Großverbraucher


Bio-Aktionstage in der Gemeinschaftsverpflegung

Infostand bei Bio-Aktionstagen in München. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
In der Münchner Bio-Aktionswoche 2017 kamen insgesamt 50.000 Bio-Essen auf den Tisch. Foto: BUND Naturschutz Bayern

Mit Aktionstagen in Betriebsrestaurants in Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen soll das Bio-Thema "in aller Munde" kommen. Doch die zeitlich begrenzten Aktionen erfüllen oft nicht die hochgesteckten Erwartungen. Denn Tischgäste wollen in der Mittagspause vor allem eins: gut und genussvoll essen. Darüber hinaus etwas abschalten von der Arbeit und vielleicht noch mit Kolleginnen und Kollegen plaudern. Aber nicht in der kurzen Pause mit einer Fülle gut gemeinter Informationen und Botschaften gefüttert werden. Das Mittagessen ist keine Bildungsveranstaltung. Sind deshalb Aktionstage ein Auslaufmodell? "Nein, auf keinen Fall!", sagt Elisabeth Peters, Koordinatorin der beim BUND Naturschutz Bayern angesiedelten Projektstelle "Ökologisch Essen". "Sie müssen nur richtig geplant sein und zielgruppen- und situationsgerecht durchgeführt werden". Die Resonanz auf die seit 2011 in Münchner Betriebsrestaurants durchgeführte Bio-Aktionswoche spricht für sich: Haben sich zu Beginn acht Küchen bei dieser alljährlichen Aktion beteiligt, so sind inzwischen 16 Unternehmen mit teilweise mehreren Standorten dabei.

Anlass und Ziele müssen stimmen

Im Wesentlichen gibt es zwei Gründe für Bio-Aktionstage in der Gemeinschaftsverpflegung: Zum einen als Bio-Einführungswoche, wenn eine Küche auf Bio umstellt beziehungsweise ein Bio-Angebot einführt und dies gegenüber den Gästen kommunizieren möchte. Zum anderen, wenn eine Küche ihr bestehendes Engagement für eine nachhaltige Küche mit Bioprodukten bekräftigen und ihre Tischgäste darüber informieren möchte. "Es geht hier in erster Linie um ein Statement der Küche für Bio und nicht darum, Tischgäste zu einem nachhaltigen Ernährungsstil zu erziehen", weiß Elisabeth Peters aus Erfahrung.

Gut gemeint ist nicht gleich gut gemacht

Der Zeigefinger sollte bei solchen Aktionen deshalb immer entspannt bleiben. Das heißt aber nicht, dass das Thema "nachhaltige Ernährung" jetzt unter den Tisch fallen sollte. Im Gegenteil. Wenn Küchenverantwortliche sich auf diesen Weg begeben, dürfen und sollten sie dies natürlich auch kommunizieren. Aber mit einem anderen Duktus. Die zentrale Botschaft lautet: Wir möchten unseren Tischgästen ein qualitativ hochwertiges und genussvolles Essen bieten und deshalb setzen wir Bioprodukte ein. Und natürlich können die Aktionstage auch mit einer Einladung verbunden sein: Bioprodukte auszuprobieren, sich mit Kolleginnen und Kollegen auszutauschen und über Hintergründe zu informieren. Häufig interessieren sich die Tischgäste beispielsweise dafür, woher die Lebensmittel stammen, die in ihrer Kantine auf den Teller kommen. Wer möchte, findet am Info-Tisch solche Informationen und einen Bio-Einkaufsführer mit weiteren Adressen in der Region.

Regionale Biobetriebe einbinden

Bio-Aktionstage in der Betriebsgastronomie Linde AG. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Bei den Bio-Aktionstagen der Linde AG präsentieren sich regionale Bio-Betriebe. Foto: Linde AG

"Bei unseren Bio-Aktionstagen binden wir immer auch regionale Lieferanten ein", berichtet Kurt Stümpfig, Leiter der Betriebsgastronomie der Linde AG in München. "Das kommt bei unseren Gästen sehr gut an und schafft Vertrauen". Der Bio-Anteil liegt bei den rund 2.400 Mittagessen am Tag inzwischen bei über 60 Prozent des Wareneinsatzes. Dieses Konzept hat sich bewährt und ist Teil der Unternehmenskultur. Trotzdem hält es der Bio-Mentor für wichtig, das Engagement der Küche immer wieder neu ins Bewusstsein zu bringen. Dazu stellt er bei den Aktionen stets neue Aspekte in den Vordergrund, wie beispielsweise die Qualität von Heumilchprodukten.

Niederschwellig umsetzen

Bei der Planung von Aktionstagen kommt es entscheidend darauf an, die Situation der Verantwortlichen in Küche und Ausgabe im Blick zu behalten. Für sie läuft bei solchen Aktionen das Hauptgeschäft ganz normal weiter. Zu viele Anforderungen können leicht zum Stress werden. Ein niederschwelliger, den Verhältnissen entsprechender Anspruch kann am Ende zu mehr Erfolg führen. Bei der Auswahl der Menüs empfiehlt es sich, auf Bewährtes zu setzen und beliebte, bezahlbare Biogerichte auf den Speiseplan zu setzen. Die gleichzeitige Umstellung von gewohnten Nudeln auf Vollkornteigwaren oder andere Experimente mit lupenreinen Ökoprodukten kann die Gäste leicht überfordern und die Akzeptanz geht in den Keller.

Aktion für die Öffentlichkeitsarbeit nutzen

Logo Freiburger Kantinentage.
Ein Motto kann dabei helfen, den richtigen Schwerpunkt zu setzen: Bei den Freiburger Kantinentagen stand beispielsweise das Thema "Klimaschutz und Kochlöffel" im Fokus. Bild: Stadt Freiburg

Neben den eigenen Tischgästen sind natürlich auch regionale Zeitungen, Hörfunksender sowie Bloggerinnen und Blogger als wichtige Zielgruppe zu berücksichtigen. Es empfiehlt sich, die Medien rechtzeitig mit einer Pressemeldung zu informieren und zum Auftakt einzuladen. Auf der Webseite finden interessierte Medienschaffende dann Hintergrundinformationen und weitere Links zum Thema. Die Medienresonanz informiert nicht nur die allgemeine Öffentlichkeit, sie ist auch ein positives Feed back für die Küchenteams und stärkt deren Wertschätzung in den Augen der Leitung.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Gäste wollen in der Mittagspause in erster Line genussvoll essen und keine Belehrung – das sollte immer die Richtschnur sein.
  • Aktionen sollten nicht mit Informationen überfrachtet werden. In der Kürze liegt die Würze!
  • Ein Info-Stand mit persönlicher Betreuung lädt die Tischgäste ein, sich mit dem Thema zu befassen.
  • Die Einbindung von Lieferanten ist wünschenswert und macht die Inhalte der Aktion greifbar und authentisch.
  • Mitmach-Angebote wie Quizfragen und Preisrätsel oder kleine Kostproben kommen in der Regel gut an.
  • Medien wie Plakate oder Roll-ups sollten vor allem als Blickfang dienen und dürfen nicht mit zu viel Text überfrachtet werden.
  • Aktionen dauern in der Regel einzelne Tage bis maximal eine Woche.
  • Eine Auswertung mit dem Küchenteam gehört zum Pflichtprogramm und dient dazu, Wertschätzung zu vermitteln und aus Erfahrungen zu lernen.

Letzte Aktualisierung: 26.04.2018