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Bioprodukte importieren – wie es geht und worauf es ankommt

Mangos. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Tropische Früchte wie Mangos, Bananen, Ananas und Papayas sind beliebte Import-Produkte. Foto: Thomas Stephan, BLE

Ein Großteil der Bioprodukte, die in Deutschland verkauft werden, stammen aus dem Ausland.

Zunächst: innerhalb der Europäischen Union sind keine besonderen Regelungen zu beachten. Im EU-Binnenmarkt können Bioprodukte frei gehandelt werden. Als Importe im engeren Sinne werden alle Einfuhren aus Drittländern außerhalb der EU bezeichnet. 

Vereinfachtes Importverfahren mit Ländern auf der Drittlandsliste

Dabei gilt ein vereinfachtes Verfahren für die Länder auf der sogenannten Drittlandsliste: Argentinien, Australien, Costa Rica, Indien, Israel, Japan, Kanada, Korea, Neuseeland, die Schweiz, Tunesien und die USA. Die Kontrollstelle, die im Drittland den Exporteur bzw. Letztverarbeiter kontrolliert, füllt für jede exportierte Warenpartie ein standardisiertes Formular aus: die "Kontrollbescheinigung für die Einfuhr von Erzeugnissen aus Ökologischem Landbau" mit der Anschrift des Importunternehmens und des Unternehmens, das die Ware physisch in Empfang nimmt. Beim vereinfachten Verfahren überprüfen die Zolldienststellen in der EU die Öko-Auslobung der Importpartien. Bei der Abfertigung zum zollrechtlich freien Verkehr legt das Einfuhrunternehmen das Original der Kontrollbescheinigung dem Zoll vor. 

Verfahren durch anerkannte Kontrollstellen

Für Länder, die nicht in der Drittlandsliste stehen, hat die EU-Kommission eine Liste gleichwertiger Kontrollstellen erstellt, die regelmäßig aktualisiert wird. Es kann auch vorkommen, dass Kontrollstellen die Lizenz aberkannt wird, wie 2014 bei einer türkischen Kontrollstelle geschehen. Im Unterschied zum vereinfachten Verfahren muss in diesem Importverfahren eine Partienkennzeichnung enthalten sein. Auch in diesem Fall müssen das Einfuhrunternehmen und das Unternehmen, welches die Ware in Empfang nimmt, genannt werden. Vor der Verzollung aber übermittelt das Einfuhrunternehmen seiner Kontrollstelle eine Kopie der Kontrollbescheinigung des Exporteurs. 

Liste besonders risikoreicher Länder

Nachdem 2014 verstärkt Rückstande bei Importen in die EU festgestellt wurden, hat die EU-Kommission 2015 einen Leitfaden für zusätzliche Kontrollen für Bio-Importe aus Osteuropa und Zentralasien veröffentlicht. Seit Dezember 2015 bis zunächst Ende 2016 unterliegen die Importe aus Aserbaidschan, Belarus, Georgien, Kasachstan, Kirgistan, Moldawien, Russland, Tadschikistan, der Ukraine und Usbekistan schärferen Regeln. Betroffen sind Getreide und Mühlenprodukte, sowie Ölsaaten und Produkte daraus, wie beispielsweise Ölkuchen. Alle Betriebe, die Produkte in die EU exportieren wollen, müssen nun zweimal jährlich kontrolliert werden, einmal davon unangekündigt. Außerdem werden die Produkte im Versenderland auf Rückstände kontrolliert, dann verplombt und beim Empfänger nochmals auf Rückstände untersucht. Jede einzelne Partie – je nach Interpretation der Kontrollbehörden ist das jeder einzelne LKW oder ein Konvoi an LKW – wird so nochmals untersucht. Bis die Kontrollbehörden der Bundesländer die Ware freigeben (können), vergehen so nach Eintreffen der Ware in Deutschland häufig bis zu vier Wochen. Die Kontrollbehörden sollen alle Lieferungen der aufgeführten Erzeugnisse aus diesen zehn Ländern jederzeit nachvollziehen können. Sie müssen dafür sorgen, dass dort, wo eine Lieferung in die EU kommt, die Dokumentation systematisch verifiziert wird. Genannt sind das Öko-Zertifikat, die Dokumente für den Zoll und die Transportpapiere. Außerdem müssen Namen, Adressen und Zertifikate aller Beteiligten entlang der Lieferkette verifiziert werden.

Anonyme günstige Ware oder direkte Beziehungen?

Importe sind aufwändig und mit umfangreicher Dokumentation verbunden. Daher übernehmen häufig Händler und Importeure diese Aufgabe – und weniger die Verarbeiter selbst. Gleichzeitig ist Rückverfolgbarkeit für immer mehr Verarbeiter und Händler ein großes Thema. Sie wollen nachvollziehen können, woher ihre Rohstoffe stammen und das gern auch den Endkundinnen und -kunden kommunizieren. Dadurch entwickeln sich immer mehr direkte Verträge und Beziehungen zwischen einzelnen Unternehmen und Lieferanten in den Produzentenländern. Gleichzeitig gibt es Verarbeiter, die vor allem günstig Rohstoffe auf dem Spotmarkt bei Händlern einkaufen, um hier ein möglichst günstiges Bioprodukt anbieten zu können. Welche Strategie die einzelnen Verarbeiter und Händler fahren, ist unternehmerische Entscheidung.


Letzte Aktualisierung: 03.11.2016