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Ökologischer Lupinenanbau

Feld mit blauer Lupine, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Der Anbau der Blauen Lupine hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Foto: T. Stephan

Der Anbau von Lupinen findet hauptsächlich auf den sandigen Standorten Ost- und Norddeutschlands statt. Hier ist die Lupine neben der Erbse die wichtigste Körnerleguminose. Während 1994 noch etwa 85 Prozent der Anbaubaufläche von der Gelben Lupine und 15 Prozent von der Weißen Lupine eingenommen wurde, haben sich die Relationen radikal verschoben. 2004 teilte sich die Anbaufläche in 92 Prozent Blaue Lupine, sieben Prozent Gelbe Lupine und ein Prozent Weiße Lupine auf. Ursache ist die 1995 erstmals aufgetretenen Lupinenkrankheit "Anthracnose", die den Anbau der anfälligen Gelben und Weißen Lupinen zum Erliegen gebracht hat.

Auf rund 9.500 Hektar wurden im Jahr 2016 Lupinen im ökologischen Landbau angebaut, das entspricht circa einem Drittel der Gesamtlupinenanbaufläche in Deutschland.

Die meisten der im Handel befindlichen Sorten sind mit einem Alkaloidgehalt von kleiner als 0,05 Prozent bitterstoffarme Sorten beziehungsweise Süßlupinen. Aufgrund ihrer günstigen Proteinzusammensetzung können Lupinenprodukte zur menschlichen Ernährung überall dort verwendet werden, wo auch Soja verwendet wird. Der hierfür geforderte Alkaloidgehalt von kleiner als 0,02 Prozent wird insbesondere von Sorten der Weißen Lupinen erreicht.

In der Tierernährung ist die Lupine durch ihre hohen Eiweißgehalte und sehr gute Verdaulichkeit insbesondere für die Schweine- und Geflügelfütterung interessant. Trotz der höheren Proteingehalte erlöst die Lupine aber selten die erforderlichen Mehrpreise gegenüber Erbsen und Ackerbohnen.

Standortansprüche

Die drei in Mitteleuropa angebauten Lupinenarten - die Gelbe (Lupinus luteus), die Blaue oder Schmalblättrige (Lupinus angustifolius) und die Weiße Lupine (Lupinus albus) - unterscheiden sich in ihren Standortansprüchen. Allen reagieren auf hohe Kalkgehalte sehr empfindlich (Kalkchlorosen). Bevorzugt werden leichte, gut durchlässige Böden.

  • Gelbe Lupine: Sandstandorte mit einem pH-Wert unter 6,0. Ertragspotenzial bis 20 Dezitonnen pro Hektar. Abreife je nach Sorte circa zwei Wochen nach der Körnererbse.
  • Blaue Lupine: Sandstandorte mit einem pH-Wert unter 6,5. Ertragspotenzial bis 25 Dezitonnen pro Hektar. Abreife je nach Sorte zwischen null Wochen (endständige Sorten) und zwei Wochen (Verzweigungstypen) nach der Körnererbse.
  • Weiße Lupine: Auch auf etwas besseren Standorten mit einem pH-Wert unter 6,8. Unter diesen Bedingungen Ertragspotenzial bis 40 Dezitonnen pro Hektar. Abreife je nach Sorte etwa vier Wochen nach der Körnererbse.

Fruchtfolge

An die Vorfrucht werden keine Ansprüche gestellt. Lupinen sind Stickstoffsammler mit einem guten Wurzelsystem. Sie sind allerdings nicht selbstverträglich. Eine Anbaupause von mindestens vier Jahren sollte daher eingehalten werden.

Saat

Die Saat sollte ähnlich wie bei der Körnererbse in einen zumindest leicht erwärmten Boden erfolgen, wobei die Lupine leichte Nachtfröste verträgt. Frühe Aussaatzeitpunkte sind nur auf Standorten ohne Unkrautdruck möglich beziehungsweise sinnvoll. Die Saattiefe sollte zwei bis drei Zentimeter betragen. Der Reihenabstand hängt davon ab, ob der Bestand gehackt werden soll. Die Lupine kommt mit trockenen Bedingungen auch nach der Saat zurecht, so dass Walzen nur auf Problemstandorten notwendig ist. 

