Bio kann jeder


Bio kann Jeder – Workshop auf dem Bio Hof Brinkmann

Menschengruppe. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Selber gesammelte Kräuter und Früchte bereichern die Bioküche. Foto: a´verdis

Kinder verstehen schnell, dass es ohne Bienen keine leckeren Himbeeren mehr gibt.

Was Bienen mit Kartoffeln, einem guten Frühstück, leckeren Himbeeren und lachenden Kinderaugen zu tun haben, zeigte sich beim Bio kann jeder-Workshop am 2. Juli 2018 auf dem Bio Hof Brinkmann im westfälischen Lage. Aber nicht nur das – der Workshop unter dem Motto "Nachhaltig essen in Kita und Schule" machte auch deutlich: Vegetarisches Bioessen kommt bei Kindern gut an.

Als Mitglied im Netzwerk "Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau" hat der Bio Hof Brinkmann im Herzen des Lipperlandes Vorbildcharakter: Seit 1980 werden auf dem Hof biologische Lebensmittel erzeugt und überwiegend im hofeigenen Laden und Hofcafé Speisekammer vermarktet. Aufbauend auf einer vielseitigen Fruchtfolge bauen die Brinkmanns bunte Kartoffelspezialitäten, Wildkräuter, Blüten und Getreide an. Bei schönem Wetter lädt der liebevoll gestaltete Bauerngarten zum Verweilen ein und das Selbsternteprojekt "Bio-Gärtchen" zum Selberernten. Weitere Hofangebote sind Kräuterseminare, das Wildkräuter-Menü Regional und Wild, Kräuterspaziergänge oder -radtouren für Familien, Hof-und Entdecker-Theater für Groß und Klein und der HofZauber-Markt im November. Von den Besonderheiten dieses vielseitigen Demonstrationsbetriebes konnten sich die Teilnehmenden des Bio kann jeder-Workshop überzeugen und aus erster Hand erfahren, wie Nachhaltigkeit, Genuss und Pädagogik Hand in Hand funktionieren können.

50 Prozent machen schon Bio

16 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, vorrangig aus Kitas, nahmen an dem Workshop in Lage teil. Davon setzt rund die Hälfte bereits punktuell Biolebensmittel ein. Meist in Form von Milch und Milchprodukten, Eiern und Kartoffeln. Die Kitas setzen auf regionale Partnerschaften zu Biohöfen, lassen sich beliefern oder gehen selbst einkaufen. Als positives Praxisbeispiel stach eine Paderborner Kita hervor: Mit persönlichen Erfahrungen konnte sie die vermittelten Inhalte praxisnah ergänzen. In der Kita gibt es eine rein vegetarische Küche mit hundertprozentigem Einsatz von Biolebensmitteln. Fast ausschließlich werden hierfür Demeter-Produkte verwendet, die unter anderem vom nahe gelegenen Schloss Hamborn stammen. Zubereitet wird das Kitaessen durch ein eigenes Küchenteam, das zwar bei einem Caterer angestellt ist, aber nach den Vorgaben der Kita kocht.

Bio in der Kinderernährung

Melanie Fülles und Eva Schlüter von a’verdis erläuterten, wie Bio in der Kinderernährung funktionieren und schmecken kann. "Zehn Prozent Bio – das kann jeder ohne Mehrkosten erreichen – und liegt damit schon über dem Bundesdurchschnitt", so Melanie Fülles. Was das Besondere von ökologisch erzeugten Produkten ausmacht und wie sich Kinder konkret für Bioessen begeistern lassen, zeigte Wiebke Brinkmann-Roitsch bei einer Hofführung. Um ökologischen Landbau erfolgreich betreiben zu können, müsse in Systemen gedacht werden, erläuterte die engagierte Biobäuerin: "Wenn man nur kleine Flächen zur Verfügung hat, muss man eben kreativ sein und Synergien nutzen." Zudem betonte sie die besondere Bedeutung von bestäubenden Insekten für die Lebensmittelproduktion: "Wenn es keine Bienen mehr gibt, gibt es auch keine Himbeeren oder Erdbeeren mehr – und auch den Tieren fehlt es an Futter", so Wiebke Brinkmann-Roitsch. Das würden auch schon die kleinsten Kinder verstehen.

