Erzeuger


Kulturdatenblatt Linse

Linsen mit Nacktgerste als Stützfrucht, erntereif. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Nach 100 bis 140 Tagen ist die Linse erntereif. Foto: T. Stephan

Seit einigen Jahren wächst im ökologischen Landbau das Interesse am Linsenanbau. Linsen (Lens culinaris) können auf Grenzertragsböden angebaut werden und als Leguminosen Fruchtfolgen im ökologischen Landbau erweitern. Sie gehören zu den ältesten Kulturpflanzen in der mitteleuropäischen Landwirtschaft. In einigen Ländern, vor allem in Asien, sind sie ein Hauptnahrungsmittel.

Auch in Deutschland war die Linse noch vor hundert Jahren auf geeigneten Böden für die Selbstversorgung bedeutend. Mit der Änderung der Agrarstrukturen jedoch verschwanden Linsen aus der Landschaft. Lange Zeit war ihr Anbau in Deutschland nahezu völlig erloschen. Im ökologischen Landbau wurde die Linse jedoch in den vergangenen Jahren wiederentdeckt.

Standort

Linsen können gut mit Trockenheit umgehen. Ihr Wurzelwachstum ist allerdings relativ schwach und sie vertragen keine Staunässe. Auch auf sehr fruchtbaren Standorten gelingt die Linsenkultur häufig nicht: Zum einen werden die Linsen dort häufig von Beikraut oder Stützfrucht unterdrückt; zum anderen können sie zu stark ins Kraut gehen und die Erträge bleiben hinter den Erwartungen zurück. Am besten gedeiht die Linse auf trockenen, kalkreichen Böden (Kalkmergel, Kalkschotter, kalkreicher Sand). Basische, steinige Böden sind ebenfalls zu empfehlen. Auch auf weniger gut mit Kalk versorgten, trockenen Grenzertragsböden wurden schon erfolgreich Linsen angebaut.

Fruchtfolge

Die Fruchtfolge sollte nicht zu eng gestaltet werden; günstig ist eine mindestens sechsjährige Rotation. Körnerleguminosen sollten keinesfalls zu häufig angebaut werden, da sonst das Risiko von Erkrankungen und Ertragsrückgängen erheblich wächst. Hackfrüchte sind im Sinne der Beikrautregulierung eine günstige Vorfrucht. Die Vorfruchtwirkung der Linse selber ist positiv. Linsen als Futter oder zur Gründüngung anzubauen, lohnt sich jedoch wegen des geringen Massenertrags nicht.

Saat

Die Saatbettbereitung muss darauf ausgerichtet sein, Beikräuter schon vor der Saat weitestgehend zu reduzieren, da die Linse konkurrenzschwach ist. Gegebenenfalls beginnt die Vorbereitung im Herbst mit einer gründlichen Stoppelbearbeitung vor der Herbstfurche. Wird im Frühjahr gepflügt, muss genug Zeit für mehrere Bearbeitungsgänge bleiben. Es wird mehrfach flach gegrubbert oder geeggt, um die Unkrautsamen zum Keimen anzuregen. Jeder neue Arbeitsgang erfolgt flacher als der vorherige. Bei starker Verunkrautung kommt vor der Saat die Kreiselegge zum Einsatz.

Die Aussaat erfolgt üblicherweise im April; der genaue Zeitpunkt wird von regionalen Gegebenheiten bestimmt. Linsen sollten nicht in einen ungenügend vorbereiteten oder zu feuchten Boden gelegt werden. Spätere Saaten holen einen Rückstand zumindest teilweise wieder auf. Schnelle Keimung und eine zügige Jugendentwicklung sind bestimmend für einen gleichmäßigen und geschlossenen Bestand.

Die empfohlene Aussaatmenge liegt zwischen 25 und 80 Kilogramm pro Hektar (kg/ha), abhängig von Bodenverhältnissen und Korngröße. Es empfiehlt sich, aus dem Tausendkorngewicht (TKG) und der Keimfähigkeit einer Saatgutpartie selber die optimale Aussaatmenge zu bestimmen. Das TKG liegt zwischen 20 und 70 Gramm. 90 Pflanzen pro Quadratmeter bilden einen dichten Bestand; bei normaler Keimfähigkeit müssen folglich rund 110 Korn pro Quadratmeter gesät werden. Abhängig von den spezifischen Standortbedingungen kann es jedoch notwendig sein, erheblich von diesen Vorschlägen abzuweichen.

Die Samen werden mit der üblichen Sämaschine drei bis sechs Zentimeter tief abgelegt (je uneinheitlicher, klüftiger, steiniger der Boden ist, desto tiefer). Der Reihenabstand sollte 15 bis 25 Zentimeter betragen und muss auf die Hacktechnik abgestimmt sein. Er darf aufgrund der Stützwirkung der Pflanzen untereinander beziehungsweise wegen der Stützfrucht nicht zu weit sein.

