Großverbraucher


Projekte zur nachhaltigen Außer-Haus-Verpflegung

Schülerinnen und Schüler stehen an der Essensausgabe. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Die Mensa der Rottweiler Maximilian-Kolbe-Schule konnte durch Beratungen im Projekt "Große Küche – Gutes Essen" erfolgreich einen Teil ihrer Produkte auf Bio umstellen. Foto: Maximilian-Kolbe-Schule

Neben bundesweiten Projekten wie der Maßnahme "Bio kann jeder" oder dem Netzwerk deutscher Biostädte gibt es auch in den Bundesländern verschiedene Initiativen für mehr Bio in der Außer-Haus-Verpflegung (AHV).

Baden-Württemberg

Mit dem Modellvorhaben "Große Küche – Gutes Essen" hat das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbrauchschutz zehn Pilotkantinen und –mensen durch Informationsveranstaltungen und Coachings bei der Umsetzung gesundheitsförderlicher und nachhaltiger Verpflegungsangebote unterstützt. In allen Fällen konnte eine Biozertifizierung mit einem Wareneinsatz von mindestens 15 Prozent ökologisch erzeugter, möglichst regionaler produzierter Lebensmittel erreicht werden. 2018/2019 plant das Ministerium landesweite Modellprojekte zur Optimierung der Verpflegungssituation in Landeskantinen und -mensen sowie in Schulen, Kliniken und Heimen. Dabei wird bei allen Modellprojekten nicht nur eine DGE-Zertifizierung angestrebt, sondern auch die Erhöhung des Anteils regionaler und ökologisch erzeugter Lebensmittel in den teilnehmenden Küchen. Nach Kenntnis des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz gibt es im Südwesten bisher drei Kantinen und 20 Mensen des Landes bzw. landeseigener Einrichtungen, die nach den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau zertifiziert sind.

Projekt Große Küche - Gutes Essen

Bayern

Mit dem Landesprogramm "BioRegio Bayern 2020" will die bayerische Landesregierung die Ökoproduktion im Land bis zum Jahr 2020 verdoppeln und setzt unter anderem Impulse in Richtung Gemeinschaftsverpflegung. Für die Betriebsgastronomie, die Schulverpflegung und die Kitaverpflegung hat Bayern bereits Leitlinien entwickelt. Die zur Seniorenverpflegung folgen 2018. Sie informieren Verpflegungsverantwortliche über ein gesundes und nachhaltiges Essensangebot. Acht Fachzentren Ernährung/Gemeinschaftsverpflegung bieten Tagungen, Workshops und Coachings zu diesen Leitlinien an. In den bayerischen Öko-Modellregionen gibt es zusätzlich Kochworkshops mit BioRegio-Coachings, die unter anderem den Kontakt zwischen Erzeugerinnen und Erzeuger und Großverbraucherinnen und -verbraucher herstellen und stärken sollen. Begleitend dazu wurde am Kompetenzzentrum für Ernährung in Kulmbach eine Projektstelle für bio-regionale Ernährung eingerichtet mit dem Ziel, Projekte zur ökologisch bewussten Ernährung zu begleiten. Zudem organisiert das Zentrum jährliche "Bio-Foren" für Großküchen, die einen höheren Anteil ökologisch erzeugter Lebensmittel einsetzen möchten. Die Internetplattform "Wirt sucht Bauer" unterstützt Gastronomiebetriebe und Kantinen dabei, Anbieter von regionalen und saisonalen Produkten zu finden. Rund zehn Prozent der eingetragenen Betriebe sind biozertifiziert und lassen sich herausfiltern.

Niedersachsen

Mit dem 100-Kantinen-Programm will das Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Verantwortliche in der Gemeinschaftsverpflegung anregen, mehr regionale, klimafreundlich und tiergerecht erzeugte Lebensmittel einzusetzen. Bioprodukte bilden dabei einen wichtigen Schwerpunkt. Im Rahmen des Aktionsplans für mehr Ökolandbau in Niedersachsen fördert die Landesregierung seit Juli 2017 das Projekt "Mehr biologische Produkte in der niedersächsischen Außer-Haus-Verpflegung (AHV)" (Laufzeit bis Ende 2018). Bausteine sind eine allgemeine Analyse des AHV-Marktes sowie Beratungen, Schulungen und Exkursionen für exemplarische AHV-Betriebe, Lieferanten und Multiplikatoren.