Aussaatstärke

Wegen der fehlenden Verzweigung müssen bei den Endständigen Sorten die Bestände dichter (120 bis 140 keimfähige Körner pro Quadratmeter) gesät werden als beim Verzweigungstyp (90 bis 100 keimfähige Körner pro Quadratmeter).

Saatgut

Aufgrund des Risikos mit der samenbürtigen Pilzkrankheit "Anthracnose" darf nur geprüftes, zertifiziertes Ökosaatgut zum Einsatz kommen. Da auch Fremdbefruchtung vorkommt, ist bei Nachbau ein teilweiser Verlust der Bitterstofffreiheit nicht auszuschließen.

Sortenwahl

Gegenüber den Verzweigungstypen reifen die endständigen Typen der Blauen Lupine früher ab, weisen aber geringere Erträge und ein deutlich schwächeres Unkrautunterdrückungsvermögen auf. Die Verzweigungstypen der Gelben Lupine hbten zur Abreife häufig Probleme mit Zwiewuchs und Nachblühern. Bei den Blauen Lupinen ist insbesondere auf Sorten mit ausreichender Platzfestigkeit zu achten. In klimatisch bevorzugten Gegenden und vor allem auf besseren - aber kalkfreien - Böden kommt die Weiße Lupine aufgrund ihres höheren Ertragspotenzials und besserer Unkrautunterdrückung in Frage.

  • Blaue Lupine, Verzweigungstypen: Dem Verzweigungstyp sind die Sorten Bordako, Boltensia, Bolivio, Bora, Borlana, Borlu, Arabella und Boregine zuzuordnen.
  • Blaue Lupine, endständige Typen: Sonet, Prima, Boruta
  • Gelbe Lupine: Bornal
  • Weiße Lupine: Amiga, Fortuna.

Saatgutimpfung

Auf Standorten, auf denen noch nie Lupinen oder Serradella angebaut wurden, sollte insbesondere bei der Weißen Lupine eine Impfung des Saatgutes mit Rhizobien (Knöllchenbakterien) erfolgen.

Düngung

Durch ihr gutes Wurzelsystem ist die Lupine in der Lage, auch aus tieferen Bodenschichten Nährstoffe aufzunehmen. Es darf jedoch kein freier Kalk vorhanden sein. Dabei ist zu beachten, dass die Blaue und Weiße Lupine unempfindlicher reagieren als die Gelbe Lupine.

Da die Blaue Lupine über ein sehr tiefes und leistungsfähiges Wurzelnetz verfügt, ist der Düngebedarf äußerst gering. Bei normaler Versorgung mit Grundnährstoffen ist deshalb eine Grunddüngung in der Regel nicht notwendig. Hervorzuheben ist insbesondere das hohe Phosphor-Aneignungsvermögen der Blauen Lupine. Sie schließt etwa doppelt soviel Phosphat auf, wie sie selbst benötigt. Voraussetzung hierfür ist ein gut durchwurzelbarer Boden ohne Verdichtungen.

Unkrautregulierung

Die Saat auf Getreideabstand ist möglich, bietet sich aber nur für Standorte mit geringem Unkrautdruck an, da das Unkrautunterdrückungsvermögen der Lupine gering ist. Der ideale Reihenabstand für Hacksysteme liegt wie bei der Ackerbohne bei doppeltem Getreideabstand. Weitere Reihenabstände sind je nach Mechanisierung des Betriebes möglich, bringen aber Ertragsverluste. Blindstriegeln kann je nach Witterungsverlauf eingeplant werden. Der Striegeleinsatz im Bestand ist möglich, sobald die Pflanzen nicht mehr verschüttet werden.

Krankheiten und Schädlinge

Die gefährlichste Lupinenkrankheit ist die Anthracnose. Sie liebt feuchte, niederschlagsreiche Bedingungen.Typische Symptome sind Verkrümmungen, welke Blätter, Brennflecken an Blättern und Hülsen, Lagerbestände, bis hin zum völligen Ertragsausfall. Da die Krankheit samenbürtig ist, liegt hier der entscheidende Schlüssel für den Lupinenbau. Bei Einhaltung risikomindernder Maßnahmen können in niederschlagsärmeren Regionen sogar die anthracnoseanfälligen Weißen und Gelben Lupinen angebaut werden. Wichtige Vorsichtsmaßnahmen sind die Verwendung von absolut anthracnosefreiem Saatgut, kein Anbau in unmittelbarer Nähe von im Vorjahr befallenen Feldern sowie keine Verschleppung von Feld zu Feld durch Maschinen.

