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Afrikanische Schweinepest

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Ralf Bussemas, Experte für Bioschweinehaltung am Thünen-Institut für Ökologischen Landbau in Trenthorst. Foto: Isabella Sauer

Interview mit Ralf Bussemas, Experte für Bioschweinehaltung am Thünen-Institut für Ökologischen Landbau in Trenthorst

Oekolandbau.de: Auf welchem Wege wird die Afrikanische Schweinepest übertragen?

Ralf Bussemas: Die Afrikanische Schweinepest ist eine Viruserkrankung, die in unseren Breiten hauptsächlich über direkten Kontakt mit erkrankten Tieren übertragen wird, vor allem über Blut. Auch das Fleisch und nicht erhitzte Produkte erkrankter Tiere sind infektiös.

Oekolandbau.de: Welche Symptome treten bei erkrankten Tieren auf?

Ralf Bussemas: Die Symptome sind eher unspezifisch wie hohes Fieber, Futterverweigerung, Atemwegsprobleme, Durchfall, Verfärbungen der Haut und ähnliches.

Oekolandbau.de: Wie kann es zu einer Übertragung von Wild- auf Hausschweine kommen?

Ralf Bussemas: Da die Viren nicht über die Luft verbreitet werden, ist eine direkte Übertragung auf Hausschweine in Stallhaltung unmöglich. Auch bei Auslaufhaltung, die ja in der Bioschweinehaltung vorgeschrieben ist, besteht kein größeres Infektionsrisiko, wenn der Außenbereich nach den Vorgaben der Schweinehaltungshygieneverordnung eingezäunt ist. Eine der Hauptgründe für die Ausbreitung der Krankheit in Russland und Osteuropa ist die Jagd. Landwirte sind dort wie bei uns oft auch Jäger. Wenn ein Jäger direkten Kontakt mit einem infizierten Tier hatte und mit den gleichen Kleidern die Stallarbeit erledigt, kann es leicht zu einer Infektion kommen. Auch Jagdhunde übertragen oft das Virus, wenn sie mit in den Stall genommen werden.

Oekolandbau.de: In der Bioschweinehaltung müssen also keine besonderen Vorkehrungen getroffen werden?

Ralf Bussemas: Nein, solange die Vorgaben der Schweinehaltungshygieneverordnung eingehalten werden, sind auch Biobetriebe auf der sicheren Seite. Entscheidend ist, wie schon erwähnt, eine korrekte Umzäunung des Außenbereichs. Die Vorgaben dazu sind in den Ausführungshinweisen des Bundes zur Schweinehaltungshygieneverordnung zu finden: Die Einzäunung muss mindestens 1,50 Meter hoch und engmaschig sein. Bei Auslaufhaltungen ist der Aushang von Schildern mit dem Aufdruck "Schweinebestand – unbefugtes Füttern und Betreten verboten" unbedingt erforderlich. Stellt der Amtsveterinär Mängel bei Kontrollen fest, kann er den Auslauf unmittelbar verbieten. Das ist gerade für Bioschweinebetriebe ein großes Problem, weil die Lüftung nicht für eine reine Stallhaltung ausgelegt ist und die Entmistung schwierig wird. Kommt es aufgrund mangelhafter Einzäunung zu einer Infektion, muss der Biolandwirt zudem für die Ausbreitung der Seuche haften. Und das kann sehr teuer werden.

Oekolandbau.de: Was können Schweinehalterinnen und –halter noch tun, um das Risiko zu minimieren?

Ralf Bussemas: Wer Landwirt und passionierter Jäger ist, sollte niemals mit Jagdkleidung in den Stall gehen. Hunde dürfen nicht mit in den Stall genommen werden. Da man nie sicher weiß, ob ein Hund nicht Kontakt mit einem verendeten, infizierten Wildschwein hatte, ist eine Hundewäsche mit Shampoo nach der Jagd ebenfalls eine sinnvolle Maßnahme.


Letzte Aktualisierung: 18.01.2018