Händ hält Linsenblüte, Nacktgerste als Stützfrucht. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Als Stützfrucht für die Linse eignet sich zum Beispiel die Nacktgerste. Foto: T. Stephan

Der Anbau von Linsen in Reinsaat ist risikoreich, da die Pflanzen wenig standfest sind und vor allem bei starken Niederschlägen während Blüte- und Reifezeit leicht ins Lager gehen. Daher empfiehlt sich der Anbau im Gemenge mit Getreide (üblicherweise Gerste oder Hafer) als Stützfrucht.

Als Faustzahl kann man die volle Aussaatmenge der Linse plus 30 Prozent der ortsüblichen Aussaatstärke der Stützfrucht nehmen. Das bedeutet beispielsweise für Sommergerste rund 40 kg/ ha und für Hafer circa 10 bis 30 kg/ ha. Linsen und Getreide können gemeinsam ausgedrillt werden.

Der Anbau mit Sommergetreide als Stützfrucht mindert das Anbaurisiko bedeutend und schafft gesunde, mit dem Mähdrescher zu erntende Bestände. Einziger Nachteil des Gemengeanbaus ist der erhöhte Aufwand bei Trennung und Reinigung des Ernteguts.

Sortenwahl

Die Auswahl von Sorten für den Linsenanbau in Deutschland ist schwieriger als bei Arten mit größerer Verbreitung. Durch die anfangs beschriebene Unterbrechung des Linsenanbaus blieben weder traditionelle Sorten erhalten noch gibt es eine aktuelle mitteleuropäische Linsenzüchtung.

Düngung

Die Nährstoffansprüche der Linse sind gering. Sie steht in der Regel ohne zusätzliche Düngung am Ende der Fruchtfolge. Als Leguminose kann sie einen Beitrag zur Stickstoffversorgung in der Fruchtfolge leisten (rund 35 bis 115 Kilogramm Stickstoff pro Hektar).

Beikrautregulierung

Die Beikrautregulierung muss weitgehend vorbeugend erfolgen. Auf sehr steinigen Böden sollte man nach der Saat anwalzen, um größere Steine in den Boden zu drücken. Dadurch kann bei der Ernte tiefer und mit geringerem Verlusten geschnitten werden. Der Einsatz von Hacke und Striegel ist auf derartigen Böden wenig sinnvoll, kann aber generell günstig sein.

Bei entsprechend tiefer Ablage der Samen kann vor dem Auflaufen blind gestriegelt werden. Mit dem Striegeleinsatz nach der Keimung gibt es unterschiedliche Erfahrungen. Spätestens nachdem die Verzweigung deutlich eingesetzt hat, ist Striegeln nicht mehr zu empfehlen. Auf nicht zu steinigen Böden können Hackrahmen eingesetzt werden. Entsprechend dem Enzwicklungszustand der Linsen werden dabei die Schare leicht angekippt, um durch leichtes Häufeln die Beikräuter in der Reihe zu verschütten.

Krankheiten und Schädlinge

Bisher besteht kein großes Risiko im Linsenanbau. Mit der Ausweitung des Anbaus wird die Gefahr von Schädigungen jedoch zunehmen. Generell sind sorgfältige Saatgutauswahl, optimal ausgeführte pflanzenbauliche Maßnahmen und eine weite Fruchtfolge die beste Prophylaxe.

Bedeutendstes Krankheitsproblem der Linse ist der Komplex der Wurzelfäule und Welke, verursacht etwa durch die Pilze Fusarium, Rhizoctonia, Botrytis, Sclerotium, Phytium und Sclerotinia sclerotiorum. Verschiedenen Viren, die auch andere Leguminosen befallen, wurden an Linsen ebenfalls nachgewiesen, zum Beispiel Westliches Rübenvergilbungsvirus, Blattroll-Virus der Ackerbohne, Bohnengelbmosaik-Virus, Gurkenmosaik-Virus, Ackerbohnensamen-Verfärbungs-Virus und Blattrollmosaik-Virus der Erbse.

Der Umgang mit den samenübertragbaren Krankheiten ist insbesondere für den Nachbau wichtig. Saatgut sollte nur von einwandfreien Beständen gewonnen werden.

Als tierische Schädlinge können Drahtwürmer (vor allem Agriotes spp.) erhebliche Schäden verursachen und auch wandernde Bodennematoden (Pratylenchus) können problematisch sein. In Gebieten mit intensivem Linsenanbau kann Läusebefall eine Rolle spielen. Auch "Erdraupen", die Larven der Eulenfalterarten (Agrotis spp), wurden an Linsen gefunden.

Bedeutung erlangen könnten auch saugende Wanzen (zum Beispiel Gattung Lygus). Der Erbsenwickler hat begonnen, Linsen als Wirtspflanze anzunehmen. Samenkäfer können Ertragsausfälle verursachen und den Nachbau erschweren.
Porträts der wichtigsten Pflanzenschädlinge mit Schadbildbeschreibung, Biologie und Regulierungsstrategien finden Sie in der Rubrik Pflanzenschutz.

