Erzeuger


Anbau von Körnerleguminosen

Erbsenfeld. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Körnerleguminosen, wie etwa Erbsen, sind wichtige Fruchtfolgeglieder. Foto: Thomas Stephan, BLE

Die Körnerleguminosen stellen aufgrund ihrer Fähigkeit zur Stickstoffbindung über Knöllchenbakterien eine wichtige Komponente in ökologischen Fruchtfolgen dar. Lediglich futterbaustarke Betriebe können auch ohne ihre Hilfe den benötigten Stickstoff in den Betriebskreislauf einbringen. Körnerleguminosen stellen keine besonderen Ansprüche an die Vorfrucht, erbringen einen Netto-Stickstoff-input und können im Gegensatz zur Stilllegung eine durchaus gute Marktleistung erzielen.

Mit dem Anbau gehen jedoch auch eine Reihe kritischer Aspekte einher. Der tatsächliche Stickstoffgewinn auf dem Feld ist vergleichsweise gering, weil viel über das Erntegut abgefahren wird. Dementsprechend hält sich die Vorfruchtwirkung oft in Grenzen und ist insbesondere bei der Erzeugung von Qualitätsweizen nicht immer ausreichend.

Entscheidender Knackpunkt aber ist das Unkrautgeschehen: Ackerbohnen führen bereits nach wenigen Jahren in getreidereichen Fruchtfolgen häufig zu einer Verdistelung. Erbsen, Lupinen und Soja können ebenfalls eine deutliche Zunahme der Verunkrautung zur Folge haben. Dies liegt sowohl an einer langsamen Jugendentwicklung (Lupinen, Soja), als auch an einer schwachen Unkrautunterdrückung (halbblattlose Erbsensorten). 

Die Fruchtfolge

Durch ihre Besonderheit als Stickstoffsammler sind die Körnerleguminosen nicht auf besondere Vorfrüchte angewiesen. Durch die Anwesenheit hoher Stickstoffmengen im Boden wird die Aktivität der Knöllchenbakterien eingeschränkt, so dass allein aus diesem Grund Leguminosen als Vorfrüchte ausscheiden. Viel entscheidender ist jedoch, dass auch aus Gründen der Pflanzengesundheit die Nähe zu anderen Leguminosen unbedingt zu meiden ist. Die Anfälligkeit der Familie der Leguminosen bezüglich Unverträglichkeit ist insgesamt recht ausgeprägt. Insbesondere die Erbse reagiert hier sehr empfindlich, so dass ein Anbauabstand von mindestens fünf, besser sechs Jahren zu sich selbst einzuhalten ist.

Anbaupausen:

  • Ackerbohne: 4 Jahre
  • Erbse: 6 Jahre
  • Lupine: 4 Jahre

Meist stehen die Körnerleguminosen nach zwei- oder dreijährigem Getreide- und/ oder Hackfruchtbau und meist in der Mitte der Fruchtfolge. Da auf den Anbau von Futterbauleguminosen (auch zum Zwecke der Stilllegung) aus Gründen der Unkrautregulierung zumindest langfristig nicht verzichtet werden kann, markieren diese meist den Beginn der Fruchtfolgen, so dass eine Stellung der Körnerleguminosen am Ende wegen der dann gegebenen Nähe ebenfalls wieder kritisch wäre.

Ansprüche an den Standort

Die Standortansprüche der Kulturen sind genau wie unter konventionellen Bedingungen entscheidendes Auswahlkriterium. Ackerbohne (schwerere Böden mit guter und sicherer Wasserversorgung), Erbse (eher leichtere Böden ohne Gefahr von Staunässe), Lupine (je nach Art empfindlich gegen zu hohe pH-Werte, zum Beispiel die Gelbe Lupine) und Sojabohne (Wärmeanspruch für gute bis sehr gute Körnermais-Lagen) sind auf Grund dieser Vorgaben in ihrem Anbauspektrum nur in Grenzen variabel. Zu beachten ist gegebenenfalls ein notwendiges Impfen mit Knöllchenbakterien, wenn die Kultur (zum Beispiel Soja) beziehungsweise ein Vertreter der "Familie" noch nie im Anbau stand.

Bestellung, Pflege, Ernte

Neben der üblichen Pflugfurche bieten sich Mulchsaatverfahren an, welche eine Einsaat in abgefrorene Zwischenfrüchte (zum Beispiel Senf/Ölrettich) zulassen. Sollte der Bestand nicht abgefroren sein, so ist der Aufwuchs vorher abzuschlägeln. Nach einer anschließenden Bearbeitung, beispielsweise mit einer Kurzscheibenegge, können Bohnen mit einer Scheibensämaschine gedrillt werden. Voraussetzung der Mulchsaat ist, dass eventuell Bodenverdichtungen vor einer Zwischenfruchtaussaat gelockert werden. Dadurch wird eine tiefe Durchwurzelung und eine hohe Wasserspeicherung durch die Zwischenfrucht gewährleistet.

Auf Grund der höheren Unkrautgefährdung kommt den Maßnahmen zur Unkrautregulierung eine besondere Bedeutung zu. Blindstriegeln ist gerade bei den Körnerleguminosen besonders wichtig und kann wegen der etwas tieferen Ablage und des daraus meist resultierenden Vorsprungs der Unkrautkeimlinge oft mit gutem Erfolg genutzt werden. Hacken ist bei Soja und Lupine Standard. Bei Ackerbohne ist es relativ häufig, bei Erbsen vereinzelt zu beobachten. Bei Ackerbohnen bringt das Hacken, insbesondere bei schweren Böden unter hohen Niederschlägen, zusätzlich Luft in den Boden und verbessert dadurch die "Lebens- und Arbeitsbedingungen" der Knöllchenbakterien.

Die Ernte beinhaltet keine besonderen "Ökokomponenten". Lediglich bei Ackerbohnen ist aufgrund der normalerweise langen, späten Abreife zu beachten, dass sich nicht Quecken mit dem guten Stickstoffangebot und dem beim Abreifen entstehenden Licht zu einem Problem entwickeln.

Letzte Aktualisierung: 01.10.2015