Bio-Zertifizierung

Bio-Zertifizierung von Handelsunternehmen

Unternehmen, die mit ökologischen Lebensmitteln handeln, sind verpflichtet, am gemeinschaftsrechtlichen Kontrollverfahren nach den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau teilzunehmen.

Streckengeschäftler, Großhandelsunternehmen, an gewerbliche Kunden vermarktende C+C-Märkte oder Internet-Handelshäuser müssen zum Beispiel am Kontrollverfahren teilnehmen. Unternehmen, die nur ihre Dienstleistung in Rechnung stellen (zum Beispiel Speditionen), werden dagegen in der Regel durch die Kontrollpflicht nicht erfasst.

Sonderfall Einzelhandel

Der Einzelhandel ist in Deutschland von der Teilnahme am Kontrollverfahren nach der EU-Bio-Verordnung freigestellt, wenn ausschließlich mit vorverpackten Bio-Lebensmitteln gehandelt wird. Auch lose Bio-Ware kann in geringen Mengen (5.000 kg pro Jahr, oder Jahresumsatz mit loser Ware bis zu 20.000 Euro) angeboten werden, dann wird jedoch eine Meldung bei der zuständigen Behörde des Landes erforderlich.

Wenn im Einzelhandel lose Ware oberhalb dieser Grenzen angeboten bzw. aufbereitet wird, also zum Beispiel Bio-Backwaren fertiggebacken oder Bio-Käse vorverpackt werden, müssen auch Einzelhandelsunternehmen am Kontrollverfahren teilnehmen.


Leitfaden: Bio mit Zertifikat - erfolgreich im Einzelhandel

In Deutschland gilt, dass der Verkauf von vorverpackten Bio-Lebensmitteln ohne Bio-Zertifizierung möglich ist. Wird jedoch lose Bio-Ware gehandelt oder aufbereitet bzw. verarbeitet, sind auch Einzelhandelsunternehmen nach der EU-Bio-Verordnung kontrollpflichtig.

Der Leitfaden informiert, unter welchen Bedingungen eine Bio-Zertifizierung im Einzelhandel erforderlich wird und welche Anforderungen das Kontrollverfahren stellt. So wird der Einstieg in die Öko-Zertifizierung für die Entscheiderinnen und Entscheider im Einzelhandel einfach und überschaubar.

  • Überarbeitung: 2022
  • Herausgeber: Gesellschaft für Ressourcenschutz (GfRS) im Auftrag des BÖLN
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Welche Schritte werden bei der Kontrolle und Zertifizierung von Handelsunternehmen durchlaufen?

Zunächst muss eine der zugelassenen Öko-Kontrollstellen ausgewählt werden. Hier finden Sie eine Übersicht der in Deutschland zugelassenen Kontrollstellen. Es ist empfehlenswert, sich durch einen Blick auf die Internetseite und ein telefonisches Vorgespräch einen ersten Eindruck von der ausgewählten Kontrollstelle zu verschaffen. 

Der Zertifizierungsprozess beginnt mit der Anfertigung einer Betriebsbeschreibung. Auf Formblättern der Öko-Kontrollstelle werden Grunddaten, wie Firmierung und Anschrift, Unternehmensstandorte, Ansprechpartner, gehandelte Öko-Produkte, Informationen zur Buchführung und zu anderen Qualitätsmanagementsystemen erfasst. Die Betriebsbeschreibung wird durch ein Organigramm, Lagepläne sowie durch eine Massenbilanz ergänzt.

Die Plausibilität der Betriebsbeschreibung und der dort niedergelegten Maßnahmen zur Sicherstellung der Öko-Qualität wird im Rahmen des ersten Kontrollbesuches geprüft. Sind die Anforderungen der EU-Rechtsvorschriften erfüllt, stellt die Öko-Kontrollstelle ein Zertifikat ("Bescheinigung") aus.


Film ab: Wie läuft die Bio-Zertifizierung im Einzelhandel ab?


Risikoeinstufung und Kontrollschwerpunkte

Die Frage, ob lose Öko-Ware oder vorverpackte Bio-Lebensmittel gehandelt werden, spielt bei der Risikoeinstufung des Unternehmens durch die Öko-Kontrollstelle eine wichtige Rolle. Sie bestimmt Art und Häufigkeit der Inspektionsbesuche. Bei Unternehmen, die an mehreren Standorten tätig sind, muss die Öko-Kontrollstelle zudem festlegen, mit welcher Frequenz die Einzelstandorte aufgesucht werden.

Bei den Kontrollbesuchen werden zunächst die Zertifikate ("Bescheinigungen") der Lieferantinnen und Lieferanten des Handelsunternehmens eingesehen. Diese können durch das Unternehmen auch internetgestützt verwaltet werden. Vorteilhaft bei diesem System ist, dass die zeit- und kostenaufwändige Verwaltung von Zertifikatskopien in Papierform entfällt - bei Änderungen des Zertifizierungsstatus seiner Lieferantinnen und Lieferanten informiert bioC das Handelsunternehmen automatisch per E-Mail.

Bei der Prüfung werden auch die Läger besichtigt. Öko-Erzeugnisse müssen so gelagert werden, dass sie stets als solche erkennbar und vor Kontamination geschützt sind. Während diese Forderungen bei vorverpackten Bio-Lebensmitteln einfach zu erfüllen sind, werden an Unternehmen, die lose Schüttgüter vermarkten, erhöhte Anforderungen gestellt. So muss ein Streckenhandelsunternehmen von Biogetreide zum Beispiel sicherstellen, dass die von ihm beauftragten Speditionen eine Kontamination der Bio-Ware mit Vorratsschutzmitteln, wie Pirimiphosmethyl, ausschließen. Ferner gilt, dass Öko-Erzeugnisse so transportiert werden müssen, dass ein Austausch verhindert wird.

Einen Schwerpunkt des Audits bildet die Prüfung der Dokumentation der hausinternen Qualitätssicherung. Die Ergebnisse der unternehmensinternen Analytik werden eingesehen. Wenn Beanstandungen vorliegen, die die Ökoqualität der Ware betreffen, werden die durch das Unternehmen getroffenen Maßnahmen geprüft.

Massenbilanz

Schließlich wird die Dokumentation des Wareneingangs und des Warenausgangs geprüft und ein Abgleich durchgeführt ("Massenbilanz"). Auch stichprobenartige Abgleiche der ermittelten Mengen mit den durch die Ökokontrollstellen der Lieferantinnen und Lieferanten ermittelten Daten werden vorgenommen ("cross check").

Am Ende des Kontrollbesuches stehen die Anfertigung des Kontrollberichtes und die Erläuterung von Abweichungen, sofern solche festgestellt wurden. In der Ökokontrollstelle wird eine Zertifizierungsentscheidung getroffen und bei Erfüllung der Anforderungen ein neues Ökozertifikat ausgestellt.


Letzte Aktualisierung 25.04.2022

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