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Preisaufschläge für Bioprodukte

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Wer Biolebensmittel kauft, muss bereit sein, mehr Geld auszugeben als für konventionelle Alternativen. Dennoch wächst die Nachfrage nach ökologisch erzeugten Produkten.

Das Marktforschungsinstitut GfK in Nürnberg hat unter den 30.000 teilnehmenden Haushalten ihres Panels zwischen 2010 und 2015 einen stetig steigenden Anteil derer ermittelt, die sich bereit erklärten, für Bioprodukte auch mehr Geld auszugeben. Diese Bereitschaft spiegelt sich in einem wachsenden Markt wieder. Dabei zahlen Konsumentinnen und Konsumenten mitunter deutliche Aufschläge für Lebensmittel aus ökologischer Erzeugung gegenüber deren konventionellen Alternativen. Geschuldet ist dies in erster Linie der Tatsache, dass die Biolandwirtschaft arbeitsintensiver ist. Artgerechte Tierhaltung, umweltschonende Anbaumethoden einschließlich des Verzichts auf chemisch-synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel, die erforderlichen Betriebskontrollen, aber auch höhere Anforderungen in der Verarbeitung von Bioprodukten sowie höhere Logistikkosten, all das führt zu relativ höheren Kosten je Einheit. Zudem ist der Preiswettbewerb im konventionellen Lebensmitteleinzelhandel (LEH) intensiver. Das zeigt sich sowohl in aggressiven Werbungen als auch Dauerniedrigpreisstrategien.

Erhebungen im Rahmen des AMI-Verbraucherpreisspiegels zufolge lagen die Preisaufschläge für eine Auswahl an vornehmlich frischen Biolebensmitteln im November 2016 zwischen 28 Prozent und 129 Prozent. Demnach kosteten Bioeier im Verlauf des Jahres 2016 mehr als das Doppelte als Ware aus Bodenhaltung. Dennoch wurden sie von den privaten Haushalten in Deutschland vermehrt nachgefragt, während die günstigen Bodenhaltungseier seltener eingekauft wurden.

Dabei ist dieses Beispiel kein Einzelfall. Frischmilch aus ökologischer Erzeugung zeigte sich weitgehend unbeeindruckt von der zwei Jahre andauernden Preisschwäche der konventionell erzeugten Milch. Zwischenzeitlich lag der Aufschlag für ökologisch erzeugte Ware bei annähernd 100 Prozent, ohne jedoch deren positiver Marktentwicklung zu schaden. Anfang November 2016 hob der LEH die Verbraucherpreise für Milch und weitere Milchprodukte im Basissortiment an, wodurch sich der Abstand zu ökologisch erzeugter Milch auf durchschnittlich 60 Prozent verringerte.

Noch volatiler zeigten sich die Verbraucherpreise für Deutsche Markenbutter. Im Juni 2016 wurde der 250-Gramm-Ziegel für 0,70 Cent angeboten. Nur vier Monate später kostete dieser 1,29 Euro, so viel wie zuletzt im Herbst 2013. Auch Biobutter verzeichnete innerhalb dieses dreijährigen Zeitraums Preisschwankungen. Allerdings bewegten sich diese in einem Korridor von 1,56 Euro bis 1,86 Euro. Das Ausmaß der Aufschläge für Biobutter wurde damit maßgeblich von der Achterbahnfahrt der Preise von konventioneller Butter bestimmt. Dieses reichte von 140 Prozent im Mai 2016 bis zu 28 Prozent nur sechs Monate später.

Preise konventioneller Produkte schwanken stärker

Eine Volatilität, wie sie Erzeugerinnen und Erzeuger bis hin zu Vermarkterinnen und Vermarktern von konventioneller Milch seit der Liberalisierung des europäischen Milchmarktes 2007 erfahren haben, ist für frisches Obst und Gemüse sowie für frische Kartoffeln längst Normalität. Auf allen Stufen bewegten sich die Preise seit jeher mit dem verfügbaren Angebot und damit den Vegetationsbedingungen, die dafür von entscheidender Bedeutung waren. Das gilt auch für Erzeugnisse des ökologischen Land- und Gartenbaus. Doch selbst hier zeigen sich die Preislinien von Speisekartoffeln sowie wichtigen Obst- und Gemüsearten aus ökologischem Anbau, wie Bananen, Salatgurken oder Möhren, auf Verbraucherebene tendenziell stabiler.

Außerdem lässt sich feststellen, dass die Preisaufschläge bei Produkten besonders hoch sind, die in der konventionellen Variante besonders günstig sind und der Unterschied in den Haltungsformen besonders groß ist. Das betrifft beispielsweise Geflügel und Schweine, bei denen die Kundinnen und Kunden zwischen zwei und drei Mal so viel zahlen wie für die konventionelle Variante. Bei Produkten, die konventionell vergleichsweise hochpreisig angeboten werden wie beispielsweise Rindfleisch oder Spargel sind die Aufpreise für Bio vergleichsweise klein.

Stabile Preise sind jedoch kein Selbstzweck. Viel mehr bedeuten sie mehr Planungssicherheit für die verschiedenen Vermarktungsebenen. Für Verbraucherinnen und Verbraucher hat Preisstabilität auch eine psychologische Komponente. Denn die Kundschaft reagiert auf Preiserhöhungen wesentlich empfindlicher als auf Preissenkungen. Diese asymmetrische Bewertung wird in der Literatur als Verlustaversion bezeichnet und ist ein zentrales Element der von Prof. Hans Wolfgang Brachinger entwickelten Theorie der Inflationswahrnehmung.


Letzte Aktualisierung: 03.01.2017