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Importe aus Drittländern

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Bio-Tee ist ein klassisches Importprodukte aus China, Indien und Nepal.
Foto: Jochen Neuendorff, GfRS

Importe von Bioprodukten aus Drittländern (Nicht-EU-Ländern) unterliegen besonderen Anforderungen, die jedes Handels- und Importunternehmen kennen sollte. Dr. Jochen Neuendorff, Geschäftsführer der Ökokontrollstelle Gesellschaft für Ressourcenschutz mbH (GfRS), beschreibt die wichtigsten Vorschriften, die es zu beachten gilt. 

Importe aus EU-Ländern haben einen Sonderstatus

Aus der Europäischen Union stammende, unter den Anwendungsbereich der EU-Rechtsvorschriften zum ökologischen Landbau fallende Produkte dürfen nach Artikel 34 der EG-Öko-Basisverordnung 834/2007 im EU-Binnenmarkt frei gehandelt werden. Anders stellt sich die Situation bei denjenigen Ökoerzeugnissen dar, die aus Nicht-EU-Ländern ("Drittländern") in die EU importiert werden. Für eine Vermarktung dieser Produkte unter Ökoauslobung in der EU müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. 

Wenn ein deutsches Einfuhrunternehmen Ökoprodukte aus Drittländern in die EU importieren will, müssen im betreffenden Drittland durch die Europäische Union anerkannte Produktionsvorschriften und Kontrollmaßnahmen implementiert sein (Artikel 34 der EG-Ökobasisverordnung 834/2007). Dann bestehen zwei Möglichkeiten für den Import:

  1. Anerkannte Drittländer / Handelsabkommen: Das betreffende Drittland wurde in das von der EU-Kommission geführte Verzeichnis von anerkannten Drittländern aufgenommen (Anhang III der VO (EG) Nr. 1235/2008). 
    Oder:
  2. Anerkannte Drittlands-Kontrollstelle: Die Biozertifizierung im jeweiligen Drittland wird durch eine von der EU-Kommission für das jeweilige Drittland zugelassenen Ökokontrollstelle durchgeführt (Anhang IV der VO (EG) Nr. 1235/2008).

Beide Verzeichnisse ändern sich fortlaufend.

Anerkannte Drittländer

Für die Aufnahme in die Drittlandsliste muss von der diplomatischen Vertretung des betreffenden Drittlandes bei der EU-Kommission in Brüssel ein offizieller Antrag gestellt werden. Die EU-Kommission prüft dann, ob die Produktionsvorschriften und das Kontrollsystem im Drittland den Bedingungen der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau gleichwertig sind. Voraussetzung für die Aufnahme ist, dass im jeweiligen Drittland gesetzliche Regelungen zur Kennzeichnung, Erzeugung und Kontrolle von ökologisch erzeugten Produkten bestehen. 

Aktuell sind Argentinien, Australien, Costa Rica, Indien (jedoch mit Einschränkungen), Israel, Japan, Kanada, Neuseeland, die Republik Korea (keine tierischen Erzeugnisse), die Schweiz, Tunesien, die USA und Chile in der Drittlandsliste aufgeführt. Importeure können sich bei Fragen an ihre zuständige Landesbehörde oder an die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) wenden:

Telefon: 0228 / 6845-2915
E-Mail: oekoverordnung@ble.de

Für jede in die EU eingeführte Importpartie aus diesen anerkannten Ländern muss eine unter Nutzung der Datenbank TRACES ausgestellte Kontrollbescheinigung gemäß Anhang V der EG-Verordnung Nr. 1235/2008 vorliegen. Diese Kontrollbescheinigung darf beispielsweise für argentinische Ware nur durch die nationalen argentinischen Kontrollstellen ARGENCERT, Food Safety, LETIS oder OIA ausgestellt werden, die für Argentinien in der Drittlandsliste als Kontrollstellen benannt sind. Obwohl es in Argentinien weitere zugelassene Ökokontrollstellen gibt, dürfen diese keine Kontrollbescheinigungen mit TRACES ausstellen.

Die Überwachung, ob in Drittländern eine wirksame Biokontrolle durchgeführt wird, obliegt den dort ansässigen Überwachungsbehörden, Akkreditierungsstellen und der DG SANTE der EU.

Anerkannte Drittlands-Ökokontrollstellen 

Alle weiteren Drittlandsimporte in die Europäische Union müssen durch von der EU-Kommission zugelassene Drittlands-Kontrollstellen zertifiziert sein. Für jede Drittlands-Kontrollstelle ist in Anhang IV angegeben, welche Produktkategorien in welchen Ländern diese Ökokontrollstelle zertifizieren darf.

Kontrollverfahren für EU-Importeure und erste Empfänger

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Ölsaaten aus Drittländern sind ein wichtiges Importprodukt zur Fütterung in der ökologischen Tierhaltung.
Foto: Jutta Krawinkel, GfRS

Importunternehmen von Ökoerzeugnissen aus Drittländern und "erste Empfänger" (zum Beispiel Lagerhaltungsunternehmen) müssen sich durch eine in Deutschland zugelassene, private Ökokontrollstelle überprüfen lassen. Im Sinne der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau fertigt ein Einfuhrunternehmen aus Drittländern importierte Waren zum zollrechtlich freien Verkehr ab. "Erste Empfänger" der Importpartien nehmen die Ware erstmals physisch an und prüfen, ob die Kennzeichnung der Ware stimmig ist.  

Die Kontrollstelle, die im Drittland den Exporteur kontrolliert, stellt für jede exportierte Warenpartie via TRACES ein standardisiertes Formular ("Kontrollbescheinigung für die Einfuhr von Erzeugnissen aus Ökologischer Landwirtschaft/Biologischem Landbau in die Europäische Gemeinschaft", Anhang V der EG-Verordnung Nr. 1235/2008) aus. Diese Kontrollbescheinigung wird aus TRACES ausgedruckt.

Die Zolldienststellen in der EU sind bei der Überprüfung der Ökoauslobung der Importpartien beteiligt. Bei der Abfertigung zum zollrechtlich freien Verkehr legt das Einfuhrunternehmen nach Anmeldung der Ökopartien im ATLAS-System das Original der Kontrollbescheinigung dem Zoll vor, der sowohl den Papierausdruck als auch die elektronische Dokumentation in TRACES prüfen und  die Partie freigeben muss. Ohne eine Unterschrift des Zolls im entsprechenden Feld der Kontrollbescheinigung darf die Partie nicht als Ökoware in der EU vermarktet werden. Anschließend führt der erste Empfänger die Wareneingangsprüfung durch und dokumentiert das Ergebnis seiner Prüfung in der Kontrollbescheinigung und parallel in TRACES. Die Kontrollbescheinigung wird dann beim Importeur für die Inspektionen seiner Kontrollstelle archiviert.

Falls eine importierte Partie vor der Überführung in den zollrechtlich freien Verkehr aufgeteilt werden soll, müssen Teilkontrollbescheingungen (Anhang VI der EG-Verordnung Nr. 1235/2008) verwendet werden. Dieses Verfahren wird ebenfalls via TRACES abgebildet.

Es empfiehlt sich, sich vor den ersten Drittlandsimporten umfassend zur Thematik zu informieren. Verschiedene Anbieter führen regelmäßig Informationsseminare zur Durchführung von Drittlandsimporten durch, so der DFHV und das BLQ.


Dr. Jochen Neuendorff
Leiter der Zertifizierungsstelle Gesellschaft für Ressourcenschutz mbH
Prinzenstr. 4
37073 Göttingen

Letzte Aktualisierung: 25.10.2017