Erzeuger


Das Projekt "ÖkoHuhn"

Zweinutzungshühner, Foto: Hermannsdorfer, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Herrmannsdorfer Zweinutzungshühner, Foto: Herrmannsdorfer

Wie kein anderer Bereich der landwirtschaftlichen Tierhaltung, ist die Haltung von Geflügel von starkem medialem, aber auch fachlichem Interesse. Die allenthalben geäußerte Kritik am "Hybridhuhn" betrifft Fragen der Züchtung, der Haltungsformen und plakatiert sich insbesondere jedoch am Töten der Küken der nicht benötigten aber dennoch erbrüteten und geschlüpften Hahnenküken aus den spezialisierten Legehybriden. Hahn und Henne sind jedoch die biologische Realität; die ökonomischen Zwänge machen den männlichen Teil der Schar jedoch zu Abfall. Hier muss Abhilfe geschaffen werden.

Die Halterinnen und Halter von Legehennen einschließlich der vor- und nachgelagerten Betriebszweige der Zucht, Vermehrung und Vermarktung sind aufgefordert, innovative Wege zu gehen, neue Verfahren und Methoden zu entwickeln und ihr landwirtschaftliches Tun daran auszurichten. Eine Möglichkeit dem Dilemma zu entkommen bietet die Zucht klassischer Zweinutzungsrassen.

Hier hat der Ökolandbau mit Förderung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über das Bundesprogramm ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) eine Vorreiterrolle übernommen. Mit einem Forschungsprojekt "ÖkoHuhn" der Konzeption einer Ökologischen Hühnerzucht mit besonderer Beachtung einer möglichen Zweinutzung wurden dazu erste Schritte im Bereich der Züchtung getan. Als Projektnehmer bilden hier mit der Bioland Beratung GmbH, der Ökologische Tierzucht gGmbH und der Hochschule Eberwalde kompetente und potente Partner ein Konsortium, das dieses dreijährige Projekt durchführt.

Um ein ökonomisch erfolgreiches Zweinutzungshuhn in Produktion zu bringen, braucht es zunächst grundsätzliche Informationen zu möglicherweise brauchbaren und verfügbaren Rassen oder genetischen Linien. Aufgrund der züchterischen Ausrichtung der Geflügelzucht der letzten 50 Jahre, hin zu spezialisierten Genetiken, startet das Vorhaben sozusagen bei Null. Wissen, Kenntnisse und Erfahrungen mit alternativen Rassen und Genetiken liegen nicht mehr vor oder sind zumindest veraltet und nicht mehr repräsentativ.

Hier setzt das Projekt "ÖkoHuhn" an. In einem umfangreichen Testszenarium werden Hähne und Hennen aus verschiedensten erfolgversprechenden bäuerlichen Zuchten und dem Rassegeflügelspektrum auf Herz und Nieren, oder besser auf Ei und Fleisch, getestet. Die umfangreichen Leistungsprüfungen auf Legeleistung und Zunahmen, kombiniert mit weiteren Merkmalen, die den ökologischen Landbau auszeichnen, sind zusammengenommen das Herzstück des Projektes. Hier werden sowohl die Aspekte einer Biofütterung als auch eine konsequent tiergerechte Haltung als wesentliche Faktoren des Ökolandbaus in die Prüfumgebung integriert, eine sogenannte "100 Prozent Öko–Leistungsprüfung" also. An die zehn vorausgewählten genetischen Herkünfte (Rassen) und deren Kombinationen werden im Projekt auf ihre Eignung geprüft.

Viele Züchterinnen und Züchter und Betriebe bringen hier Tiere in die Tests ein oder sind Teil einer zu entwickelnden Infrastruktur, in der weiterzuführende Tests und Leistungsprüfungen durchgeführt werden. Im Weiteren müssen in diesem logistischen Rahmen künftig die Tiere gezüchtet und aufgezogen werden, die für den Eier- oder den Geflügelfleischproduzenten verfügbar sein müssen.

Welche Genetik sich am Ende als erfolgreich oder brauchbar herausstellt, wird sich zeigen. Wie die weitere Zuchtarbeit danach aussieht, bedarf der weiteren Planung. Grundlage dieser Weiterentwicklung wird jedoch weiteres permanentes Testen und das Ausprobieren neuer Alternativen sein.

Für die Entwicklung und Etablierung einer ökologischen und ökonomisch erfolgreichen Geflügelzucht sind mit dem Projekt jedenfalls die Grundlagen gesetzt. Ganz nebenbei kommt es hier zu einer Wiederbelebung partizipativer Zuchtstrukturen, in der einzelne eigenständige Betriebe, Landwirtinnen und Landwirte sowie Züchterinnen und Züchter eine Position in der aufzubauenden Zucht- und Produktionspyramide einnehmen können.


Letzte Aktualisierung: 07.09.2018