Großverbraucher


Nachhaltiger Genuss mit fairen Produkten

Kaffeebäuerin. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Kaffee ist das wichtigste fair gehandelte Produkt im Bereich der Außer-Haus-Verpflegung. Dreiviertel des Angebots im Fairen Handel sind inzwischen auch biozertifiziert. Fotoquelle: GEPA – The Fair Trade Company/C. Nusch

Die Nachfrage nach fair gehandelten Produkten wächst in Deutschland ungebrochen und erreichte mit 1,3 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2016 einen neuen Rekordwert. Das entspricht einer Steigerung um 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr und einer Verdoppelung gegenüber 2012. Spitzenreiter ist der Kaffee mit einem Anteil von 36 Prozent. Auch Südfrüchte - vor allem Bananen, Ananas und Mango - sind mit elf Prozent Anteil eine wichtige Produktgruppe. Etwa 18 Prozent der Umsätze mit fair gehandelten Produkten entfallen auf den Non-Food-Bereich (vor allem auf Blumen und Textilien).

Grafik zum Gesamtumsatz des fairen Handels in Deutschland.
Quelle: Daten Forum Fairer Handel e.V., eigene Darstellung

Auch in der Außer-Haus-Verpflegung sind fair gehandelte Produkte zunehmend gefragt. Durch ihren Einsatz können Küchen ihren Gästen vermitteln, dass sie beim Einkauf auch der globalen Verantwortung gerecht werden. Beim Handelsunternehmen El Puente machte der Bereich Großverbraucher/Gastronomie im Jahr 2016 etwa 13,5 Prozent der Umsätze aus (2012: 4 Prozent). Bei der GEPA war der Außer-Haus-Bereich mit einem Anteil von elf Prozent am Gesamtumsatz der drittstärkste Vertriebsbereich nach dem Lebensmittelhandel und den Weltläden (2016). Wichtigstes Produkt für die AHV ist dabei Kaffee; aber auch Tee, Kakao, Zucker, Schokoriegel und Bananen spielen eine wachsende Rolle.

Durchblick bei Standards und Zeichen

Logo von Fairtrade
Logo von FairTrade

Ähnlich wie im Biobereich vor Einführung der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau gibt es im Fairen Handel bislang keine staatlichen sondern nur privatrechtliche Standards. Das bekannteste Gütezeichen ist das Siegel der FairTrade International. Der internationale Dachverband der nationalen FairTrade Organisationen und ihrer Partnernetzwerke entwickelt die Standards, nach denen das FairTrade-Siegel vergeben wird. "Transfair – Verein zur Förderung des Fairen Handels in der Einen Welt e.V." ist die deutsche Mitgliedsorganisation und firmiert deshalb auch unter der Bezeichnung "FairTrade Deutschland". Diese Organisation handelt selbst nicht mit Produkten sondern schließt Lizenzverträge mit Handelspartnern ab, die nach den FairTrade-Standards arbeiten.

Logo von GEPA.
Logo von GEPA

Die GEPA ist Europas größtes Fair Handelsunternehmen und steht mit ihrem Namen dafür ein, dass die Kriterien des Fairen Handels eingehalten werden. Die Standards von FairTrade International sind dabei eine wichtige Grundlage. In vielen Bereichen geht die GEPA nach eigenen Angaben noch darüber hinaus.

Neben diesen Organisationen mit entwicklungspolitischem Hintergrund hat Naturland als erster Ökoanbauverband ein Zertifizierungssystem für den Fairen Handel entwickelt. Das Ziel ist es, den ökologischen Landbau, soziale Verantwortung und den Fairen Handel zu verbinden.

Fair und bio

Die Bewegungen für den fairen Handel und den Ökolandbau haben historisch ganz unterschiedliche Wurzeln. Doch sie ergänzen sich und passen gut zusammen. Obwohl der Fokus des Fairen Handels eindeutig auf der Einhaltung von sozialen und Menschenrechtsstandards liegt, gehört auch der Umweltschutz zu einer fairen Wirtschaftsweise. Dieser Grundgedanke findet sich bereits in den Grundsatzpapieren des Fairen Handels. Auf der anderen Seite setzen sich die Bioanbauverbände immer schon dafür ein, dass landwirtschaftliche Betriebe faire Preise für ihre Produkte erhalten.

Synergie-Effekte

In der Kombination der Qualitätsmerkmale "bio" und "fair" liegen eindeutige Synergie-Effekte: Wo in Plantagen keine Pestizide mehr eingesetzt werden, verbessert sich auch die Gesundheitssituation der Menschen. Die Herstellung von eigenem Kompost macht die Produzentinnen und Produzenten unabhängig vom Einkauf von Düngemitteln. Die höheren Einnahmen aus dem Fairen Handel erlauben oftmals, die Kosten für die Umstellung auf Bio zu decken. Nach einer erfolgreichen Bio-Zertifizierung zahlt der Faire Handel den Produzentinnen und Produzenten einen Bonus für die Bio-Qualität. Es überrascht nicht, dass bio und fair immer mehr zueinander finden. Inzwischen stammen 73 Prozent der Lebensmittel im Fairen Handel aus kontrolliert biologischem Anbau.

Bio-Anteile bei Produkten aus fairem Handel
ProduktAnteil in Prozent
Südfrüchte (inklusive Bananen)98 Prozent
Kaffee75 Prozent
Tee89 Prozent
Kakao

72 Prozent

Quelle: Forum Fairer Handel e.V. (Datenbasis: 2016)

Einkauf fair gehandelter Produkte

Viele der großen Handelsunternehmen im Biobereich führen bereits Produkte aus fairem Handel im Sortiment:

Die GEPA bietet ein auf Großkunden ausgerichtetes Vollsortiment an, das neben Kaffee, Tee und Kakao auch AHV-Snacks wie Kekse und Riegel enthält. Regionale Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner beraten und helfen Küchen bei der Umstellung. Im Online-Shop von El Puente finden Küchen Großgebinde in den Produktgruppen Kaffee, Tee und Gewürze. Auf der Homepage von Fairtrade Deutschland können Betriebe der Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung nach Einkaufsmöglichkeiten in ihrer Nähe suchen oder sich in einer Datenbank für "Gastronomen" über Produkte informieren. Generell empfiehlt es sich, mit den Handelsunternehmen das Gespräch zu suchen und nach gewünschten Produkten zu fragen, auch wenn diese noch nicht im Sortiment enthalten sind. Die Nachfrage bestimmt das Angebot!


Letzte Aktualisierung: 26.02.2018