Großverbraucher


Kritik an Bio-Auslobung von Caterern in Hamburg

Kita-Kinder beim Mittagessen. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Vor allem bei den Kitakindern achten die Eltern auf die Qualität der Lebensmittel. Quelle: Dominic Menzler, BLE

Gerade Eltern von Kitakindern achten besonders sensibel auf die Qualität der Ernährung ihrer Kinder. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat deshalb stichprobenartig die Speisepläne und Internetseiten von 20 Cateringunternehmen unter die Lupe genommen. Wird der Bio-Anteil im Speiseplan richtig ausgewiesen? Stimmen die Ankündigungen auf den Internetseiten der Lieferanten mit der Realität überein? Die Ergebnisse und Reaktionen darauf sind nicht nur von regionalem Interesse. Bei sieben der Caterer hat die Verbraucherzentrale die Angaben zur Bioqualität des Essens sehr positiv bewertet. Drei der Caterer wurden "mittel" und zehn Lieferanten "schlecht" bewertet. Hier deckte sich die vielversprechende Auslobung im Internet oder auf den Speisekarten nicht mit dem Bio-Einsatz auf den Tellern der Kinder. Wenn Caterer nur einzelne Komponenten in Bioqualität einsetzen, dann müssen sie dies auch so kommunizieren. "Doch mit Formulierungen wie "Wenn möglich, greifen wir auf Bioland- oder Demeter-Lebensmittel zurück", "mit überwiegendem Bio-Anteil" oder "wir achten auf ökologischen Ursprung" wurden die Eltern über den wahren Bio-Anteil im Essen getäuscht", meint Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg. "Oft waren die Bio-Auslobungen für die verschiedenen Mahlzeiten unklar und nicht konkret genug". Einige Caterer hatten sogar mit Bio auf ihrer Website geworben, obwohl gar keine Biozertifizierung vorlag. Die Ursachen dafür liegen nach Einschätzung der Verbraucherzentrale in einer Mischung aus Nachlässigkeit und Unkenntnis bei den Caterern.

Veröffentlichung der Studie zeigt Wirkung

Fast alle der betroffenen Cateringunternehmen reagierten konstruktiv auf die Kritik. Neun der zehn bei der Bio-Auslobung schlecht bewerteten Caterer haben inzwischen nachgebessert. Sie haben die Auslobung auf den Internetseiten und/oder Speiseplänen korrigiert oder gelöscht. Zwei Caterer wollen die Bio-Zertifizierung nachholen. "Die Änderungen, die wir mit dieser Veröffentlichung erzielt haben, sind überwiegend sehr zielführend", bekräftigt Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg. "Mit den inzwischen durchgeführten Maßnahmen würden wir die beanstandeten Caterer jetzt deutlich besser bewerten". Auch die zuständige Behörde der Hansestadt Hamburg bewertet die Aktion positiv, weil sie dem Vertrauen der Verbraucherinnen und Verbraucher in Bioprodukte dient und zur Sicherung eines fairen Wettbewerbs beiträgt.

Welche Maßnahmen die Caterer in Reaktion auf die Studie im Einzelnen umgesetzt haben, hat die Verbraucherzentrale auf ihren Internetseiten zusammengefasst.

Aus Hamburg lernen

Bio-Siegel beim Catering. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Caterer können biozertifizierte Speisen oder Komponenten mit dem deutschen Bio-Siegel ausloben. Quelle: Andreas Greiner

Aus den Ergebnissen der Hamburger Studie lassen sich notwendige Konsequenzen und Handlungsempfehlungen ableiten, die bundesweit relevant sind. 

Viele Caterer müssen sich besser informieren, wie sie den Bio-Einsatz auf den Speiseplänen und in ihrer Werbung korrekt ausloben. Wer hier einen falschen Eindruck erweckt, schadet sich am Ende selbst. 

Die Kommunen mit Bio-Anspruch sollten das Thema „Qualitätssicherung“ verstärkt auf ihre Agenda setzen. Denn nur so wird es ihnen auf Dauer gelingen, den Bio-Anteil in der Verpflegung nachhaltig zu sichern bzw. zu steigern. Die Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Berlin e.V. erstellt dazu im Rahmen eines von IN FORM geförderten Projekts in Zusammenarbeit mit einer Öko-Kontrollstelle eine Studie, deren Ergebnisse voraussichtlich Anfang 2019 vorliegen werden.

Die belieferten Einrichtungen und interessierte Eltern können und sollten bei ihren Caterern auch einmal nachfragen, wie der Bio-Anteil zustande kommt und wo die Bioprodukte bezogen werden. Transparenz dient der Glaubwürdigkeit und dem Vertrauen. Überzeugte Bio-Caterer haben damit kein Problem. Auf den Internetseiten des Bundesverbands der Öko-Kontrollstellen (www.oeko-kontrollstellen.de) finden interessierte Personen über die Postleitzahl oder den Namen der Einrichtung die Zertifizierungsbescheinigung des Cateringunternehmens.


Letzte Aktualisierung: 02.10.2018