Beim gemeinsamen Rundgang über den Hof konnte die Bio kann jeder- Gruppe zahlreiche Bienen, Schmetterlinge und Käfer sehen – und Kräuter und Blüten sammeln, die sie in der praktischen Einheit für das Zubereiten von kindgerechten Speisen benötigten. Die Bio-Kontrolle lässt sich übrigens alle Standorte der Wildkräuter genau zeigen, so dass auch die selbst hergestellten Kräuterprodukte vom Hof biologisch zertifiziert sind.

Dieses Frühstück lieben (nicht nur) Kinder!

Im Rahmen der Praxiseinheit wurden die selber gesammelten Wildkräuter und Blüten unter freiem Himmel und bei strahlendem Sonnenschein weiterverarbeitet. Ideen für ein kindgerechtes, leckeres Frühstück lernte die Gruppe von Birgit Brinkmann kennen. Neben Vollkornmehlstangen aus Dinkel und Waldstaudenroggen wurden zweierlei Crêpes zubereitet: süß mit cremigem Blütenquark sowie herzhaft mit cremigem Kräuterquark. Diese Praxiseinheit ist speziell für Kinder konzipiert und wurde genauso auch schon mit Kindern durchgeführt. Mithilfe eines Crêpes-Makers ist es problemlos möglich, sie miteinzubeziehen und Aktionen im Freien durchzuführen. Die Kinder verstehen dabei sehr viel, viel mehr als Erwachsende denken.

Vegetarische Kinderernährung und Allergien

Ein großes Thema in den Einrichtungen sind Allergien und Unverträglichkeiten. Immer mehr Kinder, die eine spezielle Ernährungskost benötigen, werden außer Haus verpflegt. Das stellt das Verpflegungssystem vor Ort vor große Herausforderungen. "Ein gut durchdachter Speiseplan mit einer sicheren Deklaration aller relevanten Allergene und Zusatzstoffe sowie festgeschriebene Rezepturen können hier helfen", erläuterte Melanie Fülles. Zudem sei es für die Verpflegungsverantwortlichen sehr wichtig, genau zu wissen, welches Kind auf welche Inhaltsstoffe wie reagiert, um eine Gesundheitsgefährdung auszuschließen. Bei vegetarischer Kinderernährung spalten sich meist die Meinungen, zumal Essen ein emotionales Thema ist: "Verwende ich kein Fleisch, kann ich das eingesparte Geld für eine höhere Lebensmittelqualität – also Bioprodukte – ausgeben", so Eva Schlüter. Allerdings müsse man bedenken, dass die Kinder abends und am Wochenende zuhause essen. Dann liege es in der Hand der Eltern, ob und wie oft Fleisch und Wurst auf den Teller kämen oder eben auch nicht. "Wer das Fleisch auf dem Speiseplan wirklich vermisst, sind die Eltern. Den Kindern ist nur wichtig, dass es lecker ist", so die Erfahrung einer Teilnehmerin aus ihrem Kitaalltag.

Unverpackt kommt oft

Lebensmittelspender in einem Hofladen. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Ansprechend und praktisch zugleich: die Lebensmittelspender im hofeigenen Laden des Bio Hofs Brinkmann. Foto: a´verdis

Immer häufiger werden Lebensmittel unverpackt gekauft. Auch die Hofkundschaft der Speisekammer kann bedarfsgerecht einkaufen. Häufig ist dies auch noch günstiger. Denn durch den Einkauf großer Mengen können die Brinkmanns die damit erzielten Preisvorteile an die Kundinnen und Kunden weitergeben. Davon profitiert auch die Umwelt: Es wird nur genau die Menge gekauft, die auch wirklich benötigt wird, und es muss nichts weggeworfen werden. Ein weiterer Pluspunkt: Man kann so auch mal etwas Neues ausprobieren – beispielsweise Backwaren aus Waldstaudenroggen, der ältesten Roggensorte, die wie viele andere Sorten nach dem Krieg zunächst verloren ging und auf dem Hof Brinkmann angebaut wird.

Letzte Aktualisierung: 29.07.2018