Erzeuger


Funktionskreis Soziale Interaktionen

Schematische Darstellung der Leckzonen beim Rind
Die Leckzonen beim Rind, Abb. nach Sambraus, 1969

Rinder sind soziale Lebewesen, die den Kontakt zu ihren Artgenossen suchen. Wesentliche Aspekte des Sozialverhaltens von Rindern sind das Wiedererkennen, die Kommunikation, die Bildung von Freundschaften untereinander und die Rangordnung.

Das Wiedererkennen ist die Grundlage für ein friedliches Zusammenleben von Lebewesen und verhindert ständige Rangauseinandersetzungen. Rinder können mindestens 50 bis 70 Herdenmitglieder erkennen. In größeren Gruppen findet eine Untergruppenbildung statt.

Für die Kommunikation ist die Gestik, also die Haltung und Stellung von Kopf, Gliedmaßen und Schwanz wesentlich von Bedeutung. So wird zum Beispiel beim Drohverhalten der Kopf abgesenkt, das Kinn angezogen und Kopfschütteln sowie Wühlen des Kopfes im Boden gezeigt.

Freundschaften bei Rindern werden durch gegenseitiges Belecken, gemeinsames Zusammenstehen und Fressen sowie durch gemeinsames Spielen (bei Jungtieren) angezeigt. Zum gegenseitigen Belecken wird in 30 Prozent der Fälle durch gesenkten Kopf oder Stoßen aufgefordert. Das Belecken fördert und stabilisiert die Beziehungen zwischen den Tieren und dient der gegenseitigen Körperpflege.

Durch die Rangordnung einer Herde werden wiederholte Rangkämpfe zwischen den Tieren verhindert und so die Aggressionen insgesamt in der Herde reduziert. Sie regelt einen möglichst konfliktfreien (energiesparenden) Zugang zu Nahrung, Wasser, Sexualpartnern etc., wobei sie nicht in jeder Situation gleich deutlich gezeigt wird (Melkreihenfolge ist meist eine andere als die Rangordnung am Fressplatz).

Rinder halten zueinander immer eine gewisse räumliche Distanz ein, die als Individualdistanz bezeichnet wird. Sie liegt je nach Rang im Stall zwischen 0,5 bis drei und beim Grasen zwischen neun und zwölf Metern.

Stalleinrichtungen in Bezug auf das Sozialverhalten sind zum einen mit Bereichen im Stall verbunden, die eine Konkurrenzsituation für die Tiere darstellen und zum anderen mit der Anzahl und Anordnung dieser Einrichtungen. Das gilt insbesondere für den Fressbereich. Aber auch im Liege- und im Laufbereich kann es zu Konfliktsituationen zwischen den Tieren kommen.

Hinweise und Empfehlungen für den Fressbereich

  • Mindestens ein Fressplatz für jedes Tier
  • Durch absperrbare Fressgitter können rangniedere Tiere in Ruhe fressen.
  • Ausreichend Platz im Fressbereich (Fressplatzbreite 80 Zentimeter)
  • Keine Barrieren im Fressbereich, die ein Ausweichen rangniederer Tiere behindern (beispielsweise Stufen, Absperrungen)
  • Einwandfrei funktionierende Fressgitter
  • Ausreichende Anzahl an Tränken, so dass auch rangniedere Tiere ungestört trinken können, pro Schalentränke maximal sieben Tiere

Hinweise und Empfehlungen für den Liege- und Laufbereich

  • Mindestens eine Liegebox für jedes Tier bzw. ausreichend Liege- und Lauffläche
  • Durch Strukturierung von freien Liegeflächen Rückzugsmöglichkeiten für rangniedere Tiere und mehr Ruhe im Liegebereich schaffen.
  • Auslauf dient ebenfalls der Strukturierung des Stalles und wird als Rückzugsort von rangniederen Tieren genutzt.
  • Zwei Zugänge zum Auslauf ermöglichen einen Rundlauf, so dass rangniedere Tiere jederzeit ausweichen können.
  • Entsprechend angeordnete Zugänge zum Auslauf können bestehende Sackgassen im Stall auflösen.

Durch angepasstes Herdenmanagement lässt sich das Sozialverhalten einer Herde in vielfältiger Weise steuern.

  • Durch eine ad libitum-Fütterung kann die Konkurrenzsituation am Fressgitter reduziert werden.
  • Längere Einsperrzeiten im Fressgitter bei feuchtem Futter bzw. Tränken am Fressplatz (maximal 1,5 Stunden) und wenn nicht immer gleichmäßiges Futter ad libitum zur Verfügung steht.
  • Bei Futter mit hohem Trockensubstanzgehalt und fehlenden Tränken am Fressplatz sollte die Einsperrzeit kürzer sein, um die Auseinandersetzungen an der Tränke nach Öffnen der Fressgitter zu verringern.
  • Gleichmäßige Futterverteilung auf alle Fressplätze.
  • Während der Trockenstehzeit sollten die Tiere nur kurz von der Herde getrennt werden, um die Häufigkeit von Rangkämpfen bei der Eingliederung zu vermindern.
  • Schonende Eingliederung neuer Tiere (zum Beispiel vorher Kennenlernen des Stalles ohne die Herde, gemeinsame Weidehaltung, vorheriges Aufstallen mit älteren Tieren der Herde)

Letzte Aktualisierung: 05.10.2018