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Klimaschutz und Landwirtschaft – Welche Vorteile bietet der Ökolandbau?

Gülleausbringung mit Schleppschläuchen. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Die verlustarme Ausbringung von Wirtschaftsdüngern wie Gülle ist ein wichtiger Beitrag zur Vermeidung von klimaschädlichem Lachgas. Foto: Jürgen Beckhoff,BÖLN

Nach einer aktuellen Berechnung des Umweltbundesamtes entstanden im Jahr 2017 durch die landwirtschafte Produktion in Deutschland 65,4 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente. Das entspricht etwa 7,2 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen. Die wichtigsten klimarelevanten Gase aus der Landwirtschaft sind Kohlendioxid (CO2), Lachgas und Methan. Fast 60 Prozent der gesamten Lachgasemissionen in Deutschland und 80 Prozent des erzeugten Methans sind auf die Landwirtschaft zurückzuführen.

Diese Zahlen beziehen sich auf die reine landwirtschaftliche Produktion. Nicht berücksichtigt sind Treibhausgase, die im vorgelagerten Bereich der landwirtschaftlichen Erzeugung entstehen, etwa bei der Produktion von Betriebsmitteln. Klimarelevant sind dabei vor allem Stickstoffdünger und Pflanzenschutzmittel, weil sie sehr energieaufwändig hergestellt werden müssen. Da sie im Ökolandbau keine Rolle spielen, ergibt sich daraus ein wichtiger Vorteil beim Ziel einer klimafreundlichen Landbewirtschaftung.

Klimabilanzen sind komplex und aufwändig

Grundsätzlich ist eine objektive Einschätzung der tatsächlichen Klimawirkung eines Betriebs oder einer Bewirtschaftungsform extrem schwierig. Denn dabei müssen nicht nur alle relevanten Stoff- und Energieflüsse in Form von Kraftstoffen, Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, zugekauftem Kraftfutter und anderen Betriebsmitteln berücksichtigt werden. Denn auch die Stickstoff- und Humusbilanzen eines Betriebs, die Fruchtfolge sowie individuelle Standortfaktoren wie Bodenart und Klima haben großen Einfluss auf die Entstehung von Treibhausgasen.

In einer vom BÖLN finanzierten Studie der Technischen Universität München aus dem Jahr 2014 wurden diese Faktoren erstmals umfassend für die Erstellung von Klimabilanzen berücksichtigt und fünf Jahr lang auf je 40 konventionell und ökologisch wirtschaftenden Betrieben untersucht.

Verzicht auf synthetische Dünger ist klimafreundlich

Dabei zeigte sich, dass ökologische Betriebe im Durchschnitt etwa 40 Prozent weniger Energie pro Hektar einsetzen als konventionelle Betriebe und entsprechend weniger CO2 pro Fläche erzeugen. Dieser Effekt beruht vor allem auf dem Verzicht synthetischer Dünger und Pflanzenschutzmittel. Dabei ist synthetischer Stickstoffdünger aus Sicht des Klimaschutzes doppelt problematisch. Denn neben der energieintensiven und damit klimabelastenden Produktion bildet sich bei der Ausbringung Lachgas, das 300-mal klimaschädlicher ist als CO2.

Deshalb sind auch die in der Studie untersuchten Stickstoffsalden der beiden Bewirtschaftungsformen von großer Bedeutung. Im Schnitt lagen die Stickstoffverluste pro Hektar bei den konventionellen Betrieben 44 Kilogramm höher als bei den Ökobetrieben. Die konventionellen und ökologischen Gemischtbetriebe schnitten dabei jeweils besser ab als die reinen Marktfruchtbetriebe.

Geringe Erträge verschlechtern Klimabilanz

Mann steht im Kleegras. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Kleegras erhöht die Humusgehalte im Boden und bindet so Kohlendioxid aus der Luft. Quelle: Jürgen Beckhoff, BÖLN

Bezieht man den höheren Energieeinsatz jedoch auf den Ertrag, gleichen sich die Unterschiede zwischen den beiden Anbauverfahren wieder an. Der Grund: Die untersuchten Biobetriebe erreichten im Schnitt nur etwa 60 Prozent der üblichen konventionellen Erträge.

Auch die Milchviehhaltung ist ein wichtiger Faktor bei der Entstehung klimaschädlicher Gase. Problematisch ist vor allem die Bildung von Methan, das etwa 25-mal klimaschädlicher ist als CO2. Methan entsteht vor allem bei Verdauung der Kühe und bei der Lagerung und Ausbringung von Gülle und Mist.

