen Landbau – Schwerpunkt Weizensteinbrand (Tilletia caries) (FKZ 02OE086)

Letzte Aktualisierung: 06.02.2018