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Untersaaten: Möglichkeiten, Grenzen, Mischungen

Untersaat nach Getreideernte. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Untersaaten fixieren zusätzlichen Stickstoff, dienen der Unkrautregulierung und wirken erosionsmindernd. Foto: Thomas Stephan

Als Untersaat bezeichnet man die Saat einer zweiten Frucht zusätzlich zu einer früher erntereifen Hauptfrucht. Sie nehmen im Ökolandbau insbesondere aufgrund der zusätzlichen Stickstofffixierung eine Sonderstellung ein. Sie dienen darüber hinaus der Unkrautregulierung, der Erosionsminderung und der Bodenpflege und ermöglichen nach der Getreideernte rasch eine Futternutzung.

Wegen der möglichen Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe müssen Vor- und Nachteile sorgfältig abgewogen werden. Entscheidende Vorteile, die für die Ausbringung von Untersaaten gerade im ökologisch wirtschaftenden Betrieb sprechen, sind:

  • Stickstoff- und Humussammlung, die der Folgefrucht als "Startkapital" zur Verfügung stehen
  • Zeit- und Kostenersparnis, wenn eine geplante Zwischenfrucht oder Feldfutterfrucht als Untersaat bereits im Frühjahr ins Getreide bestellt wird
  • Besonders in Trockenlagen ist damit ein sicherer Feldaufgang zu erwarten bzw. das Ansaatrisiko von Zwischenfrüchten wird umgangen
  • Die Trockensubstanzerträge sind höher als bei reinen Stoppelsaaten
  • Erosionsminderung durch lückenlose Bodenbedeckung
  • Erleichterter Maschineneinsatz durch bessere Tragfähigkeit des Bodens

Die Untersaat kann gerade in Getreidebeständen ein geschicktes Regulativ sein. Wenn aufgrund ungünstiger Rahmenbedingungen, die meist nicht in der Hand des Landwirts liegen, sich etwas dünnere Bestände entwickeln, kann sich die Untersaat um so üppiger entwickeln und damit der Folgefrucht deutlich bessere Startbedingungen mit auf den Weg geben. Der schwächere Ertrag des einen Jahres kann so im nächsten wieder ausgeglichen werden.

Möglichkeiten von Untersaaten:

In Getreide

Untersaaten sind prinzipiell für alle Getreidearten geeignet, wobei die durch Boden, Vorfrucht und die Getreideart selbst bestimmte Bestandesdichte hier auch Grenzen setzen kann. Die Konkurrenzkraft der Getreideart und die Wüchsigkeit der Untersaat müssen zueinander passen. Zum Beispiel kann in eine Sommergerste meist nur eine niedrig wüchsige Weißklee-Mischung ausgebracht werden. Kleegräser würden sich zumindest unter feuchten Bedingungen zu stark entwickeln, während sie in Roggen problemlos eingesät werden können.

Die erfolgreiche Anlage einer Untersaat hängt vor allem vom Boden, den Niederschlägen sowie dem Zeitpunkt ab.
Der Zeitpunkt der Einsaat ist zwischen Bestockung und Schossen des Getreides, meist nach dem zweiten Striegeldurchgang. Je früher sie erfolgt, desto sicherer ist sie. Allerdings ist danach ein Striegeln zur Unkrautregulierung oder Ankurbelung der Mineralisation nicht mehr möglich. Je geringer der Unkrautdruck und je wüchsiger der Bestand, desto eher kann und soll die Untersaat ausgebracht werden.

Die Einsaat kann dabei am besten kombiniert werden mit einem Schneckenkornstreuer im Frontanbau. Sie ist aber auch mit einem Düngerstreuer möglich, sofern es sich um "kurzfristige" Untersaaten handelt, die nur aus Kleesämereien bestehen. Sobald Mischungen mit Gräsern ausgebracht und diese auch über- oder mehrjährig genutzt werden, sollte die Saat unbedingt mit einer Sämaschine (hochgestellte Schare) erfolgen, um lückige bzw. streifige Bestände zu vermeiden. Das Einstriegeln der Samen ist empfehlenswert.

Die Wahl des Saatgutes richtet sich nach der späteren Nutzung. Weit verbreitet sind Mischungen aus niedrig wüchsigen Kleearten (insbesondere Weißklee), die "nur" bis zum Herbst/Frühjahr stehen und zusätzlichen Stickstoff/Humus sammeln sollen. Geeignet sind aber auch Rotkleearten oder Kleegrasgemenge in üblicher Saatstärke, die für das folgende Hauptnutzungsjahr angelegt werden und als Untersaat ausgebracht meist einen enormen Wachstumsvorsprung (Futternutzung und/oder Stilllegung) mitnehmen. Gerne wird auch Luzerne beigemischt, um sich gegenüber trockenen Sommern abzusichern.

In Mais

Mais eignet sich wegen der vergleichsweise langsamen Jugendentwicklung, dem weiten Reihenabstand und der Wuchshöhe besonders gut für die Anlage von Untersaaten. Zielstellung ist dabei meist die bessere Befahrbarkeit und die damit verbundene Strukturwirkung bei der Ernte.

In Gebieten mit trockenen Sommern sollte die Einsaat eher später erfolgen, damit diese dem Mais nicht im empfindlichen Stadium um Wasser konkurriert. Die Einsaat erfolgt mit den gleichen Maschinen wie bei Getreide. Zu beachten ist dabei, dass bei der Saat der Mais abgetrocknet sein muss, damit das feine Saatgut nicht am Mais hängen bleibt. Empfohlen werden dabei Weißkleemischungen mit Englischem Raygras oder Knaulgras.