Bezüglich der Entstehung von Treibhausgasen schneiden Biobetriebe pro erzeugtem Kilogramm Milch etwas besser ab als konventionelle Betriebe. Vorteile ergeben sich durch eine weniger energieintensive Futtererzeugung und –lagerung im Ökolandbau. Ähnlich wie bei den Erträgen im Ackerbau, gleicht sich dieser Vorteil wieder nahezu aus aufgrund der deutlich geringeren Durchschnittsleistungen in der ökologischen Milchviehhaltung.

Humusaufbau spricht für den Ökolandbau

Der größte Vorzug des Ökolandbaus in Bezug auf den Klimaschutz zeigt sich bei den Humusbilanzen. Denn Böden speichern riesige Mengen an Kohlenstoff. Das gilt insbesondere für Moorböden, von denen in Deutschland knapp 80 Prozent als Grünland und zum Teil auch für den Ackerbau genutzt werden. Circa 98 Prozent der CO2-Nettoemissionen stammen aus entwässerten Moorböden, obwohl sie nur fünf Prozent der Fläche ausmachen.

Fachleute schätzen, dass ein durchschnittlicher Boden im gemäßigten Klima während einer 50-jährigen, intensiven Bewirtschaftung etwa 30 bis 50 Prozent seines Kohlenstoffs verliert. Umso wichtiger ist eine humusfördernde Bewirtschaftung, da beim Humusaufbau Kohlendioxid gebunden wird, während der Abbau zur Freisetzung von CO2 führt.

In der BÖLN-Studie ermittelte das Forscherteam für die untersuchten ökologischen Gemischtbetriebe mit Milchvieh ein "Potenzial zum Humusaufbau", während für die Biomarktfruchtbetriebe etwa gleichbleibende Humusgehalte geschätzt wurden. Konventionelle Marktfruchtbetriebe hatten dagegen ein negatives Humussaldo.

Vielfältige Fruchtfolgen mit Kleegras fördern CO2-Bindung

Der Grund dafür sind vor allem die meist vielfältigeren Fruchtfolgen im Ökolandbau mit humusfördernden Kulturen wie Kleegras und weniger Hackfrüchten, die stark humuszehrend wirken. Zudem wird im Ökolandbau mehr organischer Dünger in Form von Mist oder Kompost zugeführt, der den Humusgehalt zusätzlich stabilisiert.

Allerdings machte die Studie auch deutlich, wie groß der Einfluss des einzelbetrieblichen Managements auf die Entstehung klimarelevanter Gase ist. Denn bei der Gesamtmenge der erzeugten Treibhausgase gab es innerhalb der beiden Gruppen "konventionell" und "bio" sehr große Unterschiede. Gut gemanagte konventionelle Betriebe, die mit geringen Stickstoffverlusten arbeiteten, schnitten zum Teil sogar besser ab als weniger gut geführte Biobetriebe.

Unter dem Strich schneiden die Biobetriebe aber sowohl bei den flächenbezogenen Treibhausgasemissionen, als auch bei den produktbezogenen Emissionen besser ab. Dieser Vorteil basiert vor allem auf einem humusschonenden Ackerbau, einer wesentlich effizienteren Nutzung des verfügbaren Stickstoffs und den Verzicht auf energieaufwändig hergestellte Stickstoffdünger und Pflanzenschutzmittel.

Noch viel Verbesserungspotential

Dennoch gibt es im Ökolandbau genauso wie in der konventionellen Erzeugung noch viel Potenzial zur Optimierung der Klimabilanz durch das einzelbetriebliche Management. Dazu gehört zum Beispiel, Moorböden nach und nach aus der Nutzung zu nehmen und wieder zu vernässen, da durch die Entwässerung große Mengen an CO2 freigesetzt werden. Zudem schwächen die geringen Erträge und Milchleistungen die positiven Effekte des Ökolandbaus ab. Neben höheren Erträgen und Tierleistungen sollten Betriebe auch möglichst geschlossene Nährstoffkreisläufe mit Tierhaltung und Ackerbau anstreben und Stickstoffverluste vermeiden. Auch vielfältige Fruchtfolgen mit hohen Kleegrasanteilen unterstützen eine klimaschonende Lebensmittelerzeugung.


Letzte Aktualisierung: 05.09.2018