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Ökologische Waldwirtschaft

Ob Tannenbäume oder Terrassenmöbel: Bäume und Holz aus ökologischer Waldwirtschaft erfreuen sich zunehmender Beliebtheit bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern. In Zeiten des Klimawandels und angesichts eines weltweit hohen Anteils übernutzter Wälder ist eine an ökologischen Kriterien orientierte Waldwirtschaft von großer Bedeutung.

Was macht eine ökologische Waldbewirtschaftung aus?

Pferde beim Holzrücken. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Pferde des Bioland-Hofs Mammel in Baden-Württemberg beim Holzrücken. Foto: T. Stephan

In deutschen Wäldern stehen vielfach die Ansprüche der modernen Waldwirtschaft im Vordergrund; der Wald soll maschinengerecht und hochproduktiv sein. Die ökologische Waldwirtschaft hingegen rückt Aspekte wie Stabilität, Qualität, Ästhetik und Naturschutz in den Mittelpunkt der Waldbewirtschaftung.

Strukturreich, naturnah und standortangepasst

Häufig werden in den deutschen Wäldern nichtheimische Baumarten oder nicht standortangepasste Arten gepflanzt. So dominiert die Fichte oft ganze Wälder - auch an Standorten, wo sie natürlicherweise nicht oder nur sporadisch vorkommt.

Die ökologische Waldwirtschaft hingegen strebt strukturreiche und naturnahe Wälder aus standortheimischen Baumarten an. Wo diese noch vorhanden sind, müssen sie erhalten werden; wo nicht, sind sie wieder herzustellen. Damit verbunden ist die Anforderung, sich sorgfältig mit dem Standort des Waldes auseinanderzusetzen und Baumarten auszuwählen, die an den Standort (Boden, Klima) angepasst sind und natürlicherweise vorkommen. Damit kann auch ausuferndem Schädlingsbefall oder Sturmschäden entgegengewirkt werden.

Natürliche Waldverjüngung

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die natürliche Waldverjüngung: Dabei werden keine Jungbäume gepflanzt, sondern die Samen der Altbäume für die Anzucht neuer Bäume genutzt. Ebenso wird auf die Dichte des Baumbestandes geachtet, die waldverträglich sein soll und sich nicht einseitig an ökonomischen Aspekten ausrichtet. Zudem wird auf waldverträgliche Wilddichten Wert gelegt.

Boden, Flora und Fauna schützen

Große und schwere Maschinen bedeuten eine erhebliche Gefahr für den Waldboden und dessen vielfältige Funktionen im Waldökosystem. Bei der ökologischen Waldnutzung wird der Waldboden durch Verzicht auf Bodenentwässerung, Bodenbearbeitung und flächiges Befahren geschützt. Bei der Walderschließung und Holzernte werden waldschonende Verfahren eingesetzt.

Artenvielfalt und Ökosystemqualität erhalten

Die Artenvielfalt ist ein besonders wichtiges Kennzeichen eines funktionierenden Waldökosystems. Deshalb müssen die natürliche Artenvielfalt und Walddynamik erhalten werden, zum Beispiel durch einen ausreichenden Anteil alter Bäume, Schutz von Sonderbiotopen und Anreicherung von Biotopholz (natürlich alternde und abgestorbene Bäume). Die Ökosystemqualität wird durch Verzicht auf Kahlschläge und auf den Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln erhalten.

Beispielhaft: Der Lübecker Stadtwald

Baumstämme aus ökologischer Waldwirtschaft im Lübecker Stadtwald. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Der Lübecker Stadtwald ist Vorbild für eine ökologische Waldwirtschaft. Foto: M. Reinold, Naturland

Der Stadtwald von Lübeck wurde bereits 1998 auf ökologische Waldwirtschaft umgestellt. Damit gehörte er zu den ersten Forstbetrieben in Deutschland, die durch den ökologischen Anbauverband Naturland und gemäß den Richtlinien des Forest Stewardship Council zertifiziert wurden. Die ökologische Bewirtschaftung hat sich in den vergangenen Jahren bewährt - für Fachleute hat der Lübecker Stadtwald Vorbildcharakter für ganz Deutschland.

Der seit 1163 der Hansestadt Lübeck angehörige Wald umfasst heute eine Fläche von circa 5.000 Hektar. Die Wälder bestehen zu etwa 20 Prozent aus Nadelwäldern und zu etwa 80 Prozent aus Laub(Misch)wäldern, wobei die Buchen 35 Prozent und Eichen 25 Prozent der Fläche einnehmen. Zu den wesentlichen Vorgaben der Naturland Richtlinien und den Aspekten der "Naturnahen Waldnutzung" gehört neben der Konzentration auf heimische Baumarten die Nicht-Nutzung von zehn Prozent der Waldfläche. Wie auch in anderen Wirtschaftbereichen verbieten die Naturland-Richtlinien den Einsatz synthetischer Pflanzenschutzmittel und stellen eine Orientierung an natürlichen Prozessen in den Vordergrund.

Weitere Städte sind heute ebenfalls nach den Kriterien einer ökologischen Waldwirtschaft zertifiziert. So erfüllen die Stadtwälder von München, Hamburg, Hannover, Rostock, Göttingen, Tübingen, Freiburg, Berlin, Bonn, Saarbrücken, Wiesbaden und viele andere die hohen ökologischen Anforderungen.


Ökologische Waldwirtschaft - Grundlagen, Aspekte, Beispiele.
Hatzfeld, Hermann Graf (1996)
Stiftung Ökologie & Landbau; 2. Auflage.
ISBN-10: 3-926104-88-0


Letzte Aktualisierung: 14.08.2015