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Kulturlandpläne für Ökobetriebe: Naturschutz selbst bestimmen

Ackerrandstreifen am Weizenfeld. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Vielfältige Naturschutzmaßnahmen wurden im Rahmen der Kulturlandpläne bereits umgesetzt, darunter blütenreiche Feldsäume an Wegrändern. Foto: BLE, Dominic Menzler

Viele Ökolandwirtinnen und -landwirte sind hochmotiviert, Naturschutzmaßnahmen auf dem eigenen Betrieb umzusetzen. Den meisten fehlt es jedoch am nötigen Wissen und Handwerkszeug. Hier kann die Kulturlandplan-Beratung weiterhelfen.

Die Bioland Beratung Bayern entwickelte im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) Naturschutzkonzepte auf Betriebsebene für ökologisch wirtschaftende Landwirtinnen und Landwirte. oekolandbau.de sprach mit Projektleiterin Katharina Schertler.

oekolandbau.de: Frau Schertler, Sie haben gemeinsam mit Ihren Projektkollegen sogenannte Kulturlandpläne entwickelt. Was ist das?

Schertler: In einem Kulturlandplan werden mögliche Naturschutzmaßnahmen für den landwirtschaftlichen Betrieb zusammengestellt. Das Besondere daran ist, dass nach Maßnahmen gesucht wird, die der Landwirt selber umsetzen möchte und die zum Betrieb passen. Das ist eine ganz andere Herangehensweise als man sie von den bestehenden Naturschutzplanungen kennt. Den meisten Landwirten mangelt es nicht an Motivation, um effektiven Naturschutz umzusetzen, sondern häufig nur am Handwerkszeug und am Wissen. Kulturlandplan-Berater können hier das entsprechende Know-how liefern und die Landwirte bei der Erarbeitung geeigneter Naturschutzmaßnahmen unterstützen.  

oekolandbau.de: Wie entsteht ein Kulturlandplan?

Schertler: Das Ganze beginnt mit einem ausführlichen Telefongespräch. Hierbei geht es darum, dass der Berater den Betrieb kennenlernt und ein Gefühl dafür bekommt, was die Verantwortlichen auf dem Betrieb motiviert, sich im Naturschutz zu engagieren und was ihnen wichtig ist. In einem nächsten Schritt besucht der Berater den Hof und ermittelt dort notwendige Kenndaten, wie zum Beispiel die pflanzliche Artenvielfalt von Grünland und Äckern, bereits vorhandene Landschaftselemente und die Bewirtschaftungsintensität der Flächen. Nach der Auswertung der Ist-Situation des Betriebs erarbeitert der Berater eine Vorschlagsliste mit möglichen Naturschutzmaßnahmen und bespricht diese mit dem Landwirt. Gemeinsam sucht man dann nach der besten Möglichkeit für die Umsetzung.

Beratungsgespräch. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Im Beratungsgespräch (v.l.): Kulturlandplanberaterin Katharina Schertler und Landwirt Konrad Samberger. Foto: Bioland Beratung

oekolandbau.de: Wie wird das Ganze dokumentiert?

Schertler: Alle Ergebnisse der Beratung werden in einem Abschlussbericht, dem sogenannten Kulturlandplan, zusammengefasst. Der Kulturlandplan umfasst zwei Teile: Im ersten findet der Landwirt alle Ergebnisse der durchgeführten Erhebung und Beschreibungen seiner individuellen Maßnahmen. Der zweite Teil ist eine Art Nachschlagwerk, mit Informationen zur praktischen Umsetzung, rechtlichen Hintergründen, Förderungsmöglichkeiten und wichtigen Adressen. So ausgerüstet kann der Landwirt sich dann in eigener Verantwortung an die Umsetzung der Maßnahmen machen.  

oekolandbau.de: Wie wichtig ist Ihnen die Freiwilligkeit der Teilnahme? 

Schertler: Die Grundlage für eine erfolgreiche Naturschutzberatung und eine gute Umsetzung ist, dass die teilnehmenden Landwirte motiviert sind. Dies kann nur erreicht werden, wenn die Teilnahme freiwillig erfolgt.

oekolandbau.de: Gibt es Hinweise, wie häufig Betriebe Maßnahmen der Kulturlandpläne tatsächlich umsetzen? 

Schertler: Wir halten engen Kontakt zu vielen Kulturlandplan-Betrieben und können so den Fortgang der Maßnahmenumsetzung verfolgen. Soweit wir überblicken können, läuft die Umsetzung gut. So wurden schon neue Hecken und Obstbäume gepflanzt, Säume entlang von Gewässern und Wegen angelegt, artenreiche Wiesen neu eingesät, Magerrasen entbuscht, zahlreiche Nistkästen für Vögel und Insekten gebaut und noch vieles mehr. Und das oft ohne eine zusätzliche finanzielle Förderung.  

oekolandbau.de: Welche Kosten entstehen dem Landwirt? Welche Förderungen für die einzelbetriebliche Beratung sind möglich?

Schertler: Die Kosten der Kulturlandplanberatung kann man zu Recht als ein Hindernis bei einer flächendeckenden Umsetzung sehen. Wir haben uns schon im Rahmen des Projektes mit Sponsoringmöglichkeiten auseinandergesetzt. Zwei Firmen aus der Ökobranche – Ökoland und Neumarkter Lammsbräu – unterstützen die Erstellung von Kulturlandplänen für ihre Zulieferbetriebe. Inzwischen gibt es auch Fördermöglichkeiten in einzelnen Bundesländern. Was ein Kulturlandplan den einzelnen Betrieb kostet, ist deshalb sehr unterschiedlich.


Wer sich für die Kulturlandberatung interessiert, findet mehr Informationen unter www.kulturlandplan.de oder kann Kontakt aufnehmen mit

Katharina Schertler
Bioland Beratung
Fachberatung Naturschutz

Auf dem Kreuz 58
86152 Augsburg 

Telefon: 0821-34680-121
Fax: 0821-34680-135 
Mobil: 0176-60030033

E-Mail: katharina.schertler@bioland.de 

Schlussbericht in der Datenbank "Organic Eprints"

Letzte Aktualisierung: 13.07.2016