Erzeuger


Die Sprache des Bodens lernen

Absolventen der Weiterbildung für Bodenpraktikerinnen und Bodenpraktiker 2014. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
21 Teilnehmer haben die Weiterbildung 2014 abgeschlossen.

Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2015 zum Internationalen Jahr des Bodens ausgerufen. Damit soll das Bewusstsein für den Boden erhöht und die Bedeutung des Bodens für das natürliche Ökosystem und die Landwirtschaft deutlich gemacht werden. Im Zusammenhang mit der Bodennutzung will die Aktion nachhaltige Lösungsansätze zeigen.

Da passt die Weiterbildung zum Bodenpraktiker perfekt ins Bild, die von Bioland zusammen mit drei Bioverarbeitern organisiert wird. Oekolandbau.de hat mit Michaela Braun gesprochen, die für Bioland die Weiterbildung organisiert.

Bodenziegel mit lockerem Ackerboden. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Eine lockere, krümelige Struktur bei der Spatenprobe deutet auf einen fruchtbaren Boden hin.

Oekolandbau.de: Wieso lohnt es sich für Biolandwirte, an der Weiterbildung teilzunehmen?

Michaela Braun: Ein fruchtbarer Boden hat im Ökolandbau eine ganz zentrale Stellung inne. In der beruflichen Ausbildung kommt das Wissen über den Boden und seine nachhaltige Bewirtschaftung oft zu kurz. Mit der Weiterbildung zum Bodenpraktiker erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer fachliches und praktisches Wissen, mit dem sie die Sprache des Bodens verstehen lernen und dafür sensibilisiert werden, genau hinzuhören.

Oekolandbau.de: Gibt es bei der Ausbildung nur theoretisches Wissen oder nimmt man auch praktische Dinge mit?

Braun: Selbstverständlich liefern wir unseren Teilnehmern wichtiges theoretisches Hintergrundwissen zum Boden, zum Beispiel zu Bodenbildungsprozessen, der Kreislaufwirtschaft und dem Bodenleben. Dazu zählen Informationen zur Fruchtfolge, zu Bodenuntersuchungen und Zeigerpflanzen genauso wie Antworten auf die Frage, wie sich die Bodenbearbeitung mit den unterschiedlichen Geräten auf das Bodenleben, Erosionsgefahr usw. auswirkt.

Und natürlich geben wir unseren Teilnehmern mit der ökosystemaren Bodenansprache einfache und praxisnahe Methoden, mit denen sie selbst am Feld den Boden analysieren und bewerten können. Dabei werden Bodenschichten, Bodenart und Bodentyp, Durchwurzelung, Regenwurmaktivität, pH Wert und Nmin bestimmt und bewertet. Fingerprobe, Bodensonde und pH-Indikator sind wichtige Hilfsmittel, deren Anwendung geübt wird.

Oekolandbau.de: Wie ist die Ausbildung organisiert?

Braun: Die Ausbildung zum Bodenpraktiker dauert neun Monate, von Ende Januar bis Anfang November 2015. In diesem Zeitraum finden insgesamt neun Kurstage statt. Die Seminartage finden auf unterschiedlichen Höfen in ganz Bayern statt. So lernen die Kursteilnehmer die unterschiedlichsten Böden kennen. Gleichzeitig erarbeiten sie in einer Projektarbeit eine spezifische Fragestellung für ihren eigenen Betrieb. Hierbei können sie das erlernte Wissen gleich auf diesen übertragen und anwenden. Nach der Präsentation der Projektarbeiten erhalten die Kursteilnehmer ein Zertifikat.

Oekolandbau.de: Tragen die Bodenpraktiker das Wissen auch an andere Kollegen weiter?

Braun: Ja, das möchten wir erreichen. Deshalb ist das Handwerkszeug für die Weitergabe von Wissen und Erfahrung an Berufskollegen ein wichtiges Element der Weiterbildung. Die Landwirte lernen vor allem Präsentationstechniken kennen und können ihr Wissen so mit Begeisterung und Sachverstand weitervermitteln.

Oekolandbau.de: Wer unterstützt die Weiterbildung zum Bodenpraktiker?

Braun: Es freut uns besonders, dass die Weiterbildung zum Bodenpraktiker von drei Bioherstellern unterstützt wird. Die Biobrauerei Neumarkter Lammsbräu und die beiden Biobäckereien Schubert und Hofpfisterei setzen sich so für die nachhaltige Bodenbewirtschaftung ein. Den Bioverarbeitern ist die Vermittlung von Praxiswissen zur natürlichen Bodenfruchtbarkeit aus zwei Gründen wichtig. Sie wollen damit die Biolandwirte darin unterstützen, die Rohstoffe für ihre Bioprodukte in hoher Bioqualität erzeugen zu können. Außerdem wollen sie den Biolandbau voranbringen.

Oekolandbau.de: Was machen Bodenpraktiker im Betriebsalltag anders, welche Erfahrungen haben die bisherigen Teilnehmer gemacht?

Braun: Frater Richard ist der landwirtschaftliche Betriebsleiter des Klosters Plankstetten. Sein Statement zur Weiterbildung: "Mit dem Boden ernähren wir die Menschen auf der ganzen Erde. Deswegen haben wir Bauern eine große Verantwortung. Es ist unsere Aufgabe, der Erde wieder mehr Fruchtbarkeit zu entlocken. Ich will mehr wissen, wie ich ihn schützen und fördern kann."

Christoph Ehrhardt, Bioland-Junglandwirt aus Schwaben, erklärt: "Der Boden ist das Bindeglied zwischen uns und hochwertigen Bioprodukten. Er ist unser wichtigstes Kapital. Im Biolandbau verzichten wir auf chemisch-synthetische Hilfsmittel. Deswegen ist es für uns Biobauern noch wichtiger, dass wir fruchtbare Böden erhalten und fördern. Es gibt viel zu tun, den Boden noch besser, noch fruchtbarer zu machen."


Anmeldung zum "Bioland Bodenpraktiker 2015": Susanne Maurer, Telefon: 0821/34680-186, E-Mail: susanne.maurer@bioland.de

Letzte Aktualisierung: 29.01.2015