Erzeuger


Funktionskreis Ruhen und Schlafen

Das Ruhen ist ein wesentliches Grundbedürfnis von Rindern. Etwa 30 bis 50 Prozent des Tages ruhen Kühe (sieben bis zwölf Stunden), wobei es etwa fünf bis zehn Liegeperioden von einer bis anderthalb Stunden pro Tag gibt. Bullen und Kälber ruhen etwas mehr als Kühe (zwölf bis 13 Stunden).

Das Abliegen und Aufstehen erfolgt bei Rindern in besonderer Weise. Sie stehen zuerst mit den Hinterbeinen auf, wobei durch entsprechenden Kopfschwung nach vorne und abwärts die notwendige Entlastung der Hinterhand für den Aufstehvorgang geholt wird. Das Abliegen erfolgt dementsprechend zuerst mit den Vorderbeinen. Vorher wird der Liegeplatz intensiv geprüft.

Beim Liegen nehmen Rinder unterschiedliche Liegepositionen ein:

  • Ausgewachsene Kühe liegen nicht mehr als zwölf Minuten am Stück in Seitenlage (Ruktus-Pansengase).
  • Kühe bevorzugen es, Rücken an Rücken und an einer geschlossenen Wand zu liegen, falls ihnen genügend Platz zum Abliegen und Aufstehen geboten wird.

Der Tiefschlaf bei Rindern beträgt nur circa 30 Minuten pro Tag und wird auf etwa sechs bis zehn Perioden aufgeteilt. Hierbei gibt es allerdings erhebliche individuelle Unterschiede. Beim Schlafen nehmen Rinder eine sternförmige Ruhestellung mit eingeschlagenem und auf dem Bauch abgelegtem Kopf ein.

Schematische Darstellung verschiedener Liegepositionen bei Rindern, Abb.: Schnitzer, 1971
Liegepositionen von Rindern. Grafik: Schnitzer

Liegeboxen

Kuh in einer Tiefbox liegend, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Tiefboxen für Milchvieh. Foto: Otto Volling, BLE

Ein hoher Liegekomfort ist von wesentlicher Bedeutung für gesunde und leistungsfähige Tiere. Er begünstigt die Wiederkauaktivität, vermindert Klauenprobleme und verbessert die Milchleistung. In Boxenlaufställen sind Tief- und Hochboxen zu unterscheiden. Tiefboxen werden eingestreut und die Liegelänge ist um zehn Zentimeter länger als in Hochboxen. Die Hochboxen sind mit einem elastischen Belag ausgelegt, der in der ökologischen Landwirtschaft in jedem Fall weich genug und mit einer Schicht Einstreu versehen sein muss.

Die Vorteile einer Tiefbox sind wesentlich mit der Einstreu verbunden, da Rinder Stroh als Liegefläche bevorzugen:

  • Eine komfortablere Liegefläche (Einstreu)
  • Tiefboxen können mit einer Strohmistmatratze versehen werden, die besonderen Liegekomfort bietet.
  • Tiefboxen sind weniger verletzungsträchtig (weniger Schwielen an Karpal- und Tarsalgelenken).
  • Die Einstreu erlaubt sicheres Abliegen und Aufstehen.
  • Geringerer Investitionsaufwand

Nachteile der Tiefbox sind die erhöhten Arbeitskosten (Einstreu) und der höhere Platzbedarf.

Hoch- und Tiefboxen können als wand- oder auch als gegenständige Liegebox gestaltet sein. Wandständige Boxen benötigen aufgrund der vorderen Begrenzung durch die Wand im Kopfbereich mehr Platz (Kopfschwungraum zwischen 70 bis 100 Zentimeter) als gegenständige Boxen.

Wandständige Liegeboxen

Schematische Darstellung der empfohlenen Abmessungen für wandständige Tief- und Hochboxen
Empfohlene Abmessungen für wandständige Liegeboxen (links Tiefbox, rechts Hochbox).

Gegenständige Liegeboxen

Schematische Darstellung der empfohlenen Abmessungen für gegenständige Tief- und Hochboxen
Empfohlene Abmessungen für gegenständige Liegeboxen (links Tief-, rechts Hochbox)

Hinweise und Empfehlungen

Liegebox
Stoffbänder als Seitenbegrenzung und ein beweglicher Nackenriegel tragen erheblich zu einem hohen Liegekomfort bei. Foto: Menke
  • Breite der Liegebox (Innenmaß) mindestens 1,25 Meter (Widerristhöhe multipliziert mit dem Faktor 0,9).
  • Der Nackenriegel dient dem Sauberhalten der Box und sollte möglichst elastisch und/oder beweglich sein. So kann die Verletzungsgefahr beim Aufstehvorgang erheblich vermindert werden.
  • Stoffbänder als Seitenbegrenzungen verringern ebenfalls die Verletzungsgefahr in der Liegebox.
  • Eine Strohmistmatratze erhöht den Liegekomfort erheblich.

Hinweise der Tiere auf fehlerhafte Boxenabmessungen

  • Pferdeartiges Aufstehen und Abliegen deuten auf allgemeine Probleme mit den Liegeboxenabmessungen.
  • Liegen die Tiere mit dem Becken auf der Liegeboxkante, ist die Liegelänge zur kurz.
  • Stehen die Kühe mit gesenktem Kopf in der Liegebox, ist der Nackenriegel zu weit hinten angebracht.
  • Liegen die Tiere nicht vollständig in der Box , ist meist der Kopfschwung aufgrund eines zu niedrigen Nackenriegels behindert (oder es sind neue Tiere).

Stroh ist die bevorzugte Liegefläche von Rindern. Eine wenig strohverbrauchende, komfortable und gern angenommene Liegefläche in Liegeboxen ist die Strohmistmatratze. Kennzeichen einer solchen Matratze:

  • zweischichtiger Aufbau aus Mist und Stroh,
  • ergibt eine leicht muldenfähige, waldbodenähnliche Unterlage (bei richtiger Pflege und natürlicher Verrottung),
  • geringer Einstreubedarf (0,3 bis ein Kilogramm pro Tag und Tier),
  • kurze Abliegedauer (Tiere scheinen beim Abliegen keine Probleme zu haben),
  • selten Gelenkschäden.

Letzte Aktualisierung: 05.10.2018