Erzeuger


Ökologischer Weinbau

Weinstöcke mit Blüte, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Im Vergleich zum konventionellen Weinbau sind Arbeitsaufwand und Produktpreise höher. Foto: T. Stephan, BLE

Im ökologischen Anbau steht die Qualität des Weines im Vordergrund. Bei bewusstem Verzicht auf Maximalerträge fördert der Winzer ein sich selbst regulierendes Öko-System, das ohne chemische Pflanzenschutzmittel und leichtlösliche Stickstoffdünger auskommt. Im Vergleich zum konventionellen Weinbau ist damit ein gesteigerter Arbeitsaufwand verbunden, der sich in höheren Produktpreisen widerspiegelt.

Die deutschen Öko-Winzer vermarkten ihre Weine überwiegend direkt ab Weingut. Seit den 90er Jahren sind auch Genossenschaften in den Markt für Wein aus Öko-Erzeugung eingestiegen und Vermarktungsinitiativen haben sich gegründet, denn die steigende Nachfrage des Lebensmitteleinzelhandels kann von einzelnen oft nicht bedient werden.

Kulturtechnik

Die Rebe stellt hohe klimatische Anforderungen. Als wärmeliebende Pflanze ist sie auf Gegenden angewiesen, in denen die Jahresdurchschnitts-Temperatur nicht unter 8,5 Grad fällt. Winterfrost verträgt die Rebe bis etwa minus 15 Grad. Während der Vegetationszeit treten hingegen bereits bei wenigen Minusgraden Kälteschäden auf.

Eine wichtige Voraussetzung für die Rebengesundheit und Qualität des Weines ist eine harmonische Nährstoffversorgung der Pflanze. Diese kann durch ein möglichst aktives Bodenleben gefördert werden. Durch Maßnahmen wie die ganzjährige Begrünung mit verschiedenen Pflanzen beeinflusst der Winzer den Anteil organischer Substanz im Boden positiv und fördert natürliche Lebensgemeinschaften.

Im Vergleich zu anderen landwirtschaftlichen Kulturen ist der Nährstoffbedarf der Rebe allerdings gering und fällt vor allem während der Hauptwachstumsphase an. Zu diesem Zeitpunkt ist auch die Nährstoffmineralisierung im Boden am stärksten. Die Rebe besitzt zwar geringe Ansprüche an die Bodengüte, die Bodenart beeinflusst jedoch erheblich den Geschmack des Weines.

Grundlage des Pflanzenschutzes im Weinbau nach Öko-Richtlinien ist die Förderung der Pflanzengesundheit und der natürlichen Selbstregulierungsfähigkeiten. Im Gegensatz zum konventionellen Anbau beugt der Winzer im Öko-Landbau mehr vor als er kuriert. Das Vorbeugen beginnt bereits bei der Standortwahl und schließt auch die Wahl möglichst widerstandsfähiger Unterlagen und Sorten ein.

Termingerechte Laubarbeiten, die auf eine lockere, gut belichtete Laubwand abzielen sind von großer Bedeutung. Wasserschosse, Kümmertriebe sowie Stamm- und Wurzeltriebe entfernt der Öko-Winzer konsequent, Neutriebe schlauft er in das Drahtgestell ein und beugt dadurch Infektionen mit Krankheitserregern vor.

Die Rebensorte wählt der Bio-Winzer vor allem nach Vermarktungsmöglichkeiten, Qualitätsaspekten und Kleinklima aus. Mittlerweile existieren außerdem Sorten, die sehr widerstandsfähig gegen die bedeutendsten Pilzerkrankungen sind. Auch der Boden beeinflusst die Sortenwahl und prägt den Wein in besonderer Weise.

Eines der wichtigsten Instrumente des Qualitätsmanagements in der ökologischen Weinerzeugung ist die Steuerung des Ertragsniveaus. Mit einem reduzierten Anschnitt, Triebkorrekturen und anderen Maßnahmen erreicht der Winzer ein sorten- und standortangepasstes Ertragsniveau bei hoher Qualität, langer Lebensdauer und hoher Widerstandskraft des Rebstocks. Eine zurückhaltende Düngung sorgt für ein harmonisches Wachstum und eine qualitätsfördernde Ertragsbildung.

Die Kellerwirtschaft verfolgt das Ziel, sorten- und gebietstypische sowie reintönige Weine mit hoher Qualität zu erzeugen und Behandlungsmittel dabei so wenig wie möglich zu verwenden. Daher werden diese auch beim Ausbau von Weinen aus Ökotrauben nur in geringen Mengen eingesetzt.


Aus der Forschung - für die Praxis

Im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) werden zahlreiche Forschungsprojekte durchgeführt.

Anbausystem für die ökologische Erzeugung von Tafeltrauben (2009)

Bis vor einigen Jahren war der erwerbsmäßige Anbau von Tafeltrauben in Deutschland nicht möglich, da Weintrauben nach dem deutschen Weinrecht nur auf ausgewiesenen Flächen angebaut werden durften. Seit Inkrafttreten der novellierten Weinmarktordnung im Jahr 2000 ist der Anbau von Tafeltrauben auf jeglichen Flächen Deutschlands erlaubt, und dem ökologischen Anbau werden dabei gute Chancen eingeräumt. Wissenschaftler der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Obst- und Weinbau in Weinsberg haben verschiedene Aspekte des ökologischen Tafeltraubenanbaus untersucht. Auf einem ökologisch wirtschaftenden Betrieb führten sie Sortimentsprüfungen, Versuche zum Pflanzenschutz und zur Bewässerung sowie zur Optimierung der Lagerung von Tafeltrauben durch. Weiterhin bewerteten sie verschiedene Erziehungssysteme mit integrierter Überdachung.

Entwicklung eines Anbausystems für die ökologische Erzeugung von Tafeltrauben in Deutschland

Letzte Aktualisierung: 14.08.2014