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Fragen und Antworten zur Biozertifizierung im Handel

Wer mit Biolebensmitteln handeln will, muss sich vorab gut informieren. Müssen Sie sich als Händlerin bzw. Händler mit Ihrem Unternehmen zertifizieren lassen? Und wer führt die Biozertifizierung durch? Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Thema Biozertifizierung. 

Muss mein Unternehmen zertifiziert werden?

Alle Unternehmen in der EU, die mit ökologischen Lebensmitteln handeln, sind verpflichtet, am gemeinschaftsrechtlichen Kontrollverfahren nach den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau teilzunehmen. Es müssen also zum Beispiel auch Streckengeschäftler, Großhandelsunternehmen, an gewerbliche Kunden vermarktende C+C-Märkte oder Internethandelshäuser teilnehmen. Jedoch hat Deutschland von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, Einzelhandelsunternehmen, die unmittelbar an Endverbraucherinnen und Endverbraucher vermarkten, von der Kontrollpflicht auszunehmen.

Alle Händlerinnen und Händler von Bioprodukten in Deutschland, die ausschließlich abgepackte oder einzeln gekennzeichnete Biolebensmitteln im Laden anbieten, benötigen in der Regel keine Zertifizierung. Anders sieht es aus, wenn in Ihrem Unternehmen Lebensmittel vorverpackt oder verarbeitet werden. In diesem Fall ist Ihr Unternehmen nach den EU-Rechtsvorschriften für den Ökologischen Landbau kontrollpflichtig.

Wer führt die Zertifizierung durch?

In Deutschland gibt es viele staatlich zugelassene Öko-Kontrollstellen, die das Kontrollverfahren nach den EU-Rechtsvorschriften für den Ökologischen Landbau durchführen. Händlerinnen und Händler können die Kontrollstelle frei wählen. Die meisten Öko-Kontrollstellen sind bundesweit tätig. Hier finden Sie eine Liste der derzeit in Deutschland tätigen Öko-Kontrollstellen.

Welche Vorbereitungen müssen vor der Zertifizierung getroffen werden?

EU-Bio-Logo. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Das EU-Bio-Logo muss verpflichtend auf den Etiketten vorverpackter Lebensmittel mit Bio-Auslobung in der Verkehrsbezeichnung verwendet werden.

Wenn Sie mit Ihrem Unternehmen am Kontrollverfahren teilnehmen wollen, sind einige Vorbereitungen zu treffen. Bei der Prüfung muss nachvollziehbar sein, dass für den Bioverkauf ein entsprechender Zukauf von zertifizierter Ware erfolgt ist und es nicht zu Verwechslungen von Bioware und Nicht-Bioware kommen kann. Das Zertifizierungsverfahren beginnt mit der Erstellung einer Betriebsbeschreibung, welches zur Vorbereitung des ersten Audits dient. Sie erhalten in der Regel einen entsprechenden Erhebungsbogen von Ihrer Kontrollstelle. 

Die Plausibilität der Betriebsbeschreibung und der dort niedergelegten Maßnahmen zur Sicherstellung der Ökoqualität wird im Rahmen des ersten Kontrollbesuches geprüft. Nach dem Erstaudit erfolgt eine Zertifizierungsentscheidung. Wenn die Anforderungen der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau erfüllt sind, erhalten Sie ein Zertifikat.

Wie oft wird mein Unternehmen kontrolliert?

Neben der jährlichen Regelkontrolle führen die Kontrollstellen im Rahmen des regulären Bio Kontrollverfahrens auch risikoorientierte Schwerpunktkontrollen durch. Die Einschätzung Ihres Unternehmens beziehungsweise die Risikobewertung bestimmt die Häufigkeit der Kontrollen. Die Frage, ob lose Bioware oder vorverpackte Biolebensmittel gehandelt werden, spielt bei der Risikoeinstufung des Unternehmens eine entscheidende Rolle. Bei Unternehmen, die an mehreren Standorten tätig sind, muss die Ökokontrollstelle zudem festlegen, wie oft die Einzelstandorte aufgesucht werden.

Was kostet die Zertifizierung für mein Unternehmen?

Die Kosten für die Zertifizierung sind aufwandsbezogen, variieren aber auch je nach Kontrollstelle. Es macht durchaus Sinn, die Angebote und Konditionen von verschiedenen Kontrollstellen zu vergleichen. Generell muss der zu zertifizierende Betrieb eine Grundpauschale zahlen, des Weiteren werden je nach benötigter Kontrollzeit die Arbeitsstunden in Rechnung gestellt. Auch die Anfahrt der Kontrolleurin oder des Kontrolleurs zum Unternehmen fließt in die Rechnung mit ein.

Wie müssen die Lebensmittel gekennzeichnet werden?

Naturkostladen. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Alle Händlerinnen und Händler von Bioprodukten in Deutschland, die ausschließlich abgepackte oder einzeln gekennzeichnete Biolebensmitteln im Laden anbieten, benötigen in der Regel keine Zertifizierung. Quelle: BLE, Thomas Stephan.

Grundsätzlich dürfen alle zertifizierten Händler mit dem bundeseinheitlichen Bio-Siegel werben. Seit dem 1. Juli 2012 gilt die Kennzeichnungspflicht mit dem neuen EU-Bio-Logo: Es muss verpflichtend auf den Etiketten vorverpackter Lebensmittel mit Bioauslobung in der Verkehrsbezeichnung verwendet werden.

Für bereits zuvor etikettierte Bioware gelten Übergangsvorschriften: Sie müssen nicht nachetikettiert werden und dürfen zeitlich unbeschränkt abverkauft werden. Das EU-Bio-Logo muss auf den Verpackungen immer mit der Codenummer der zuständigen Öko-Kontrollstelle (DE-ÖKO-XXX) und einer Herkunftsangabe (EU-Landwirtschaft, Nicht-EU-Landwirtschaft, EU-/Nicht-EU-Landwirtschaft) erscheinen.

Was muss bei der Lagerung von Bioprodukten beachtet werden?

Für die Lagerung von Bioprodukten wird kein gesonderter Lagerraum benötigt. Wichtig ist, dass sowohl die biologischen Rohwaren als auch die biologischen Fertigprodukte eindeutig identifizierbar sind (zum Beispiel durch Lagerung in Originalgebinden). Eine Vermischung oder Verwechslung mit Nicht-Bioprodukten sowie eine Kontamination mit unzulässigen Stoffen müssen ausgeschlossen sein.


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Letzte Aktualisierung: 30.08.2016