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Was sind Arznei- und Gewürzpflanzen?

Feldbestand mit Echinacea, Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster
Arznei- und Gewürzpflanzen sind Augenweiden und üben seit jeher eine Anziehung auf den Menschen aus. Foto: Thomas Stephan, BLE

Arznei- und Gewürzpflanzen sind eine Nische in der landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Produktion. Für Betriebe mit freien Arbeitskapazitäten und etwas Experimentierfreude bieten sie ein interessantes zweites Standbein und eine Marktnische, in der gute Absatzchancen bestehen. Zudem sind blühende Kräuterfelder eine landschaftliche Attraktion für Mensch und Tier.

Neben heilenden und würzenden Pflanzen gibt es auch Färbe- und Duftpflanzen. Alle nicht für den Verzehr bestimmten Arten (Arznei-, Duft- und Färbepflanzen) werden als "nachwachsende Rohstoffe" eingestuft. Etwa 80 Arten werden im heimischen Anbau kultiviert. Hinzu kommen noch einige Arten, die teilweise oder ganz aus der Wildsammlung stammen.

Die gewünschten therapeutisch wirksamen, aromatischen oder färbenden Inhaltsstoffe befinden sich meistens in einem bestimmten Pflanzenteil. Bei der Einteilung nach genutzten Pflanzenteilen werden Blütendrogen, Körner-, Kraut-, Wurzel- und Blattdrogen unterschieden. Als "Droge" wird die getrocknete Ware im pharmazeutischen Sinne bezeichnet. Es gibt eine Vielzahl von einjährigen Arznei- und Gewürzpflanzen (z. B. Petersilie, Dill, Anis), zweijährigen Arten (z. B. Tausendgüldenkraut) und mehrjährigen Arten (z. B. Salbei, Thymian, Pfefferminze).

Die folgende Zusammenstellung zeigt einige wichtige Arznei- und Gewürzpflanzen:

  • Blütendrogen (Nutzung der Blüten): Kamille, Malve, Königskerze, Kornblume, Ringelblume
  • Körnerdrogen (Nutzung der Samen): Mariendistel, Anis, Fenchel, Kümmel, Koriander, Lein
  • Krautdrogen (Nutzung des Krauts): Johanniskraut, Goldrute, Frauenmantel, Weidenröschen, Sonnenhut, Majoran
  • Wurzeldrogen (Nutzung der Wurzeln): Baldrian, Eibisch, Pestwurz, Alant
  • Blattdrogen (Nutzung der Blätter): Zitronenmelisse, Pfefferminze, Salbei, Petersilie, Dill

Die Weiterverarbeitung im Pharmazie-, Lebensmittel- oder Kosmetikbereich erfolgt durch die Abnehmer. Bestimmte Veredlungsstufen (Feinschnitte, Destillation, Frosten) erhöhen die Wertschöpfung der Rohware und können auch vom landwirtschaftlichen Betrieb übernommen werden. Arznei- und Gewürzpflanzen finden sich in einer Vielzahl von Produkten wieder, sei es im Hustensaft, der Rheumasalbe, im Brot, Tee oder auf der Tiefkühlpizza.

Einstieg in den Anbau

Calendula - eine Ringelblume mit orangefarbenen und überwiegend gefüllten Blüten, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Gute Kenntnisse der Boden- und Standortansprüche der Kulturen sind eine wichtige Voraussetzung für einen erfolgreichen Anbau. Foto: Thomas Stephan, BLE

Der Anbau von Arznei- und Gewürzpflanzen erfordert viele Spezialkenntnisse in der Botanik und den Anbauverfahren der einzelnen Arten. Besonders wichtig ist die Kenntnis der unterschiedlichen Boden- und Standortansprüche. Diese müssen für die Vielzahl der einzelnen Kulturen aus der Fachliteratur, den Fachveranstaltungen oder im Austausch mit anderen Anbauern gewonnen werden. Die Informationsbeschaffung und der Informationsaustausch sollten intensiv betrieben werden.

Wichtige Voraussetzung für den Einstieg in den Arznei- und Gewürzpflanzenanbau ist die Klärung des Absatzes. Vor dem großflächigen Anbau empfiehlt sich ein Probeanbau auf kleinen Flächen. Neben der technischen Ausrüstung des Betriebes und einem großen Maß an Engagement, sind freie Arbeitskapazitäten unumgänglich. Kräuteranbau und andere arbeitsintensive Betriebszweige (z. B. Milchviehhaltung) lassen sich kaum kombinieren.

Die betriebswirtschaftlichen Aspekte des ökologischen Arznei- und Gewürzpflanzenanbaus sind bislang wenig bearbeitet worden. Die Deckungsbeiträge der Kulturen schwanken sehr stark. Die Arbeitsproduktivität ist sehr gering, demgegenüber steht aber eine hohe Flächenproduktivität. Neben den Kosten für die Bestandespflege (Unkrautregulierung), ist der Faktor Trocknungskosten, insbesondere bei den derzeit stetig steigenden Energiepreisen, zu berücksichtigen.

Eine Liste mit Beratungsangeboten für den ökologischen Kräuteranbau gibt es bei Ökoplant e.V. Für den konventionellen Kräuteranbau gibt es in Bayern, Thüringen und Rheinland-Pfalz größere Beratungsorganisationen. Von gemüsebaulichen Beratern werden vor allem der Frisch- und Topfkräuteranbau mit übernommen. Die Anbaurichtlinien der Ökoanbauverbände behandeln das Thema Sonderkulturen Arznei- und Gewürzpflanzen nur in Ansätzen.


Letzte Aktualisierung: 06.11.2017