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Biozertifizierung von Biofachgeschäften und Lebensmittelgeschäften

Das Ziel der Ökokontrolle ist es, die gesamte Wertschöpfungskette von der Erzeugung bis zum Verkauf an die Verbraucherinnen und Verbraucher, abzusichern. So kann an allen Stellen des Inverkehrbringens nachgewiesen werden, dass Bio drin ist, wo Bio drauf steht.

Gesetzliche Regelungen

Gemäß den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau sollen alle Betriebe und Unternehmen kontrolliert werden, die pflanzliche oder tierische Produkte erzeugen, verarbeiten, aufbereiten oder importieren und diese mit dem Hinweis auf die ökologische Erzeugung etikettieren und vermarkten. Dazu gehören auch Unternehmen, die Ökoprodukte lagern und weiterverkaufen, beispielsweise Biogroßhandelsunternehmen.

Die EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau erlauben den Mitgliedsstaaten, den Einzelhandel von der Teilnahme an der Biokontrolle auszunehmen, wenn die gehandelten Bioprodukte direkt an die Endverbraucherinnen und -verbraucher verkauft werden. Diese Ausnahmeregelung gilt in Deutschland und in weiteren EU-Ländern. Die Grenzen der Ausnahmeregelung sind in den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau in Artikel 28 (2), (Teilnahme an der Kontrollpflicht) beschrieben. Sobald der Einzelhandel selber erzeugt, aufbereitet, lagert oder eine dieser Tätigkeiten von anderen durchführen lässt, besteht Kontrollpflicht. Unter dem Begriff "aufbereiten" versteht man beispielsweise das Umverpacken oder Fertigbacken sowie Änderungen der Kennzeichnung oder der Ursprungsgebindegröße eines Bioproduktes. Erfolgt eine solche Maßnahme, muss sich der Betrieb kontrollieren lassen.

Damit unterliegen der Lieferservice, der Internethandel oder die immer beliebteren Bistrobereiche im Vorkassenbereich der Lebensmittelgeschäfte ebenfalls der Kontrollpflicht. Streng genommen dürfen vom Einzelhandel nur fertig verpackte und original verschlossene Waren direkt an Endverbraucherinnen und -verbraucher verkauft werden. Dies gilt auch für Händlerinnen und Händler die Bioprodukte an ihrem Wochenmarktstand anbieten.

Privatrechtliche Kontrollkonzepte

Auch wenn die Kontrolle des Bioeinzelhandelsunternehmens nicht gesetzlich verpflichtend ist, so gibt es verschiedene privatrechtliche Ansätze, die Kontrollkette auch beim Biolebensmitteleinzelhandel zu schließen. Ein Beispiel ist die freiwillige, externe Sortimentskontrolle der Mitgliedsbetriebe des BNN. Satzungsgemäß überprüfen unabhängige, qualifizierte Fachkräfte alle zwei Jahre die Einhaltung der Sortimentsrichtlinien. Die Kontrolle umfasst das gesamte Angebotssortiment. Alle Produkte in einem BNN Mitgliedsfachgeschäft müssen den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau entsprechen. Bevorzugt soll Ware der anerkannten Ökoverbände gelistet sein. Führt ein BNN Mitgliedsgeschäft auch Tätigkeiten aus, die der allgemeinen Kontrollpflicht unterliegen, zum Beispiel die Bewirtschaftung eines Bistrobereiches, kann die Sortimentskontrolle gleichzeitig mit der jährlich anstehenden Biokontrolle abgewickelt werden.

Ein weiteres Beispiel ist das Kontrollkonzept der Bio Inspecta in der Schweiz. Hier werden unangemeldete Kontrollen im jährlichen Rhythmus durchgeführt. Dabei wird das Sortimentsangebot überprüft und besonders auf die korrekte Auszeichnung der Waren geachtet. Dies ist insbesondere notwendig, wenn Produkte wie Wild, Erzeugnisse aus Wildfang (zum Beispiel Fisch) oder aus Wildsammlungen (Beeren) angeboten und ausgelobt werden.

Es existieren also bereits Angebote zur Kontrolle des Lebensmitteleinzelhandels. Man sollte sie nutzen, denn sie erhöhen die Glaubwürdigkeit und Vertrauenswürdigkeit des Biofachhandels.


Letzte Aktualisierung: 29.10.2015