Großverbraucher


Paris: Mehr Nachhaltigkeit in öffentlichen Kantinen

Kinder beim Mittagessen in einer Pariser Schule
Die französische Metropole verfolgt in der öffentlichen Gemeinschaftsverpflegung eine konsequente Strategie in Richtung Nachhaltigkeit. Foto: Stadt Paris

Seit dem Jahr 2009 verfolgt die Stadt Paris das Ziel, die Verpflegung in Schulen, Kitas, Seniorenheimen sowie in Kantinen der städtischen Verwaltung nachhaltiger zu gestalten. Die zukunftsweisende Ernährungspolitik ist Teil der Pariser Nachhaltigkeitsstrategie und eingebunden in die Maßnahmen zur Klima- und Umweltpolitik. Mit rund 1.300 öffentlichen Kantinen, etwa 30 Millionen Mahlzeiten und einem Verpflegungsbudget in Höhe von rund 65 Millionen Euro pro Jahr kann die Stadtverwaltung über ihre Verpflegung einen enorm großen Nachfrageimpuls für qualitativ hochwertige Lebensmittel setzen. Drei Faktoren erleichtern dies: Erstens der hohe Grad an Zentralisierung. Die 20 Bezirke der Stadt Paris sind direkt für die Verpflegung der öffentlichen Schulen zuständig. Zweitens wird in 18 dieser 20 "arrondissements" selbst gekocht. Nur zwei Stadtbezirke haben das Catering an einen externen Dienstleister vergeben. Und drittens verwenden die städtischen Großküchen vor allem frische Lebensmittel.

Siegel des MSC
Quelle: Marine Stewardship Council (MSC)

Oder anders gesagt: Die Küchen verfügen über die Infrastruktur, um aus frischen Lebensmitteln gesunde Mahlzeiten zu kochen.

Trend zur nachhaltigen Ernährung

Für eine nachhaltige Ernährung stehen drei Kriterien im Vordergrund: Lebensmittel aus kontrolliert biologischem Anbau, Fisch mit dem Siegel des Marine Stewardship Council (MSC) und Produkte mit dem "Label Rouge".

Logo Label Rouge
Quelle: Fil Rouge – Fédération Interprofessionnelle des Labels Rouge

Dieses "Rote Label" ist kein Biosiegel aber ein Gütezeichen für hochwertige Lebensmittel aus Frankreich und fordert beispielsweise bei der Geflügelzucht eine artgerechte Haltung und Fütterung. Vor allem bei Fleisch und Fleischprodukten spielt es in den öffentlichen Kantinen eine Rolle, weil hier das Bioangebot die Nachfrage noch nicht befriedigen kann.

Jedes dritte Lebensmittel ist bio

EU-Bio_Logo
Quelle: Europäische Kommission

Aktuell erfüllen rund 38 Prozent aller Lebensmittel eines oder mehrere dieser Kriterien. Am wichtigsten ist dabei die Bio-Qualität: Der Bio-Anteil konnte von 7,4 Prozent im Jahr 2008 auf 33,5 Prozent im Jahr 2016 gesteigert werden. Das heißt konkret: Jedes Jahr werden in der Pariser Gemeinschaftsverpflegung mehr als 20 Millionen Euro für Biolebensmittel ausgegeben. "Mit diesem Geld können wir wichtige Impulse setzten, wie in der Region Paris Landwirtschaft betrieben wird", so Patrick Koumarianos. Er ist in der Pariser Umweltverwaltung für die städtische Ernährungspolitik zuständig.

Selbstverpflichtungen der Stadt Paris

Mittagessen in einer Pariser KiTa. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Die Kantinen in städtischen Einrichtungen setzen bereits heute über 33 Prozent Bioprodukte ein. Foto: Arnaud Terrier

Der bereits im Jahr 2015 verabschiedete "Plan alimentation durable" umfasst noch viel mehr als den Einsatz von Bioprodukten. So hält sich die französische Metropole an folgende Verpflichtungen:

  • keine gentechnisch veränderten Organismen
  • 100 Prozent Eier aus Freilandhaltung
  • kein Tiefseefisch
  • kein Palmöl
  • 20 Prozent weniger Fleischprodukte.

Mehrkosten im Griff

"Ja, die Biolebensmittel kosten etwas mehr als die konventionellen Produkte", räumt Patrick Koumarianos ein. Durch die Umstellung im Einkauf entstanden zunächst Mehrkosten in Höhe von rund 19 Prozent. Aber für die Verbraucherinnen und Verbraucher hat die Stadt die Preise für das Essen nicht erhöht. Teilweise konnten die zusätzlichen Kosten durch eine Optimierung des Systems wieder reduziert werden. Bewährt haben sich beispielsweise Maßnahmen zur Vermeidung von Speiseabfällen und eine besser am Bedarf ausgerichtete Portionierung. Aber letztlich entscheidend ist die politische Bedeutung, die man der Ernährungsstrategie in der französischen Metropole beimisst. "Wir wollen", so Koumarianos, "mit unserer Strategie zur nachhaltigen Ernährung auch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten". Zudem gibt es weitere Synergieeffekte, wenn mehr Bäuerinnen und Bauern auf Ökolandbau umstellen. Beispielsweise für den Trinkwasserschutz in der Region.

Ziel: 50 Prozent nachhaltige Verpflegung

Auf jeden Fall wird die Stadt Paris ihren Weg zu einer nachhaltigen Ernährungspolitik konsequent fortsetzen. Bis zum Jahr 2020 will sie den Anteil an nachhaltigen Produkten in der Verpflegung auf 50 Prozent erhöhen. Dann wird der Bioanteil voraussichtlich bei 45 Prozent liegen, schätzt Patrick Koumarianos.


Letzte Aktualisierung: 12.03.2018