Großverbraucher


Erfolgsfaktoren für die Bio-Verpflegung in Kitas

Kinderhaus Theodor-Fischer-Straße in Reutlingen. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Das Kochteam im Kinderhaus Theodor-Fischer-Straße setzt beim Mittagessen 45 Prozent Bioprodukte ein. Quelle: Stadt Reutlingen

Beachtliche Bio-Anteile in der Kitaverpflegung

In ihrem Verpflegungsangebot der Tageseinrichtungen für Kinder hat die Stadt Reutlingen in den letzten Jahren den Anteil der Bioprodukte beim Mittagessen sowie beim Frühstück und Imbiss sukzessive erhöht. Aktuell werden in den zwei städtischen Kitas mit eigener Küche beim Mittagessen 45 Prozent Bioprodukte eingesetzt. Diese städtischen Kochküchen beliefern noch drei weitere Kitas. In Tageseinrichtungen, die das Mittagessen vom Caterer bekommen, liegt der Bio-Anteil bei 20 Prozent. Beim Frühstück und Imbiss kommen bereits bei 100 Prozent Biolebensmittel auf den Tisch.

Kitas mit eigener
Kochküche
Einrichtungen mit
Caterer
Bio-Anteil beim Mittagessen45% (290 TN)20% (1067 TN)
Bio-Anteil beim Frühstück / Imbiss100% (264 TN)100% (1603 TN)

Quelle: Stadt Reutlingen, August 2018

Diese beachtlichen Bio-Anteile konnten in einem längeren Prozess und in wohldosierten Schritten erreicht werden. Angefangen hatte es in den Jahren 2000 bis 2002 damit, dass in den eigenen Kochküchen die ersten Milch- und Milchprodukte auf Bio umgestellt wurden und dann saisonales Obst- und Gemüse in Bioqualität zum Einsatz kamen. Es folgten die Fleisch- und Wurstwaren sowie die Backwaren für das zweite Frühstück und den Imbiss. 2012 konnte dann ein regionaler Lieferservice-Betrieb dazu gewonnen werden, für die Tageseinrichtungen der Stadt Reutlingen eigene Touren einzurichten und sich auch im Sortiment (Stichwort: Großgebinde) auf diese Zielgruppe eingestellt hat. Der Stadt als Träger der Einrichtungen kam dabei eine entscheidende Rolle zu.

Koordination durch die Stadt

"Das funktioniert nur, wenn die Verwaltung hinter der Idee steht", bekräftigt Ursula Straubinger, "und den Prozess zentral steuert." Sie ist die hauswirtschaftliche Betriebsleiterin für den Bereich der Tageseinrichtungen für Kinder in der Stadt Reutlingen. Denn neben der Suche nach geeigneten Lieferanten kommt es vor allem darauf an, die Nachfrage und das Angebot für Bioprodukte in der Region zu bündeln. Für einen Bio-Lieferservicebetrieb ist es nicht wirtschaftlich, nur für wenige einzelne Kitas eine eigene Tour einzurichten und auf allerlei Sonderwünsche (zum Beispiel Produkte für Allergikerinnen und Allergiker) einzugehen. Doch wenn eine Mindestmenge an Nachfrage erreicht wird, entsteht für beide Seiten eine Win-win-Situation. Inzwischen beteiligen sich alle 48 Tagesstätten, die Frühstück und Imbiss anbieten, an diesem Modell.

Dialog zwischen Küchen und Lieferanten

Gemüsekiste. Klick führt zu Goßansicht im neuen Fenster.
Mit Bioprodukten werden die Kinder optimal versorgt. Bild: Andreas Greiner

"Um die Zusammenarbeit zwischen Küchen und Lieferanten einen guten Weg zu bringen, müssen sich beide Seite aufeinander einlassen", so Straubinger. "Und das kostet am Anfang eine ganze Menge Zeit". Aber auf lange Sicht zahlt sich das aus. Der Bio-Lieferant ist heute für die Kitas ein kompetenter Partner und wickelt für die Einrichtungen beispielsweise auch die Formalitäten für das Schulprogramm ab. Kindergruppen sind jederzeit bei ihm willkommen, um den Betrieb kennen zu lernen. Bei Elternabenden, wo es um die Umstellung des Frühstücks für die Einrichtungen geht, ist der Lieferant immer mit dabei. Er stellt seinen Betrieb vor und präsentiert Kostproben aus dem ökologischen Anbau. Die Anwesenheit des Lieferanten ist immer sehr hilfreich, um die Eltern zu überzeugen, dass Bioprodukte einfach intensiver schmecken als Produkte aus konventionellem Anbau.

Pilotgruppe bringt Schwung in den Prozess

Der Blick auf einen längeren Prozess wie in Reutlingen zeigt: Es kommt nicht unbedingt darauf an, am Anfang gleich alle Beteiligten von so einer Idee zu überzeugen. Es gibt in allen Gruppen – Kita-Teams, Eltern etc. – immer auch Personen, die am Anfang bremsen und so ein Projekt kritisch sehen. Entscheidend ist jedoch, dass eine hinreichend große Pilotgruppe zusammenfindet und startet. Das entwickelt dann eine Sogwirkung, an der sich auch andere orientieren. Oder anders gesagt: Positive Beispiele haben die beste Überzeugungskraft. Natürlich sollte so ein Prozess der Umstellung auf Bio auch durch eine geeignete Öffentlichkeitsarbeit begleitet werden. "Auf Elternabenden haben und müssen wir im Laufe des Prozesses immer noch Aufklärungsarbeit leisten", so Straubinger, "um alle Beteiligten mit ins Boot zu bekommen".

Wirtschaftlichkeit durch gute Kooperationen

Am Ende des Tages können durch gute Kooperationen für alle Beteiligten Synergien gewonnen werden, die auch einen wirtschaftlichen Einsatz von Bioprodukten in der Kita-Verpflegung ermöglichen. So zahlen die Eltern für ein Frühstück in 100 Prozent Bio-Qualität zurzeit 15 Euro pro Monat (bei 20 Tagen entspricht das 0,75 Euro pro Tag und Kind) und 70 Euro im Monat für die Mittagsverpflegung (entspricht 3,50 Euro). Auch wenn es immer wieder Zeit und Mühe gekostet hat, ist Ursula Straubinger stolz darauf, "dass wir diesen Weg für die Gesundheit der uns anvertrauten Kinder eingeschlagen haben."

Empfehlungen für die Praxis

Jede Kommune hat natürlich ihre eigene Situation und Geschichte. Ein Erfolgsgarantie-Rezept wie eine Blaupause gibt es leider nicht. Trotzdem muss nicht jede Stadt das Rad neu erfinden. Einige zentrale Faktoren sind immer entscheidend für den Erfolg:

  • Träger muss hinter der Idee stehen
  • Von Beginn an pädagogische und hauswirtschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ins Boot holen
  • Zentrale Steuerung durch die Verwaltung
  • Auswahl geeigneter Lieferanten
  • Bündelung der Nachfrage und des Angebots
  • Mit Pilotprojekt starten, um Erfahrungen zu sammeln
  • Begleitung durch Öffentlichkeitsarbeit (zum Beispiel Elternabende)

Letzte Aktualisierung: 22.08.2018