Ernte

Die Blauen Lupinen sollten zur Vermeidung von Platzverlusten nicht zu spät geerntet werden. Endständige Sorten reifen Ende August relativ gleichmäßig ab, während Verzweigungstypen erst nach und nach bis Ende September abreifen und beim Drusch wegen des hohen Anteils an Nachblühern oft feuchtes Erntegut erbringen.

Die geeignete Lagerfeuchte liegt bei 14 Prozent Wassergehalt. Folglich ist eine Trocknung praktisch immer erforderlich. Die Erträge liegen bei etwa zehn bis 25 Dezitonnen pro Hektar bei der Gelben und 15 bis 35 Dezitonnen pro Hektar bei der Weißen Lupine.

Besonderheiten

Die Bedeutung der Lupine liegt im hohen Rohproteingehalt und der guten Eiweißwertigkeit, die unter deutschen Witterungsbedingungen auf einem größeren Standort-Potenzial als die Sojabohne zu erzielen sind. Zusätzlichen Wert erhält die Lupine - wiederum im Vergleich zur Sojabohne - durch die sichere Gentechnik-Freiheit.


Aus der Forschung - für die Praxis

Im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) werden zahlreiche Forschungsprojekte durchgeführt.

Selektion auf Methioninreichtum bei heimischen Leguminosen (2010)

Ziel der ökologischen Wirtschaftsweise ist eine Fütterung der Tiere mit ausschließlich ökologisch erzeugten Futtermitteln. Als Eiweißfuttermittel bieten sich heimische Körnerleguminosen an; bei Schweinen und Geflügel kann sich dabei jedoch das Problem einer unzureichenden Methioninversorgung ergeben. Ein Forschungsvorhaben hat untersucht, wie man den Methioningehalt von Ackerbohne, Erbse und Lupine steigern kann. Die Forscher schätzen die Züchtung von methioninreichen Körnerleguminosen bereits auf Basis der natürlichen Variabilität der Gehalte mit dem bestehenden Sortiment als durchaus erfolgversprechend ein. Sie empfehlen dazu eine breit angelegte Selektion von Einzelpflanzen aus bestehenden Sorten und Linien nach exakt bestimmten Aminosäuregehalten im Samen.

Selektion auf Methioninreichtum bei heimischen Leguminosen (Vicia faba, Pisum sativum und Lupinus angustifolius)

Anbaustrategien zur Erhöhung der Stickstoff-Effizienz (2007)

Im ökologischen Landbau kann Stickstoff vor allem auf viehlos wirtschaftenden Betrieben zum limitierenden Wachstumsfaktor werden. Eine mangelnde Stickstoff-Versorgung schlägt sich sowohl auf den Ertrag als auch auf die Qualität der angebauten Feldfrüchte nieder. Ein Forschungsvorhaben hat Anbaustrategien untersucht, die diesem Problem begegnen sollen.

Neue Anbaustrategien zur Erhöhung der N-Effizienz und zur Reduzierung des Unkrautdrucks im Ökologischen Landbau (FKZ 03OE180)

Süßlupinen als Eiweißfuttermittel für den Ökolandbau (2006)

Körnerleguminosen spielen im ökologischen Landbau durch ihr Stickstoffbindevermögen eine wichtige Rolle. Die Süßlupine gehört dabei neben der Ackerbohne und der Erbse zu den wichtigsten im Ökolandbau einsetzbaren Eiweißfuttermitteln. Ein Forschungsvorhaben hatte zum Ziel, Süßlupinen als Futtermittel mit hochwertiger Qualität für den ökologischen Landbau zur Verfügung zu stellen. Lupinen können einen Beitrag zur betriebseigenen Futterversorgung im ökologischen Betrieb leisten, so das Fazit der Wissenschaftler. Die Futtermittelqualität könne dabei sowohl durch züchterische Maßnahmen als auch durch die Wahl geeigneter Standortbedingungen beeinflusst werden.

Schlussbericht "Züchterische Bearbeitung von Süßlupinen für den ökologischen Landbau - Qualitätsuntersuchungen im Hinblick auf Futtereignung" in der Datenbank Organic Eprints

Letzte Aktualisierung: 21.08.2017