Großverbraucher


ZöL: Mehr Bio in der Außer-Haus-Verpflegung

Schülerbild von einem Mensa-Teller. Klick führt zu Großansicht im neuem Fenster.
Mit drei Maßnahmen will die Zukunftsstrategie ökologischer Landbau mehr Bio auf den Teller bringen. Foto: A. Greiner

Die Außer-Haus-Verpflegung in Deutschland ist ein dynamischer Markt mit großen Potenzialen für den Einsatz von Bioprodukten, die bisher nur ansatzweise genutzt werden. Der jährliche Gesamtumsatz liegt nach dem Verbraucherpanel Crest online der npdgroup bei über 70 Milliarden Euro (ermittelt für das Jahr 2015). Über den Bioanteil am AHV-Markt gibt es bislang noch keine belastbaren Daten. Näherungsweise dürften etwa fünf Prozent (350 Millionen Euro) des gesamten Biomarktes in Deutschland auf die Gemeinschaftsverpflegung, Gastronomie und Hotellerie entfallen - so die Studie "Regionaler Biomarkt NRW" des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (Dezember 2015).

Angesichts dieser Dimensionen war es deshalb nur konsequent, dass sich im Strategieprozess der Zukunftsstrategie Ökologischer Landbau des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) eine Arbeitsgruppe mit der Frage befasste, wie sich im Bereich der Außer-Haus-Verpflegung Impulse für mehr Bio setzen lassen. Die 18-köpfige Arbeitsgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern aus der Verwaltung von Bund, Ländern und Kommunen sowie Beratung, Wissenschaft und Praxis hatte dazu sechs Maßnahmen diskutiert und priorisiert. Folgende drei wurden in der ZöL aufgegriffen:

Bioprodukte im Geschäftsbereich des BMEL

Das BMEL plant, den Bioanteil der Kantinen im eigenen Geschäftsbereich von derzeit 10 Prozent auf mindestens 20 Prozent zu erhöhen. Im Rahmen eines Begleitprojekts in den Kantinen des BMLE sollen sogar 30 Prozent angestrebt werden. Damit möchte das Ministerium eine Vorbildfunktion für die öffentliche Beschaffung übernehmen und Anstöße für den Privatsektor geben. Dazu soll die Zentrale Vergabestelle für den Geschäftsbereich des BMEL zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Ernährung Leistungsbeschreibungen erarbeiten, um einen möglichst hohen Anteil regionaler und biologischer Lebensmittel zu erreichen.

Infokampagne "20 plus X"

Salatbuffet in der Kantine der BLE. Klick führt zu Großansicht im neuem Fenster.
Auch im Betriebsrestaurant der BLE sollen verstärkt Bioprodukte eingesetzt werden. Foto: A. Brückmann, BLE

Um relevante Akteure in der öffentlichen Beschaffung für das Biothema zu sensibilisieren, ist im Rahmen des BÖLN eine deutschlandweite Informationsmaßnahme "20 plus X" vorgesehen. Ziel ist es, dass möglichst viele öffentliche Einrichtungen auf Bundes- und Landesebene sowie in Städten und Gemeinden einen Bioanteil von mindestens 20 Prozent erreichen. Mit der geplanten Informationsmaßnahme sollen gezielt Personen aus drei Bereichen angesprochen werden:

  • Entscheidungsebene,
  • Vergabestellen beziehungsweise entsprechende Fachreferate und
  • Leitungen der Großküchen.

Beratung zur ökologischen AHV

Bei bisher im Rahmen des BÖLN durchgeführten Projekten - wie beispielsweise der Maßnahme "Bio kann jeder" - hatte sich immer wieder gezeigt: Auf Informationsveranstaltungen erhalten interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwar wichtige Impulse und Tipps zum Einsatz von Bioprodukten; aber die Umsetzung in der Praxis ist meist ein längerer Prozess. Diese Erfahrungen haben auch die Biostädte gemacht und fordern mehr Unterstützung bei der Integration von Bio. In vielen Fällen besteht hier Bedarf für individuelle Prozessberatung. Mit einer neuen Maßnahme möchte das ZöL jetzt eine Lücke schließen. Betriebe der Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung sollen in Zukunft eine Förderung beantragen können, wenn sie auf ihrem Weg zu "mehr Bio" Beratungen von externen Dienstleistern in Anspruch nehmen. Die genauen Modalitäten dieser Prozessberatung müssen allerdings noch erarbeitet werden.

Nächste Schritte

"Die beiden im Rahmen des BÖLN vorgesehenen Maßnahmen gehen jetzt in die interne Konzeptionsphase und werden sobald als möglich ausgeschrieben", betont Anke Brückmann von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Die Ökotrophologin hatte die Arbeitsgruppe zum Handlungsfeld "Öffentliche Beschaffung" geleitet. "Wir erhoffen uns, dass wir mit diesen Maßnahmen viele öffentliche und private Einrichtungen gewinnen können, die 20-Prozent-Schwelle zu erreichen oder zu überschreiten." Eine Teilnehmerin der Arbeitsgruppe, Christina Zurek vom Ökomarkt Hamburg, kommentiert: "Die Zukunftsstrategie öffnet mit den Maßnahmen zur öffentlichen Beschaffung und Gemeinschaftsverpflegung eine neue Tür. Jetzt hängt es nicht zuletzt auch von den Akteuren der AHV ab, wie sie damit umgehen und das Thema weiter voranbringen".


Letzte Aktualisierung: 02.03.2017