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Ökologische Milchschaf- und Milchziegenhaltung: Jetzt den Einstieg wagen?

Milchschafe auf einer Weide. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Die Milchschaf- und Milchziegenhaltung bietet zwar Chancen für Neueinsteier, der Einstieg sollte aber nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Foto: Gwendolyn Manek

Die Erzeugung von Schaf- und Ziegenmilch im Haupterwerb ist zwar ein Randbereich in der deutschen Landwirtschaft, hat in den vergangenen zehn Jahren aber enorm an Bedeutung gewonnen. Dies geht aus einer 2017 veröffentlichen Studie hervor, die von der Bioland Beratung GmbH gemeinsam mit der BAT Beratung Artgerechte Tierhaltung e.V. und dem Thünen-Institut für Ökologischen Landbau durchgeführt wurde. In dieser Studie wurden erstmals umfassend Daten und Wissen über die Schaf- und Ziegenmilchproduktion in Deutschland erhoben.

Steigende Nachfrage trifft auf geringes heimisches Angebot

"Der Grund für die zunehmende Ziegen- und Schafmilchproduktion", sagt Gwendolyn Manek, Bioland-Beraterin für Schaf- und Ziegenhaltung und Mitautorin der Studie, "ist die zunehmende Nachfrage der Verbraucher. Schaf- und Ziegenmilcherzeugnisse sind ernährungsphysiologisch hochwertig und verfügen über ein positives Image. Viele Verbraucher haben aus Ziegen- und Schafmilch hergestellte Lebensmittel im Urlaub in einem Mittelmeerland kennengelernt und wollen diese nun auch zu Hause genießen. Hinzu kommen Kuhmilchallergiker, die auf alternative Produkte von Ziegen und Schafen zurückgreifen."

Bislang wird der deutsche Markt für Ziegen- und Schafskäse noch maßgeblich durch preisgünstige Importe aus Griechenland, Frankreich und den Niederlanden bestimmt. Laut Manek liegt das daran, dass die Produktionsstrukturen in den genannten Ländern häufig intensiver und die Vermarktungsstrukturen für diese Milchprodukte besser entwickelt sind als in Deutschland. "Zunehmend entstehen aber auch hierzulande geeignete Strukturen", so Manek. "Diese sind regional allerdings noch sehr unterschiedlich ausgeprägt."

Gute Chancen vor allem für Ökobetriebe

Ein augenscheinlich potenter Wachstumsmarkt wartet also darauf, mit deutschen Produkten bedient zu werden. Das bietet gute Perspektiven für Neu- und Quereinsteiger. Vor allem Ökoerzeuger haben hier gute Chancen: 65 Prozent der Milchziegenbetriebe und 67 Prozent der Milchschafbetriebe in Deutschland (Stand 2014) werden ökologisch bewirtschaftet. Dadurch haben sich Molkereistrukturen etabliert, die bevorzugt Ökomilch annehmen und verarbeiten.

Einstieg nicht auf die leichte Schulter nehmen

Milchziegenfütterung. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Die Haltung und Fütterung kleiner Wiederkäuer erfordert viel Spezialwissen. Foto: Gwendolyn Manek

Die Haltung kleiner Wiederkäuer ist ein sehr arbeitsintensiver Produktionsbereich, der sehr viele Spezialkenntnisse erfordert. Daher rät Manek besonders Neueinsteigern, den Einstieg in die Branche nicht auf die leichte Schulter zu nehmen und sich gut beraten zu lassen. "In einem ersten Schritt sollte geklärt werden, welche Betriebsform angestrebt wird", sagt die Beraterin. "Soll es ein reiner Haltungsbetrieb sein, in dem die Milch nur abgeliefert wird, oder soll auch die Verarbeitung und Vermarktung in Eigenregie erfolgen?"