Nordrhein-Westfalen

Küchenleiter diskutieren bei einem Netzwerktreffen. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Auch im digitalen Zeitalter braucht es Plattformen für persönliche Kommunikation – wie hier bei einem Netzwerktreffen für Großküchen in NRW. Foto: a´verdis

Die im März 2017 gestartete Initiative "NRW kocht mit Bio" knüpft an vorangegangene, erfolgreich durchgeführte Projekte an und soll gezielt den Einsatz von ökologischen Lebensmitteln in der Außer-Haus-Verpflegung stärken und Netzwerke fördern. Im Auftrag des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW bietet das Beratungsunternehmen a‘verdis dazu verschiedene Module an, die unterschiedliche Zielgruppen des AHV-Marktes ansprechen: Netzwerktreffen fördern den Kontakt zwischen Anbietern und Nachfragern, Lehrkräfte für ernährungsbezogene Berufe werden zu ganztätigen Seminaren eingeladen und am Biothema interessierte Küchen können sich bei kostenlosen, eintägigen Vor-Ort-Beratungen informieren.

Schleswig-Holstein

Im Rahmen des Projekts "Netzwerk Ökolandbau Schleswig-Holstein" setzt die Landesvereinigung Ökologischer Landbau Schleswig-Holstein und Hamburg e.V. einen Schwerpunkt auf den Einsatz von Bioprodukten in der Außer-Haus-Verpflegung. Nach einer Potenzialanalyse und beispielhaften Umfragen unter Großküchen sollen interessierte Einrichtungen identifiziert werden, die mehr Bio einsetzen möchten. Geplant sind danach auch Veranstaltungen und Öffentlichkeitsarbeit, um potenzielle Anbieter und Abnehmer besser in Kontakt zu bringen.

Netzwerk Ökolandbau Schleswig-Holstein

Thüringen

In Thüringen fokussiert das Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft im Rahmen des ÖkoAktionsplans auch das Thema Bio in der AHV. Ziel eines gemeinsam mit dem Thüringer Ökoherz e.V. geplanten Projekts ist es, die Zusammenarbeit der regionalen Bio-Branche mit Großküchen und Cateringunternehmen zu entwickeln. Zu den Bausteinen gehören eine Bio-Aktionswoche, Seminare und Vor-Ort-Beratungen, um regionale Bioprodukte in Schulen, Kindergärten und Betriebskantinen zu etablieren. Ein Expertennetzwerk von wichtigen Marktakteuren soll bisherige Hemmnisse identifizieren und Lösungen erarbeiten. Eine wichtige Zielgruppe sind dabei auch die regionalen Verarbeitungsbetriebe, da diese Stufe der Wertschöpfungskette aktuell noch häufig außerhalb von Thüringen stattfindet.

Thüringer Ökoherz e.V.

Erfolgsfaktor Vernetzung

So unterschiedlich die Akteurinnen und Akteure, Konzepte und Maßnahmen in den verschiedenen Bundesländern sind, zwei Aspekte haben alle gemeinsam. Erstens geht es nie allein nur um den Einsatz ökologisch produzierter Lebensmitteln, sondern immer auch um deren regionale Herkunft. Zweites spielt neben der Vermittlung von Informationen die Vernetzung der Akteurinnen und Akteure entlang der Wertschöpfungskette eine zentrale Rolle. Denn insbesondere die Kontaktvermittlung zwischen Einkäuferinnen und Einkäufern und Lieferanten ist entscheidend, um den Einsatz von Bioprodukten in der AHV erfolgreich voran zu bringen.


Letzte Aktualisierung: 19.09.2017