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Schaufenstergestaltung kleiner Naturkostfachgeschäfte

Schaufenster eines Bioladens. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Einfache Maßnahmen zeigen oft die beste Wirkung, Foto: Paulina Jonczynski

"Jede Passantin oder Pasant muss auf den ersten Blick erkennen können, welche Produkte man in unserem Laden kaufen kann", verrät Paulina Jonczynski. Als langjährige Inhaberin des kleinen Naturkostfachgeschäfts "Tilia" in Berlin wurde sie mehrfach ausgezeichnet bei der "Schrot & Korn" Leserwahl 2008. "Mein Laden hat zwei schmale Schaufenster im Hochparterre und wir hatten keine Chance, gängige Dekorationselemente als Blickfang zu nutzen. Den Durchbruch brachten die sonnengelben Buchstaben BIO auf den Fenstern in einer Höhe von 1,70 Metern. Viele Neukundinnen und -kunden freuten sich über den "neuen Bioladen in der Gegend" - sie nahmen ihn nach fünf Jahren zum ersten Mal wahr..."

Aufmerksamkeit wecken

Schaufenster Bioladen. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Helle und offene Fensterfronten laden zum Besuch ein und wecken die Neugierde, Foto: Axel Wirz, FiBL Deutschland e.V.

Kreativ, flexibel und innovativ soll die Außengestaltung sein, zudem traditionelle Werte und Visionen transparent vermitteln. Das ist ganz schön viel, was ein kleiner Laden da leisten muss. Kein Wunder, dass im Alltag die Schaufenstergestaltung oft zu kurz kommt, auch weil deren Bedeutung zumeist unterschätzt wird. Die Aufmerksamkeit der potenziellen Kundinnen und Kunden soll geweckt werden – und dabei möglichst originell sein und die Kundschaft fesselnd. Und womit fesselt man? Durch Überraschungen! Kein noch so nett dekoriertes Weihnachtsschaufenster entlockt beispielsweise dem Kunden in der Adventszeit noch ein Lächeln. Irgendwann hatte Frau Jonczynski die ewigen Schneeflocken und Tannenzweige satt – ins Schaufenster kamen Osterhasen mit einer kompletten Frühlingsdekoration. Es war ein Volltreffer.

Passantinnen und Passanten schenken einem Schaufenster in der Regel nur wenige Sekunden Aufmerksamkeit. In dieser Zeit müssen sie eingeladen und informiert werden. Das Schaufenster gibt Auskunft über die Sorgfalt der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, über Sauberkeit, Ordnung und Sortimentsauswahl. Es signalisiert Profilierung: Qualität statt Quantität. Dabei sollten ein paar Regeln sowohl bei der Themenwahl, als auch bei der eigentlichen Gestaltung beachtet werden.

Konzentrieren auf das Wesentliche

Wir nehmen über 70 Prozent unserer Umwelt mit den Augen wahr. Daher ist es wichtig, gezielt sogenannte Eyecatcher zu platzieren. Zu viele Gestaltungselemente lenken jedoch vom Wesentlichen ab - eine sparsame Dekoration, klare Struktur und eine geschickte Beleuchtung dagegen heben bestimmte Artikel hervor. Lieber drei große Elemente wählen als zehn kleine. Durch eine ansprechende Anordnung in verschiedenen Höhen und Tiefen wird zudem ein optisch besseres Ergebnis erzielt.

Einen stimmigen Eindruck machen

Das gut beleuchtete Innere sollte durch blitzblank geputzte Scheiben sichtbar sein. Zettel und Plakate haben ihren Platz auf den Dachaufstellern vor dem Laden oder an der Pinnwand in der gepflegten Infoecke. Ein häufiger Fehler ist, an den Schaufenstern Hinweise auf Aktionen anzubringen. Sie vermitteln den Eindruck eines Ramschladens und laden kaufkräftige Passanten nicht zum Betreten des Ladens ein. Entscheidend ist der Einklang zwischen dem Fachgeschäftscharakter des Ladens und seiner Schaufenstergestaltung. Authentizität darf nicht mit Kitsch oder Nachlässigkeit verwechselt werden.

Circa alle drei bis vier Wochen sollten die Schaufenster neu gestaltet werden. Die Vielfalt der Themen mit saisonalem Bezug ist jedoch begrenzt. Welche Möglichkeiten stehen zur Verfügung? Aussagen zum aktuellen Geschehen (GVO, Bienensterben etc.) beispielsweise zeugen von persönlichem Engagement. Eine monochrome Dekoration stellt alle Artikel einer Farbe zusammen und Markenfenster präsentieren die Vielfalt der Produkte eines bestimmten Herstellers. Der Grundgedanke soll möglichst auch von der anderen Straßenseite deutlich zu erkennen sein.


Umdasch Shop Academy (Hrsg.): Lexikon für Ladenbau und Ladenmarketing: Shop-Design, Shop-Beleuchtung, Ladenbau, POS-Marketing, Visual Merchandising.
2011, Callwey-Verlag, 49,95 Euro, ISBN-13: 978-3-7667-1880-8

Letzte Aktualisierung: 21.10.2015