In Erbsen und Ackerbohnen

In Erbsen können Untersaaten als Stützfrucht dienen. Da jedoch bei modernen Erbsensorten die Lagergefahr nicht mehr so groß ist, die Untersaat aber das Abtrocknen verlangsamt, kommt dies in der Praxis nur noch selten zum Einsatz. Außerdem stehen bislang förderungstechnische Vorgaben entgegen.

Bei Ackerbohnen eignen sich vor allem nichtlegume Untersaaten zum Beispiel Weidegrasarten, Ölrettich, Gelbsenf oder Raps. Hier steht die Stickstoffbindung bis zur Folgefrucht im Vordergrund. Das Welsche Weidelgras muss relativ früh in die Ackerbohnen gesät werden - die Kreuzblütler dagegen später, um ein Überwachsen der Ackerbohne zu verhindern. Senf reagiert dabei besonders empfindlich auf Beschattung und Wasserstress. Ölrettich besitzt demgegenüber eine höhere Resistenz.

In Feld- und Gemüsekulturen

Bei länger stehenden Gemüsekulturen können Untersaaten hinsichtlich Stickstofffixierung, Unkrautunterdrückung sowie Schattengare Sinn machen. Entscheidend sind dabei im Vorfeld eine ausreichende Unkrautregulierung, ein geringer Unkrautdruck zum Zeitpunkt der Aussaat sowie der passende Termin. Bei zu früher Saat sind die Unkräuter noch unzureichend reguliert und laufen massenhaft mit auf, oder aber die Untersaat übt eine zu starke Konkurrenz auf die noch (zu) kleinen Kulturpflanzen aus. Bei einer zu späten Saat kann sich die Untersaat bis zum Bestandesschluss der schon (zu) großen Kulturpflanzen nicht mehr ausreichend entwickeln. Idealerweise sät man die Untersaat beim letzten Hackgang mit ein (je nach Kultur zwei bis sieben Wochen nach der Pflanzung).

Gute Erfahrungen liegen bei Kohlarten, Zuckermais, Lauch und Spargel (ab Anfang August) vor. Eingesät werden können je nach Kultur Erdklee (schwachwüchsig), Weißklee (mittel-), Englisches Raygras oder Grünroggen (beide starkwüchsig). Auch Mischungen von zum Beispiel Raygras und Weißklee sind üblich.

Grenzen von Untersaaten

Die Fülle von Vorteilen des Untersaatenanbaus gerade im ökologisch wirtschaftenden Betrieb würde für eine nahezu unbegrenzte Nutzung sprechen. Doch es gibt auch klare Grenzen.

Die für die Praxis wichtigsten Unkräuter stellen die Wurzelunkräuter dar, insbesondere Ampfer, aber auch Quecke. Ampfer ist - neben der Distel - ein Problemunkraut des Ökolandbaus. Bodenruhe ist dabei besonderes Gift, hier muss eine intensive Stoppelbearbeitung erfolgen. Untersaaten machen also bei Flächen mit Ampferbesatz wenig Sinn, weil sie nach der Ernte sofort bearbeitet werden müssen. Auch bei Queckenbelastung sollte ein Umbruch erfolgen, ebenso bei Disteln in schwach entwickelten, lückigen Untersaaten. Umgekehrt gilt aber auch, dass alles zu unternehmen ist, um Flächen wieder frei von Ampfer, Quecke und Co. zu bekommen, damit Untersaaten wieder genutzt werden können.

Eine Begrenzung des Untersaatenanbaus zeigt sich auch dort, wo Bodenstrukturprobleme vorliegen und über eine Bodenbearbeitung mit anschließender Zwischenfrucht die beste Wirkung zu erzielen ist. Wenn es darum geht, Verdichtungen aufzubrechen, ist insbesondere der flach wurzelnde Weißklee in seinen Möglichkeiten begrenzt. Im Zweifelsfall kann es auch Sinn machen, im Frühjahr eine Untersaat auszusäen und im Sommer zu entscheiden, ob eine Bodenbearbeitung Vorteile bringt.

Weitere Aspekte sind die Tatsache, dass nach Ausbringen einer Untersaat keine Unkrautbekämpfung im Getreide mehr möglich ist, sowie generell die Konkurrenz einer Untersaat zur Kulturpflanze (unterschiedliche Verträglichkeit der Kulturpflanzen).

Mischungen

Die folgende Tabelle zeigt Beispiele für Untersaaten, die im Frühjahr ausgebracht und im Herbst wieder umgebrochen werden. Daneben können alle standortangepassten Kleegras- und Brachemischungen bei anschließender Hauptnutzung als Untersaat ausgesät werden.

Saatgutmengen in Kilogramm pro Hektar
 GT, M, ABGT, M, ABGT, M, ABTrock. LagenGT, M, ABGT, M, ABAB, MR
Weißklee3-53-5323-53-5
Gelbklee6-85-83
Erdklee5-8
Seradella8-1030
Hornklee3
Dt. Weidelgras103
Rotschwingel5*
Lieschgras5-75-7*
Knaulgras5*
GT = Getreide, M = Mais, AB = Ackerbohne, R = Roggen *) alternativ

Letzte Aktualisierung: 06.11.2017