Großverbraucher


100 Prozent Bio für Bremer Kitas und Schulen

Kita-Kinder beim Mittagessen. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
In mehreren Stufen will die Biostadt Bremen die Verpflegung in Schulen und Kitas auf 100 Prozent Bio umstellen. Foto: Dominic Menzler, BLE

Anfang 2018 hat die Biostadt Bremen einen klaren Kurs bei der Einführung von Biolebensmitteln in der öffentlichen Gemeinschaftsverpflegung vorgegeben. Neben 100 Prozent Biokost in städtischen Schulen und Kitas sollen auch die Krankenhäuser mehr Bioprodukte in den Speiseplan integrieren. Allerdings hat sich die Biostadt Bremen bei den Kliniken mit 20 Prozent Bio zunächst eine niedrigere Quote vorgenommen. Denn in diesem Bereich gibt es noch große Vorbehalte, ob eine konsequente Umstellung auf biologische Lebensmittel auch wirtschaftlich machbar ist.

Bürgerentscheid gibt den Anstoß

Den Stein ins Rollen brachte im Jahr 2015 ein vom Agrarpolitischen Bündnis Bremen initiiertes Bürgerbegehren, das 5383 Personen unterschrieben hatten. Die Bremer Bürgerinnen und Bürger forderten darin die Stadtverwaltung auf, die Gemeinschaftsverpflegung tiergerechter und ökologischer zu gestalten. Allerdings mit einer klaren Vorgabe: Die Einführung von Bio sollte "aufwandsneutral erfolgen". Im Klartext: Mehr Geld sollte dafür nicht zur Verfügung gestellt werden.

Ausgangslage unter die Lupe nehmen

Die Stadtbürgerschaft diskutierte darüber und gab dem Senat im Herbst 2016 den Auftrag, dafür einen Aktionsplan zu erarbeiten. Als Grundlage sollte zunächst ein externer Gutachter die Ausgangssituation unter die Lupe nehmen. Das Ergebnis: In Bremen liegt der durchschnittliche Bioanteil beim Schulessen bereits bei 30 Prozent und bei den Kitas bei etwa zehn Prozent. Das ergaben die Recherchen und Berechnungen von Gutachter Michael Thun, Geschäftsführer der Firma "esscooltur" und gleichzeitig Leiter der Vernetzungsstelle Schulverpflegung im Land Bremen. Im Krankenhausbereich spiele "Bio dagegen praktisch keine Rolle", so der Befund.

Paket an Maßnahmen umsetzen

Der mehrstufige Aktionsplan der Biostadt Bremen sieht ein ganzes Paket an Maßnahmen vor. So sollen zu Beginn Pilotprojekte aufgesetzt werden, um örtliche best practice Beispiele zu schaffen. Zeitgleich werden Fortbildungen zur Qualifikation des Leitungs- und Küchenpersonal angeboten. Eltern, Kinder und Belegschaften sollen ebenfalls in den Prozess der Umstellung miteinbezogen werden. Die Koordination dafür übernimmt das Projekt Biostadt Bremen beim Umweltressort.

Schritt für Schritt mehr Bio einführen

Im Vordergrund steht dabei zunächst die flächendeckende Umsetzung beziehungsweise Einhaltung der DGE-Qualitätsstandards in der Gemeinschaftsverpflegung. Während bis Ende 2018 bereits zu 100 Prozent Biomilch eingesetzt werden soll, sieht der Aktionsplan bei pflanzlichen und den weiteren tierischen Produkten eine stufenweise Erhöhung der Bioanteile bis Ende 2022 vor. Dieser mehrstufige Ansatz und eine prozessbegleitende Evaluierung sind wichtige Elemente, um bei möglichen Fehlentwicklungen - vor allem im finanziellen Bereich - rechtzeitig gegensteuern zu können.

Fleischanteile senken

Tomaten-Möhren-Aufstrich. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Mehr pflanzliche Anteile im Speiseplan können sehr lecker sein! Foto: Andreas Greiner

Damit die Umstellung auf Bio auch bei knapper Haushaltslage gelingt, müssen der Fleischanteil im Speiseplan reduziert und die pflanzlichen Anteile erhöht werden. Das ist auch aus ernährungswissenschaftlicher Sicht sinnvoll. Denn ein Blick in die Speisepläne der Kitas und Schulen zeigt: Überall kommt mehr und häufiger Fleisch auf den Tisch, als die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt. Die Einhaltung der DGE-Standards in der Schul- und Kitaverpflegung ist deshalb ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Umstellung auf Bio in diesen Einrichtungen.

Regionale Netzwerke knüpfen

"Eine besondere Herausforderung wird es sein, die regionalen Erzeuger, Verarbeiter und Händler auf dem Weg mitzunehmen", bekräftigt Claudia Elfers, Referentin der Biostadt Bremen. "Nur wenn es möglich ist, dass regionale Angebot zu erhöhen, wird die Umstellung gelingen". Eine gute Basis dafür wurde bereits im Jahr 2017 geschaffen. Auf Initiative der Biostadt Bremen ist in der Metropolregion Bremen-Oldenburg eine Bioregion Nordwest mit einem Netzwerk von Akteurinnen und Akteuren entstanden. "Die brennen für das Thema und sind gegebenenfalls auch bereit, in die Zukunft zu investieren", so Claudia Elfers.

Sandwichstrategie

Die Erfahrungen der Biostadt Bremen zeigen: Man darf die beiden Ansätze "bottom up" oder "top down" nicht als Alternativen verstehen. Letztlich bringt das Wechselspiel aus beiden Ebenen das Thema entscheidend voran. Private und bürgerschaftliche Initiativen haben in Bremen seit Jahren den Boden für mehr Bio in der Gemeinschaftsverpflegung bereitet. Mit dem Aktionsplan und dem Beschluss für verbindliche Bioanteile gibt der Senat dem Thema jetzt entscheidende Impulse. Auch das Agrarpolitische Bündnis Bremen begrüßt es, dass der Senat damit eine Ernährungswende in der öffentlichen Gemeinschaftsverpflegung eingeleitet hat. Ein für 2020 vorgesehener Zwischenbericht wird zeigen, ob und wie die Vorgaben des Senats bis dahin umgesetzt wurden.


Letzte Aktualisierung: 22.02.2018