Großverbraucher


Hofgastronomie als zusätzliches Standbein

Bistrobereich im Hofladen. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Viele Betriebe erweitern ihren Hofladen inzwischen um ein Bistroangebot – wie hier in der Schweinothek im rheinhessischen Gau-Bickelheim. Foto: Jenny Weiß, Schweinothek

Die Möglichkeiten für authentische gastronomische Angebote auf Höfen sind vielfältig. Sie reichen vom kleinen Cafebereich im Hofladen über eine Hofeisdiele und das Ausrichten von Familienfeiern und Festen bis hin zu richtigen Hof-Gaststätten und Catering. Auch wenn es keine offiziellen Daten über die Zahl der Höfe mit gastronomischem Angebot in Deutschland gibt, ist sich die Unternehmensberaterin Irene Leifert aus Möhnesee sicher: "Auf jeden Fall steigt die Zahl der Hofläden, die zusätzlich zum Verkaufsbereich ein gastronomisches Angebot einrichten". Auch Dr. Elisabeth Seemer, Fachberaterin der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz bekräftigt: "Kaum ein neuer oder gerade renovierter Hofladen verzichtet auf ein gastronomisches Angebot für seine Kundschaft". Im typischen Fall möchte ein Betrieb mit Direktvermarktung durch das Angebot von Kaffee, Kuchen und ähnlichem zum einen die Kundschaft besser binden und zum anderen einen weiteren Absatzweg für eigene Produkte wie beispielsweise Backwaren schaffen. Gerade auch im Biobereich können Betriebe hier mit ihren hohen Standards und kontrollierter Qualität punkten.

Dienstleistungen schaffen den Mehrwert

Gleichzeitig richten immer mehr Bäckereien und der konventionelle Lebensmitteleinzelhandel zusätzlich zum Verkauf einen Bistrobereich ein. Die Hofläden müssen sich deshalb fragen, wie sie sich weiterentwickeln und im Wettbewerb abheben können. "Den erforderlichen Mehrwert erreichen die Höfe vor allem mit ihrer Dienstleistung und nicht allein über die Veredelung der Produkte", weiß Irene Leifert aus Erfahrung. Sie berät unter anderem Bio-Betriebe bei der Direktvermarktung und Hofgastronomie.

Blick hinter die Stalltür

Landwirtschaftliche Betriebe haben dabei entscheidende Pluspunkte: Sie verfügen über das authentische Ambiente vor Ort, und die Kundschaft kann hier aus erster Hand erfahren, woher die Lebensmittel kommen. Viele Betriebe kombinieren deshalb ihren Gastrobereich mit zusätzlichen Dienstleistungen wie beispielsweise pädagogischen Angeboten für Schulklassen und Kindergruppen, "Großeltern-Enkel-Tagen", Erntedankfeiern, oder sie richten Familienfeiern und Hoffeste aus. Denn es geht der Kundschaft nie allein um das Produkt: Bei einem Blick hinter die Stalltür oder einer Betriebsbesichtigung möchten viele Gäste erfahren, wie die Tiere gehalten, die Milch gewonnen oder das Getreide angebaut wird. Biobetriebe können auf diese Weise die besondere Qualität ihrer Wirtschaftsweise kommunizieren.

Spaß am Kundenkontakt

Kind streichelt Lämmer. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Zusätzliche Angebote – wie der Kontakt mit Tieren – machen die Hofgastronomie attraktiv. Foto: Andreas Greiner

Allerdings: Der Schritt in Richtung Hofgastronomie will gut überlegt sein. Wer dieses Geschäftsfeld erfolgreich entwickeln möchte, braucht die notwendigen personellen Kapazitäten und muss sich jeden Tag auf die Wünsche der Kundschaft einstellen. So geht der Trend beim Einkauf im Hofladen hin zum Wochenende und dieser Ansturm muss bewältigt werden. An Sonn- und Feiertagen sind die Ausflugsgäste unterwegs, die gerne auch mal im Grünen einkehren wollen. Wer diese Zielgruppe erreichen möchte, muss zu diesen Zeiten die Türen öffnen. Zudem ist der Kundenkontakt in der Gastronomie noch viel intensiver als im Laden. Wer sich für eine Hofgastronomie entscheidet, muss daran viel Spaß und Freude haben.

Bio-Schweinothek mit Mittagstisch

Erfolgreiche Konzepte entwickeln das gastronomische Angebot aus den individuellen Stärken der Höfe und kombinieren es mit zusätzlichen Dienstleistungen. So vertreiben Bernd und Maren Bornheimer-Schwalbach aus dem rheinhessischen Gau-Bickelheim nicht nur den Wein vom eigenen Bioland-Weingut und Fleisch- und Wurstwaren ihrer Bunten Bentheimer Schweine im Hofladen, sondern sie servieren ihrer Kundschaft von Mittwoch bis Samstag auch einen Mittagstisch mit leckeren Bio-Gerichten. Und während die Gäste der Bio-Schweinothek im Hofladen sitzen und sich das täglich frische Gericht schmecken lassen, können sie schon mal "mit den Augen einkaufen gehen". Außerdem gibt es Frühstück sowie täglich frischen Bio-Kaffee und selbstgebackenen Kuchen. Führungen auf dem "Lernort Bauernhof", kulinarische Hoffeste und andere Events runden das Konzept ab.

Angebot im Hofcafé mit Zutaten aus eigener Produktion

Das Hofcafé auf dem Waldeckhof bei Göppingen wurde 2005 als Qualifizierungsmaßnahme von Beschäftigten der Staufen Arbeits- und Beschäftigungsförderung ausgebaut. "Unser gastronomisches Konzept haben wir dann rund um die Produkte entwickelt, die es bei uns auf dem Biolandhof gibt", sagt die Geschäftsführerin Karin Woyta. Bei einer Herde von 100 Mutterschafen gehören dazu natürlich die Schafsmilch und die daraus gewonnene Produkte wie Joghurt, Quark und verschiedene Käsesorten. Aber auch besondere Spezialitäten wie Schafsmilcheis und Käsekuchen aus Schafsfrischmilch. Wer im Hofcafé bei einem Vesperteller mit hofeigenen Käse- und Wurstspezialitäten auf den Geschmack kommt, kann diese Produkte dann auch im Laden kaufen und mit nach Hause nehmen.

Neue Chancen für gastronomische Angebote

Die wachsende Nachfrage der Verbraucherinnen und Verbraucher nach authentischen Produkten und klarer Herkunft schaffen neue Chancen für gastronomische Angebote auf Höfen - gerade auch im Bio-Bereich. Aber niemand sollte dabei blauäugig sein und denken: Das machen wir mal eben so nebenher. Das Konzept muss individuell zum Hof passen und mit hoher Professionalität umgesetzt werden. Denn das ist der Anspruch der Kundschaft. Und nur so lassen sich auskömmliche Preise erzielen und ein betriebswirtschaftliches Ergebnis erreichen, das langfristig trägt.


Letzte Aktualisierung: 17.04.2018