Ernte

Linsen mit Körnern der Nacktgerste nach dem Dreschen. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Nach der Ernte müssen Speiselinsen und Getreide getrennt werden. Foto: T. Stephan

Die Kulturdauer schwankt zwischen 100 und 140 Tagen, abhängig vor allem von Witterung und Sorte. Die Erntereife ist erreicht, wenn die untersten Hülsen sich braun färben. Da Linsen über einen langen Zeitraum blühen, sind zu diesem Zeitpunkt auch unreife Hülsen vorhanden. Je besser man Sorten und Witterung kennt, desto länger kann man die Ernte herauszögern, um den Ertrag zu erhöhen.

Die Ernte muss schonend erfolgen, da die Hülsen leicht aufplatzen. Mahd und Drusch finden am besten statt, wenn der Tau gerade abgetrocknet ist. Als Ernteverfahren sind Mähen ins Schwad oder Mähdrusch möglich, abhängig von örtlichen Gegebenheiten.

Die Erträge der Linse schwanken stark von Jahr zu Jahr und bewegen sich zwischen unter 200 bis über 1.000 Kilogramm pro Hektar. Linsen sind generell über mehrere Jahre haltbar; während der Lagerung dunkeln sie nach.

Reinigung

Die Reinigung stellt spezielle Anforderungen an den Betrieb. Mit Steigsichter und Siebsystem kann in einem ersten Schritt viel erreicht werden. Für die Vermarktung von Speiselinsen ergeben sich jedoch besondere Herausforderungen:

  • Steine in Größe und Form von Linsen sowie bindige Erdklumpen können nur mit einem Tischausleser entfernt werden.
  • Bereits ausgekeimte Samen werden weitgehend von Steigsichter oder Sieben erfasst und ergeben kein vorrangiges Qualitätsproblem, führen aber zu höheren Verlusten bei der Reinigung.
  • Verpilzte und damit fleckige Samen können die Nahrungs- und Handelsqualität einer Partie erheblich vermindern. Da sie in Form, Größe und spezifischem Gewicht den gesunden Linsen entsprechen, ist eine Reinigung kaum möglich; bei Anbau und Trocknung gemachte Fehler haben also gravierende Folgen.
  • Eine übliche Getreidereinigung ist nicht auf die Trennung von Linsen-Getreide-Gemengen ausgerichtet.

Wenn zum Reinigen ein Trieur vorhanden ist, sollte eine Sorte mit zu den Zellen des Trieurs passender Korngröße gewählt werden. Gut geeignet für kleine Linsensorten ist ein Schneckentrieur.

Fazit

Der Anbau der Linse ist einerseits eine fachliche Herausforderung, kann aber andererseits eine interessante Erweiterung der Fruchtfolge für ökologische Betriebe sein. Linsen sind schwachwüchsig und dementsprechend konkurrenzschwach, das Ertragsniveau ist nicht hoch. Dafür können Linsen wie kaum eine andere Kulturpflanze auf (trockenen) Grenzertragsböden angebaut werden. Sie erweitern getreidelastige Fruchtfolgen, sind als hochwertiges Nahrungsmittel beliebt und eignen sich gut für eine Direktvermarktung.


Die Informationen in diesem Beitrag stammen aus der Broschüre "Frischer Wind für eine alte Kulturpflanze! Linsen im ökologischen Anbau, ihre Geschichte und Verwendung", herausgegeben vom Dreschflegel e.V. und dem Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der Georg-August-Universität Göttingen. Die Erstellung des Linsen-Leitfadens wurde durch das Bundesprogramm Ökologischer Landbau gefördert. Diese Broschüre und die Arbeit "Standortspezifische Sortenentwicklung - Eine Studie mit Landsorten der Linse" sind erhältlich bei Dreschflegel.

Georg-August-Universität Göttingen, Department für Nutzpflanzenwissenschaften, Abteilung Pflanzenzüchtung
Von-Siebold-Str. 8
37075 Göttingen

Dr. Bernd Horneburg, bhorneb@gwdg.de
Prof. Dr. Heiko Becker, hbecker1@gwdg.de

Dreschflegel  
Postfach 1213
37202 Witzenhausen

Horneburg B. (2003):

Frischer Wind für eine alte Kulturpflanze! Linsen im ökologischen Anbau, ihre Geschichte und Verwendung. Hrsg. Dreschflegel e.V. und Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der Universität Göttingen, 50 Seiten, ISBN 3-00-012637-6.

Horneburg B. (2003): Standortspezifische Sortenentwicklung - Eine Studie mit Landsorten der Linse. Schriften zu Genetischen Ressourcen - Schriftenreihe der Zentralstelle für Agrardokumentation und -information, Informationszentrum Biologische Vielfalt (IBV), Band 21. ISSN 0948-8332.

Letzte Aktualisierung: 01.10.2015

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