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Qualitätsoffensive für Bioprodukte aus der Türkei

Besuchergruppe um Sortieranlage. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Erzeugung und Verarbeitung türkischer Bioaprikosen standen im Mittelpunkt bei einer Exkursion nach Malatya. Foto: ARGE FiBL Projekte GmbH

Die Türkei ist ein wichtiges Herkunftsland für den Ökomarkt in der EU und insbesondere Deutschland. Zu den Hauptexportprodukten der Türkei in ökologischer Qualität zählen Haselnüsse und Trockenfrüchte wie Rosinen, Aprikosen und Feigen. Allerdings beeinträchtigen Qualitätsprobleme wie beispielsweise Pestizidkontaminationen immer wieder die Handelsbeziehungen, sodass die Türkei ihr großes Produktions- und Handelspotenzial bisher noch nicht vollständig ausschöpft. Schwachstellen gibt es in der gesamten Wertschöpfungskette: in Erzeugerbetrieben, beim Nachernteverfahren, bei der Vorerfassung, der Verarbeitung sowie bei der Verschiffung der Waren. Expertinnen und Experten sind sich einig, dass dieses Problem nur behoben werden kann, indem deutsche Import- und türkische Export- und Produktionsbetriebe eng zusammenarbeiten. Nicht nur die Importeure müssen alle Prozesse und Stufen der Wertschöpfungskette kennen und verstehen, auch die Ladnerinnen und Ladner müssen die Problematik einer stufenübergreifenden Qualitätssicherung beachten. Denn sie sind die direkten Ansprechpersonen für die Verbraucherinnen und Verbraucher, wenn es um die Qualität von türkischen Bioprodukten geht.

Bilaterales Projekt

Traube mit hellen Weintrauben an der Rebe. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Trauben und die daraus hergestellte Sultaninen sind wichtige Bioprodukte in der Türkei. Foto: ARGE FiBL Projekte GmbH

Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) hat daher mit Förderung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) das bilaterale Projekt "Deutsch-Türkische Zusammenarbeit Ökologische Landwirtschaft" initiiert. Dessen Ziel ist es, den ökologischen Landbau in der Türkei und die Exportmöglichkeiten von Bioprodukten für den europäischen Markt zu stärken, indem den Verantwortlichen das notwendige Wissen für eine nachhaltige Qualitätssicherung vermittelt wird. Damit entsteht die Grundlage für eine sichere und nachhaltige Entwicklung des Exportmarktes für türkische Bioprodukte. Die Umsetzung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem operativen Projektträger, dem türkischen Dachverband der Ökologischen Landwirtschaft (ETO) in Izmir, bei dem auch das im Jahr 2011 gegründete Projektsekretariat angesiedelt ist. Gemeinsam soll die Zusammenarbeit aller Marktpartner der Ökobranche intensiviert sowie ein entsprechendes Aus- und Weiterbildungsangebot geschaffen werden.

Onlineseminar geht an den Start

Im Rahmen dieses Projektes wurde nun ein neunstündiges Onlineseminar zur nachhaltigen Qualitätssicherung innerhalb der Wertschöpfungskette türkischer Bioprodukte entwickelt. Das Intensivtraining ist in englischer Sprache und richtet sich an Mitarbeitende in Verkauf und Qualitätsmanagement europäischer Biounternehmen, die mit türkischen Bioprodukten handeln. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gewinnen ein tieferes Verständnis der Wertschöpfungskette türkischer Bioprodukte. Sie lernen, Qualitätsprobleme zu beurteilen und diese in Zusammenarbeit mit den türkischen Lieferanten zu lösen. Die erste Lerneinheit besteht aus einer Einführung in den Handel mit türkischen Bioprodukten. Es folgen vier interaktive Übungsmodule, die die Wertschöpfungsketten von Bioaprikosen, Biofeigen, Biohaselnüssen und Biosultaninen thematisieren. Das Seminar kann entweder ganz oder in einzelnen Modulen belegt werden. Die erfolgreiche Teilnahme wird mit einem Zertifikat bescheinigt. Mehr Informationen finden Interessierte auf der Webseite des Projektes.

Weitere Aktivitäten im Rahmen des Kooperationsprojekts

  • Ausrichtung einer internationalen Konferenz zur Entwicklung des Biosektors und Durchführung von Supply-Chain-Analysen für die wichtigsten türkischen Biohandelsprodukte
  • Im Rahmen des Projektes werden Exkursionen für deutsche Importunternehmen organisiert. Ziel dieser Besuche ist der Austausch mit türkischen Exportbetrieben, beispielsweise zum Thema "Qualität der gehandelten Bioprodukte". Gemeinsam werden Farmen, Aufbereitungsanlagen und Lagerstätten besichtigt.
  • Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt der Projektarbeiten liegt in der Qualifizierung von (zukünftigen) Ökoberaterinnen und -beratern, Mitarbeitenden von Händlern, Ökokontrollstellen und Kontrollbehörden. Auch wird der Austausch von deutschen und türkischen Ökobehörden gefördert.

Letzte Aktualisierung: 29.10.2015