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Biogeflügel ist eine kleine, aber wachsende Nische

Grafik zu den Biogeflügeleinkaufsmengen im Jahr 2016
Bei Biogeflügel sind Hähnchen am stärksten gefragt. Grafik: AMI-Analyse auf Basis des GfK-Haushaltpanels

Die Haushalte in Deutschland kauften 2016 rund 11.300 Tonnen Biogeflügel und damit über zwölf Prozent mehr als noch im Jahr zuvor. Doch die Preisaufschläge zum konventionellen Produkt sind hoch und bremsen die Kauflust bei manchen Kundinnen und Kunden. Auch darf die Zuwachsrate bei der Einkaufsmenge nicht überbewertet werden: Biogeflügelfleisch stellte 2016 gerade mal einen Absatzanteil von 1,6 Prozent an der gesamten Geflügelfleischproduktion.

Das meiste Biogeflügel auf dem deutschen Markt wird frisch angeboten, rund ein Drittel fließt in die Verarbeitung zu Wurst oder auch Babynahrung. Rund die Hälfte des Biogeflügels kaufen die Kundinnen und Kunden an der Selbstbedienungstheke. Eine Vergrößerung des Biogeflügelsortimentes an der Fleischtheke des Handels wird durch die besonderen Hygieneauflagen gebremst. So muss Frischgeflügel in der Bedienung vom übrigen Sortiment abgetrennt sein. Auch separate Werkzeuge und Schneidbretter müssen verwendet werden. Dadurch ist zum Beispiel auch konventionelles Geflügel seltener an den Theken zu finden.

Produktion steigt alljährlich

Die deutsche Biogeflügelfleischproduktion ist 2015 weiter gestiegen, so die AMI-Strukturdatenerhebung bei den Ökokontrollstellen in Deutschland. Mit einem Plus von fünf Prozent im Vergleich zu 2014 stieg die Produktion auf 18.450 Tonnen. Das war gerade mal ein Prozent der deutschen Geflügelfleischproduktion. Der im Vergleich zu 2014 schwache Anstieg kommt aus der Verkleinerung der Putenbestände von 350.000 auf 325.000 Stück.

Den höchsten Bioanteil unter den Mastgeflügelarten hatten 2015 wie schon in den Vorjahren die Gänse inne, von denen 5,5 Prozent auf Biobetrieben lebten. Die Biogänsebestände sind wieder gewachsen und zwar auf 53.000. 990.000 Masthähnchen wurden 2015 auf Biobetrieben gehalten, rund fünf Prozent mehr als 2014. Sie erreichten aber nur einen Anteil von 0,9 Prozent an der gesamten Masthähnchenhaltung in Deutschland. Trotz der höheren Bioanteile bei Gänsen, Puten und Enten, lag der Fleischanteil 2015 nur bei einem Prozent. Der kleinere Fleischanteil kommt durch die Dominanz der Hähnchenproduktion zustande.

Wie in den Vorjahren wurden am Biogeflügelmarkt auch 2016 Steigerungsraten verzeichnet. Die Produktionsmenge ist 2016 auf rund 19.050 Tonnen (+ 5,8 Prozent) gestiegen. Wie schon 2015 sind auch 2016 die Putenbestände weiter verkleinert worden. Dagegen sind die Masthähnchenbestände weitergewachsen auf nun 1,1 Milionen Stück.

Legehennen enden als Suppenhuhn

Durch die steigende Zahl von Legehennen in den vergangenen Jahren ist naturgemäß die Zahl der Althennen gewachsen. Die Lebensmittelindustrie ist hier wichtigster Abnehmer und verarbeitet sie zum Beispiel zu Bouillon, nur vereinzelt gehen sie in die Babynahrung. Ein Teil der Althennen geht auch als Suppenhenne, meist tiefgekühlt, in den Handel. Das funktioniert besonders gut bei kleinen direktvermarktenden Legehennenbetrieben, die meist auch ihre Suppenhennen an die Kundschaft bringen.

Ohnehin sind längst nicht alle in Deutschland frisch verzehrten Biohühner aus deutscher Erzeugung. Einer der größten Anbieter für Biohähnchen- und -Putenfleisch für den süddeutschen Markt sitzt in Österreich.

Alle wollen Hähnchen

Junge Masthühner an der Auslauföffnung eines Mobilstalles für Geflügel, Freilandhaltung. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Junge Masthühner an der Auslauföffnung eines Mobilstalles für Geflügel, Freilandhaltung. Foto: D. Menzler, BLE

Fast Zweidrittel der frischen Biogeflügeleinkäufe kamen 2016 auf Biohähnchen. Neben dem Naturkosthandel sind hier auch die Vollsortimenter des Lebensmitteleinzelhandels wichtige Verkaufsstätten. In den Discountern ist Biogeflügel bislang nur vereinzelt zu finden. Häufiger als am konventionellen Markt werden ganze Tiere vermarktet, und nicht nur Teilstücke. So sind bei konventioneller Ware nur acht Prozent des gekauften Hähnchenfleisches ganze Hähnchen, bei Biogeflügel sind es rund ein Fünftel. Im Biosegment wird also öfter das ganze Tier vermarktet, wodurch weniger Teile (zum Beispiel Flügel) übrigbleiben.

Anders sieht dies bei der Pute aus, bei der die Vermarktung fast ausschließlich über Teile erfolgt. Verwertbar sind lediglich hochpreisig vermarktbare Teile wie Brustfleisch-Artikel und gegebenenfalls noch Oberschenkel. Der Rest des Schlachtkörpers muss anderweitig verwendet werden (Babynahrung, Hackfleisch). Die "Resteverwertung" stellt also den limitierenden Faktor dar.

Geldbeutel begrenzt Wachstum

Die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland kaufen immer mehr Biogeflügel. Eingeschränkt wird der Konsum aber durch die höheren Preise im Vergleich zur konventionellen Variante und der kleineren Produktauswahl im Biosegment. Eine Käuferanalyse der AMI auf Basis des GfK-Haushaltspanels zeigt, dass die Mehrpreisbereitschaft für Biogeflügelprodukte bei älteren Verbraucherinnen und Verbrauchern stärker ausgeprägt ist als bei jüngeren.

Im Laden kosten Biogeflügel und -produkte in der Regel zwischen zwei und drei Mal mehr als konventionelles Geflügel. 2016 kostete frisches Biogeflügel im Schnitt über alle Einkaufsstätten 14,44 Euro je Kilogramm, während der Durchschnittspreis bei konventionellem frischen Geflügel bei 5,57 Euro je Kilogramm lag.

Um die Bedeutung des Biogeflügelfleischsektors zu vergrößern, müssen neue Käuferschichten gewonnen werden. Die Käuferreichweite bei Biogeflügelfleisch ist mit fünf Prozent im Vergleich zum konventionellen Sektor mit 86 Prozent noch sehr gering.


Letzte Aktualisierung: 30.11.2017