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Importe aus Drittländern

Gewürze, Sternanis. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Gewürze wie Pfeffer oder Sternanis sind klassische Bioimportprodukte aus Drittländern. Foto: Axel Wirz, FiBL Deutschland e.V.

Importe von Bioprodukten aus Drittländern (Nicht-EU-Ländern) unterliegen besonderen Anforderungen, die jedes Handels- und Importunternehmen kennen sollte. Dr. Jochen Neuendorff, Geschäftsführer der Ökokontrollstelle Gesellschaft für Ressourcenschutz (GfRS), beschreibt die wichtigsten Vorschriften, die es zu beachten gilt. 

Importe aus EU-Ländern haben anderen Status

Aus der Europäischen Union stammende, unter den Anwendungsbereich der EU-Rechtsvorschriften zum ökologischen Landbau fallende Produkte dürfen nach Artikel 34 der EG-Öko-Basisverordnung 834/2007 im EU-Binnenmarkt frei gehandelt werden. Anders stellt sich die Situation bei denjenigen Ökoerzeugnissen dar, die aus Nicht-EU-Staaten ("Drittländern") in die EU importiert werden. Für eine Vermarktung dieser Produkte unter Ökoauslobung in der EU müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. 

Wenn ein deutsches Einfuhrunternehmen Ökoprodukte aus Drittländern in die EU importieren will, müssen im betreffenden Drittland zu den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau gleichwertige Produktionsvorschriften und Kontrollmaßnahmen implementiert sein (Artikel 34 der EG-Ökobasisverordnung 834/2007). Dann bestehen  zwei Möglichkeiten für den Import:

  1. Anerkannte Drittländer: Das betreffende Drittland wurde in das von der EU-Kommission geführte Verzeichnis von anerkannten Drittländern aufgenommen (Anhang III der VO (EG) Nr. 1235/2008). 
    oder
  2. Anerkannte Drittlands-Kontrollstelle: Die Biozertifizierung im jeweiligen Drittland wird durch eine von der EU-Kommission für das jeweilige Drittland zugelassene Ökokontrollstelle durchgeführt (Anhang IV der VO (EG) Nr. 1235/2008).

Beide Verzeichnisse ändern sich fortlaufend. Die früher von der BLE erteilten Vermarktungsermächtigungen sind Mitte 2015 endgültig ausgelaufen.

Anerkannte Drittländer

Für die Aufnahme in die Drittlandsliste muss von der diplomatischen Vertretung des betreffenden Drittlandes bei der EU-Kommission in Brüssel ein offizieller Aufnahmeantrag gestellt werden. Die EU-Kommission prüft dann, ob die Produktionsvorschriften und das Kontrollsystem im Drittland den Bedingungen der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau gleichwertig sind. Voraussetzung für die Aufnahme ist, dass im antragstellenden Drittland gesetzliche Regelungen zur Kennzeichnung, Erzeugung und Kontrolle von ökologisch erzeugten Produkten bestehen. 

Aktuell sind Argentinien, Australien, Costa Rica, Indien, Israel, Japan, Kanada, Neuseeland, die Schweiz, Tunesien und die USA in der Drittlandsliste aufgeführt. Für jede in die EU eingeführte Importpartie aus diesen anerkannten Ländern muss eine Kontrollbescheinigung gemäß Anhang V der EG-Verordnung Nr. 1235/2008 vorliegen. Diese Kontrollbescheinigung darf beispielsweise für argentinische Ware nur durch die nationalen argentinischen Kontrollstellen ARGENCERT, Food Safety, LETIS oder OIA ausgestellt werden, die für Argentinien in der Drittlandsliste als Kontrollstellen benannt sind. Obwohl es in Argentinien weitere zugelassene Ökokontrollstellen gibt, dürfen diese keine Kontrollbescheinigungen ausstellen.

Die Überwachung, ob in Drittländern eine wirksame Biokontrolle durchgeführt wird, obliegt den dort ansässigen Überwachungsbehörden, Akkreditierungsstellen und dem Food and Veterinary Office (FVO) der EU.

Anerkannte Drittlands-Ökokontrollstellen 

Alle weiteren Drittlandsimporte in die Europäische Union müssen durch von der EU-Kommission zugelassene Drittlands-Kontrollstellen zertifiziert sein. Für jede Drittlands-Kontrollstelle ist in Anhang IV angegeben, welche Produktkategorien in welchen Ländern diese Ökokontrollstelle zertifizieren darf.

Kontrollverfahren für EU-Importeure und erste Empfänger

Getreidesäcke. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster..
Wichtige Importprodukte sind verschiedene Getreidearten, die in Deutschland und in der EU nicht produziert werden. Foto: Axel Wirz, FiBL Deutschland e.V.

Importunternehmen von Ökoerzeugnissen aus Drittländern und "erste Empfänger" (zum Beispiel Lagerhaltungsunternehmen) müssen sich durch eine in Deutschland zugelassene, private Ökokontrollstelle überprüfen lassen. Im Sinne der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau fertigt ein Einfuhrunternehmen aus Drittländern importierte Waren zum zollrechtlich freien Verkehr ab. "Erste Empfänger" der Importpartien nehmen die Ware physisch an und prüfen, ob die Kennzeichnung der Ware stimmig ist.  

Die Kontrollstelle, die im Drittland den Exporteur kontrolliert, stellt für jede exportierte Warenpartie ein standardisiertes Formular ("Kontrollbescheinigung für die Einfuhr von Erzeugnissen aus Ökologischer Landwirtschaft/Biologischem Landbau in die Europäische Gemeinschaft", Anhang V der EG-Verordnung Nr. 1235/2008) aus. 

Vor der Überführung in den zollrechtlich freien Verkehr übermittelt das Einfuhrunternehmen eine Kopie der Kontrollbescheinigung an seine deutsche Ökokontrollstelle und teilt alle Informationen mit, die die Kontrollstelle für die Registrierung der Ökoimporte benötigt.

Die Zolldienststellen in der EU sind bei der Überprüfung der Ökoauslobung der Importpartien beteiligt. Bei der Abfertigung zum zollrechtlich freien Verkehr legt das Einfuhrunternehmen nach Anmeldung der Ökopartien im ATLAS-System das Original der Kontrollbescheinigung dem Zoll vor, der diese unterzeichnen und freigeben muss. Ohne diese Zollfreigabe darf die Partie nicht als Ökoware in der EU vermarktet werden. Anschließend führt der erste Empfänger die Wareneingangsprüfung durch und dokumentiert das Ergebnis seiner Prüfung in der Kontrollbescheinigung. Die Kontrollbescheinigung wird dann beim Importeur für die Inspektionen seiner Kontrollstelle archiviert. 

Falls eine importierte Partie vor der Überführung in den zollrechtlich freien Verkehr aufgeteilt werden soll, werden Teilkontrollbescheingungen (Anhang VI der EG-Verordnung Nr. 1235/2008) verwendet. Bei Importunternehmen und ersten Empfängern werden mindestens einmal jährlich ein Kontrollbesuch und ergänzend dazu unangekündigte Prüfungen einer deutschen Ökokontrollstelle durchgeführt. Importpartien, die Importdokumentation und die Aufzeichnungen nach den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau werden überprüft.


Dr. Jochen Neuendorff

Leiter der Zertifizierungsstelle Gesellschaft für Ressourcenschutz mbH
Prinzenstr. 4
37073 Göttingen

Letzte Aktualisierung: 29.10.2015