Ist ein reiner Lieferbetrieb das Ziel, muss im Vorfeld geprüft werden, ob es in der Umgebung überhaupt geeignete Abnehmer gibt. "Hier sieht es im Süden Deutschlands meist besser aus als im Norden", sagt Manek. So gebe es zum Beispiel Regionen, wie den Schwarzwald, da suchen Molkereien ganz konkret nach Lieferanten, die Ökoziegenmilch liefern. Auch in Bayern gebe es mehrere etablierte Molkereien und Käsereien. "Gibt es diese Abnehmer jedoch nicht", so die Expertin, "kommt nur die Selbstverarbeitung und Direktvermarktung infrage." Doch auch hier sollte zu allererst geprüft werden, ob und wie viel Konkurrenz es in der näheren Umgebung gibt. Auch die Suche nach Kooperationspartnern kann hier sinnvoll sein.

Gute Vorbereitung ist die halbe Miete

Besonders für Betriebe, die selbst verarbeiten und vermarkten möchten, gilt es, früh genug zu checken, ob für alle Bereiche ausreichend personelle Kapazitäten zur Verfügung stehen. "Diese Personen sollten bestenfalls über entsprechende Kenntnisse verfügen oder bestrebt sein, sich diese anzueignen", sagt Manek. Darüber hinaus muss geklärt werden, wie breit die Produktpalette werden soll. "Will man den umliegenden Lebensmitteleinzelhandel mit einigen speziellen Produkten beliefern oder will man seinen Kunden auf dem Wochenmarkt oder im Hofladen ein umfassendes Sortiment anbieten?". Alles Fragen, die die Beraterin bereits im Vorfeld mit interessierten Neueinsteigern klärt. "Nicht unterschätzt werden sollte", so Manek, "dass die Vermarktung oder Markterschließung sehr viel Zeit in Anspruch nimmt."

Sind diese grundsätzlichen Fragen geklärt, kann man an die engere Planung gehen. In der ökologischen Haltung von Kleinwiederkäuern ist Auslauf vorgeschrieben, im günstigen Fall einen Großteil davon auf der Weide. Steht dafür genügend Weidefläche zur Verfügung? Diese Frage ist vor allem für reine Lieferbetriebe von Bedeutung, die häufig größere Tierzahlen halten, das heißt 150 Tiere und mehr. Wie sieht es außerdem mit dem Stall und einem Auslauf aus? Gibt es dafür ausreichend Kapazitäten? Woher bekommt man geeignete Melktechnik und wie steht es mit der Futterversorgung? Mindestens 60 Prozent des Futters muss aus Raufutter bestehen und vom eigenen Betrieb stammen oder aus regionalen Futterkooperativen.

Wo gibt es Beratung?

Gute Beratung ist das A und O für Neueinsteigende. Die Zahl der Fachberater für diesen Produktionsbereich ist aber leider klein. Daher hat sich im Bereich der Milchziegenhaltung ein alternatives Beratungskonzept bewährt, das sich Stable Schools nennt. Im Kern geht es bei einer Stable School darum, dass sich bis zu sechs Praktikerinnen und Praktiker regelmäßig auf ihren Betrieben treffen und sich vor Ort austauschen, um gemeinsam Lösungen für bestehende Probleme zu entwickeln. Stable School-Angebote gibt es inzwischen auch für Milchschafhalterinnen und -halter.

Manek rät Neueinsteigerinnen und Neueinsteigern dringend dazu, sich verschiedene schaf- oder ziegenhaltende Betriebe anzusehen und nach Möglichkeit ein Praktikum dort zu machen. Dies gibt einen guten Eindruck von den Abläufe auf dem Betrieb und den Eigenheiten der Tiere. In einigen Regionen Deutschlands werden darüber hinaus auch immer wieder Kurse angeboten, die man wahrnehmen sollte. Infos dazu gibt es zum Beispiel bei den Landwirtschaftskammern und den Ökoverbänden.


Bioland Fachberatung Schafe und Ziegen

  • Gwendolyn Manek (Norddeutschland)
    Telefon: 02385 / 935426
    E-Mail: gwendolyn.manek@bioland.de
  • Andreas Kern (Süddeutschland)
    Telefon: 0711 / 55093954

Internet: www.bioland.de

Naturland Fachberatung Schafe und Ziegen

Sebastian Wagner

Telefon: 08374 / 5898850
E-Mail: s.wagner@naturland-beratung.de


Letzte Aktualisierung: 14.05.2018